Spfr. Herbstadt - VfR Sulzthal 2:3 (0:1). Tore: 0:1 Lorenz Halbig (45.+2), 0:2 Markus Keller (56., Foulelfmeter), 1:2 Julian Ankenbrand (63.), 1:3 Luca Hartmann (71.), 2:3 Sebastian Jucht (90.). Rot: Christian Nöth (55., Herbstadt).

Der blau-weiße Himmel über Burglauer wirkte wie eine Vorsehung: Was sollte da schon schief gehen für die Sulzthaler, wenn das Firmament in den Vereinsfarben des VfR gekleidet ist - so wie die bestimmt 300 Fans unter den knapp 800 Zuschauerinnen und Zuschauern. Kurzum: Es hätte auch anders laufen können. "Das war klar, dass dieses Spiel fifty-fifty-Charakter hat. Wir waren das glücklichere Team, das es unnötig spannend gemacht hat", sagte Sulzthals Übungsleiter Thomas Pfeuffer, während um ihn rum ein Freuden-Reigen nach dem anderen getanzt und die ersten Bierflaschen geköpft wurden.

Kein Widerspruch, aber für den Sieger auch so was von egal. Weil der Vizemeister der Kreisklasse Rhön 1 sein Habitat wechselt, wieder in der Kreisliga Rhön spielt, aus der die Herbstädter absteigen. "Da war nicht nur Pech im Spiel. In den ersten 30 Minuten waren wir besser und müssen eigentlich in Führung gehen", konstatierte ein gefasster Sportfreunde-Coach Martin Naber.

Mit 15-minütiger Verspätung wurde das Match aufgrund des hohen Zuschauer-Zuspruchs angepfiffen, und vom Start weg dominierte der Rhön-Grabfeld-Verein gegen fahrige und nervös wirkende Sulzthaler. Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass VfR-Keeper Felix Neder in Halbzeit eins nach einem Stellungsfehler von Benedikt Jammers nur gegen Thomas Reder zupacken musste, der später noch in guter Position das Leder übers Tor löffelte. "Herbstadt war mit seinen langen Bällen immer gefährlich und hat uns zu Beginn den Schneid abgekauft. Allmählich sind wir besser reingekommen und haben auch besser gespielt", sagte Pfeuffer. Sulzthal kam auf den Chancen-Zettel mit Gelegenheiten für Felix Keß, Tim Eckert, Alexander Unsleber und Lorenz Halbig, um unmittelbar vor dem Pausenpfiff daher nicht unverdient vorzulegen. Den perfekt getimten Eckert-Pass durch die Viererkette der Herbstädter veredelte Lorenz Halbig.

Entscheidende Minuten

Bemerkenswertes passierte in den ersten 15 Minuten nach Wiederanpfiff. Erst verhinderte der VfR-Torhüter den Ausgleich beim Schuss von Marco Lurz, dann griff das Schiedsrichter-Gespann zweimal entscheidend ein. Ein Klammergriff eines VfR-Verteidigers im Strafraum blieb ungesühnt, im Gegenzug zückte der Unparteiische Rene Kohl den roten Karton bei der Aktion von Herbstadts Christian Nöth an Luca Hartmann - auf Intervention seines Assistenten. "Erst war dem Schiedsrichter das Klammern nicht ausreichend, dann kassieren wir den Platzverweis, den auch neutrale Zuschauer als deutlich überzogen sahen. Das war die dritte krasse Fehlentscheidung gegen uns in den letzten drei Spielen", echauffierte sich Martin Naber.

Mit dem verwandelten Strafstoß sorgte Markus Keller für Ekstase im blauen Block. Sportfreunde-Keeper Thomas "Knolle" Kneuer verhinderte den Knockout mit seiner Parade gegen Tim Eckert, ehe Herbstadt ungeachtet seiner Unterzahl tatsächlich wieder im Spiel war mit dem Kopfball-Tor seines Kapitäns Julian Ankenbrand nach einer Reder-Ecke.

Chancen fahrlässig vergeben

"In Überzahl müssen wir es eigentlich cool runterspielen, aber manchmal tut man sich da doppelt schwer", analysierte Thomas Pfeuffer die aufregende Schlussphase, als Luca Hartmann (Pfeuffer: "Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt, dass er mal wieder ein Spiel entscheiden muss") nach einem Konter auf 3:1 stellte, dann aber Lorenz Halbig und "Ali" Unsleber die Entscheidung teils fahrlässig liegen ließen. Stattdessen gelang Sebastian Jucht ebenfalls per Kopf der Anschlusstreffer, die Schluss-Offensive der Sportfreunde blieb aber ergebnislos. "Auch mit zehn Mann haben wir alles reingehaun. Schade, dass wir so absteigen", sagte Martin Naber.

Oder gibt es für Herbstadt doch noch eine zweite Chance? Etwas kryptisch hatte sich Spielleiter Peter Schmitt vor der Partie geäußert, ohne ein weiteres Relegationsspiel zu dementieren. Kolportiert wurde zuletzt ja immer wieder ein Rückzug der SG Urspringen aus der Kreisliga. Der Rhöner Fußball - er bleibt spannend.

Herbstadt: Kneuer - Hofmann, Ankenbrand, Jeger, Nöth - Lurz, Gabold, Firnschild - Schmitt, Bömmel, Reder; eingewechselt: Krieger, Hey, Schebler, Jucht, Kürschner.

Sulzthal: Neder - Jammers, M. Schmitt, J. Schmitt, Keß - Hartmann, Hesselbach, Keller, Eckert, Halbig - Unsleber; eingewechselt: Weber, Kirschner, David.