Schon-Frist für alle Motzkis und Rauh-Beine: Denn die am Verbandstag des Bayerischen Fußball-Verbandes beschlossene Wiedereinführung der 10-Minuten-Strafe wird definitiv erst mit Beginn der Punkte-Runde zum Tragen kommen. Und nicht in den Testspielen, die landauf, landab jetzt schon in großer Zahl stattfinden. Keineswegs ideal, denn testen müssten auch die Unparteiischen. "Der Verbandstag war sehr spät, da bleibt jetzt kaum Zeit zum Reagieren", weiß Bezirks-Schiedsrichterobmann Michael Walter (Diebach).

Die Handlungs-Empfehlung für die Unparteiischen soll in den nächsten Tagen vom sechsköpfigen Verbands-Schiedsrichter-Ausschuss erstellt werden, um eine einheitliche Regelauslegung zu gewährleisten. "Dieses Gremium ist neu zusammengestellt worden und muss sich auch erst mal finden", ergänzt Michael Walter, der wie seine Obmanns-Kollegen allenfalls angehört werden, aber kein direktes Mitsprache-Recht besitzen.

Klar scheint zumindest: Ob zuerst eine Gelbe Karte und dann eine Zeitstrafe ausgesprochen wird, bleibt im Ermessens-Spielraum des Unparteiischen. Anwendung findet die neue Regel bei den Herren von der niedrigsten Klasse bis hoch zur Landesliga, bei den Frauen bis zur Bayernliga. Vor 30 Jahren wurde die Zeitstrafe übrigens abgeschafft durch die Einführung der Gelb-Roten Karte. Die sogenannte Ampelkarte wird es weiter geben und künftig auch im Juniorenbereich eingesetzt. "Aber auch hier muss eine Handlungsanweisung erstellt werden, die in Webinaren für die Schiedsrichter vorgestellt werden", weiß Michael Walter.

Begeisterung sieht anders aus

Michael Nöth, Trainer des Kreisklassisten SV Garitz, hat sich mit der 10-Minuten-Strafe noch nicht so intensiv auseinandergesetzt. Er hat es zur Kenntnis genommen, überlegt aber schon, wie es sich auf das Spiel auswirken könnte. "Wir müssen uns natürlich damit auseinandersetzen, wie wir uns taktisch bei einer Strafe verhalten. Alles andere liegt eh nicht in unserer Hand", so Nöth.

Frank Schmitt, Spieler beim Kreisligisten SG Oerlenbach/Ebenhausen findet die Einführung "Quatsch". Er befürchtet wie bei allen Regeländerungen bisher, dass es die Schiedsrichter unterschiedlich auslegen werden. "Ich kann mir schon vorstellen, dass der ein oder andere vielleicht doch einmal mehr hinlangt und dann auf die Milde des Schiedsrichters hofft", so Schmitt. Ob sich das Zweikampfverhalten deswegen grundlegend ändert, vermut er aber nicht.

Alexander Unsleber befürchtet, dass er zukünftig "ein Mal mehr auf die Socken bekommt". An und für sich hält er die Zeitstrafe für gut. "Es muss halt clever eingesetzt werden. Ein grober Tritt oder Meckern ist natürlich schon ein Unterschied", so der Sulzthaler Stürmer. Thomas Sturm