"Das war eine Veranstaltung ganz nach unserem Geschmack." Sagte Kai Otterbach, der mit Bruder Tim den Gesamtsieg bei der neunten Auflage der "ADAC Toyo Tires Rallye Fränkisches Weinland" des AMSC Hammelburg errungen hat. Die Brüder aus dem schwäbischen Wimsheim stellten den Sieg im BMW E36 M3 sicher. Bezeichnend, dass sich sechsmal die Marke BMW unter den Top Ten befand. Wertungsprüfungen (WPs) mit superschnellen, lang gezogenen Kurven machten den tollen Erfolg der BMW-Piloten möglich.

Weniger begeistert waren die oft erfolgsverwöhnten Treter der vierradgetriebenen, gleichstarken Mitsubishi und Subaru. In Ermangelung von Spitzkehren und Regen konnten die Fahrer dieser PS-Boliden nicht Schritt halten mit den meisten BMW-Teams. Am besten aus der Affäre zog sich Ulrich Kübler mit Co. Armin Seeger (Öhringen) im Mitsubishi Evo 8 auf Gesamtrang vier.

Sechsmal WP-Bestzeit

Doch zurück zum Team Otterbach. Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk spulten die Gebrüder aus dem Schwäbischen ihr Pensum ab. Grundlage für die Bestzeit-Wertung der Rallye-35-Starter bildeten sechs Wertungsprüfungen.

Auf den WPs 1 und 4 zwischen Machtilshausen und Wasserlosen sicherten sich die Otterbachs die Bestzeiten ebenso wie auf den WPs 2 und 5 oberhalb von Sulzthal sowie den WPs 3 und 6 zwischen Rannungen, Rottershausen und Pfersdorf. Nach genau 35 Kilometern Vollgas hatten die Brüder einen Vorsprung von 18,7 Sekunden herausgefahren. Sie siegten mit einer Gesamtzeit von 18:02,2 Minuten.

Dahinter balgten sich mit Werner Mühl und Karsten Bendig (Gefrees/Altmühltal) sowie Gerrit Spangenberg und Andre Wenning (Wolfhagen/Bad Arolsen) zwei weitere BMW-Teams um die vordersten Gesamtplätze. Mühl/Bendig (BMW E46) hatten am Ende die Nase mit 22,8 Sekunden deutlich vorn vor den Nordhessen Spangenberg/Wenning (BMW E36).

Doppelbelastung

Einmal mehr nahm Lokalmatador Sven Hochwimmer die Doppelbelastung als Organisationsleiter und Fahrer auf sich. Ursprünglich war die Weinland-Rallye auf den 15. Mai terminiert. Hohe Inzidenzwerte ließen die Durchführung zu dem Zeitpunkt allerdings nicht zu. Erstaunlich, wie Hochwimmer samt Familie und einem kleinen Orga-Team den Frust wegsteckte und die Rallye neu auf den 21. August terminierte.

"Ich bin super zufrieden mit dem Ablauf der Veranstaltung. Unbeschreiblich, wie alle an einem Strang gezogen haben. Dafür bedanke ich mich bei den vielen Helferinnen und Helfern herzlich." Die Bereitwilligen kamen nicht nur vom AMSC Hammelburg.

Der MSC Sulzthal war mit einer starken Mannschaft im Einsatz und für die Rallye-Leitung eine große Hilfe. Hinzu kamen viele Einsatzkräfte der Feuerwehren Machtilshausen, Pfersdorf, Rannungen und Sulzthal.

Zeitverlust durch falsche Reifenwahl

Zufrieden zeigte sich der Trimberger Rallye-Pilot mit seinem eigenen fahrerischen Abschneiden bei der Rallye. "Abgesehen davon, dass ich mit zu weichen Reifen unterwegs war und dadurch Zeit verloren habe, bin ich rundum zufrieden mit meinem Abschneiden." Hochwimmer fuhr mit Co Marco Hartung (Schlitz) im Opel Astra GSI 16V auf Rang 14 seiner starken Klasse.

Michael Mathes, mit Beifahrer Julius Emmert (beide Hammelburg) in einem VW Golf II GTI 16V am Start, hätte so gerne seinen Klassensieg aus dem Vorjahr wiederholt. Wäre ihm nicht ein kleiner, aber entscheidender Fehler unterlaufen. Beim Passieren einer Schikane hatte das Auto von Mathes Kontakt mit dem Hindernis, wofür es zehn Strafsekunden oben drauf gab.

Dadurch wurde es nichts mit dem eigentlich sicheren Klassensieg. Mathes/Emmert mussten sich mit Platz zwei zufriedengeben - im Wissen, dass sie der Konkurrenz auf und davon gefahren waren, aber für einen kleinen Fehler büßen mussten. Dennoch: "Wir haben unser Bestes gegeben und waren voll am Limit."

Frontal gegen Wasserdurchlass

Pech hatte das Team Ralf Wengert (Stein Wingert)/Dietmar Lücker (Hagen). Sie gerieten mit ihrem Ford Fiesta ST150 in der letzten Wertungsprüfung bei hohem Tempo von der Strecke ab, landeten im Graben und prallten gegen einen Wasserdurchlass.

Fahrer und Beifahrer wurden nach Erstversorgung durch einen Notarzt in Krankenhäuser eingeliefert. Dank der hohen Sicherheitsstandards in den Rallye-Fahrzeugen bewegen sich die Verletzungen in Grenzen.

In der Retro-Wertung lagen Martin und Carolin Bernhardt (Nidda) im Opel Manta am nächsten an der vorgegebenen Sollzeit. Mit einer Abweichung von lediglich 0,58 Sekunden auf 35 Kilometern Wertungsprüfungslänge siegten Beide verdient vor weiteren 16 Mitbewerbern.

Schöne Gesten am Rande: "Rallyefahrer spenden für Flutopfer" lautete ein Aufruf im Nennbüro, dem viele Teilnehmer folgten. Viele Geldscheine wanderten in einen speziell präparierten Helm. Der AMSC wird den Spendenbetrag aufrunden und in die von der Flutkatastrophe gebeutelte Region weiterleiten.

Mit einer Unterschriftenaktion zeigten sich die Rallyefahrer außerdem solidarisch mit einem schwer Erkrankten aus den eigenen Reihen. Leider platzte dann die Nachricht vom Ableben dieses geschätzten Menschen jäh in die Runde. Das Schild mit den vielen Unterschriften wird nunmehr den Angehörigen des Verstorbenen übergeben.

Weitere Informationen und alle Ergebnisse im Internet unter www.amsc.de