Die Bewohner Stangenroths müssen sich am Freitag, 23. Juni, auf teils erhebliche Verkehrseinschränkungen einstellen. In der Forststraße und im Birkenweg werden Park- und Halteverbote angeordnet. Weitere Straßen werden temporär von der Polizei gesperrt. Das gab Gerhard Zeller, der Geschäftsführer der Gemeindeverwaltung des Marktes Burkardroth, in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend bekannt.

Als Grund dafür nannte er die für 16 Uhr angemeldete Demonstration des Vereins "Unsere Rhön - gemeinsam stark", den die Nationalpark-Gegner gegründet haben. "Zu dieser werden etwa 1000 Demonstranten mit Schleppern und Langholzfahrzeugen erwartet. Wir müssen davon ausgehen, dass Stangenroth ab 16 Uhr gesperrt ist", ergänzte Bürgermeister Waldemar Bug (ödp). Kurzfristig sei zudem eine zweite Demonstration vom "Bündnis Nationalpark Rhön", das die Befürworter vereint, angemeldet worden. "Sie wollen der Ministerin auch etwas übergeben", fügte er hinzu.

Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf wird am Freitag, 23. Juni, in die Rhönfesthalle nach Stangenroth kommen und ab 18 Uhr in der öffentlichen Gemeinderatssitzung der Allianzkommunen Burkardroth, Bad Bocklet, Nüdlingen und Oberthulba Fragen zu einem möglichen Nationalpark Rhön beantworten. Zu dieser Versammlung sind auch die Stadträte Bad Kissingens und die Gemeinderäte von Aura eingeladen. Bug rechnet damit, dass mehr als 100 Mandatsträger in die Rhönfesthalle kommen werden.

In der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend gab es eine heftige Diskussion zu diesen Informationen. Denn die Burkardrother Räte hatten diese nicht zuvor offiziell mitgeteilt bekommen, sondern mussten sie in der Sitzung regelrecht einfordern und hinterfragen. "Was heißt, Stangenroth ist gesperrt?", wollte Marion Zehe wissen. Ausgelöst hatte die Debatte der Premicher Ortssprecher Mario Krebs, der eine persönliche Stellungnahme zum Thema Nationalpark vorlas.

Darin kritisierte er unter anderem den Dialogprozess sowie das Verhalten des Bürgermeisters. Dieser hatte ein Foto im Sozialen Netzwerk Facebook kommentiert: "Es gilt die alte Funkerregel: Denken-Drücken-Sprechen." "Ich finde das respektlos", sagte Krebs. Er warf Bug außerdem vor, sich nicht mit den Gemeinderäten auszutauschen und nicht zu informieren. "Wir betreiben eine Debatte wie im Wirtshaus ... Ich weiß zum Nationalpark auch nicht mehr als ihr", entgegnete der Bürgermeister.

Gemeinderat Frank Voll (Premich) fragte nach, wer zur Gemeinderatssitzung der Allianzkommunen eingeladen hat. "Wie ist das zustande gekommen?", hakte er nach. Schließlich gebe es einen Gemeinderatsbeschluss, dass die Ministerin zu einer Sitzung der Burkardrother Räte kommt, um Fragen zu beantworten. "Sie kommt nicht zu jedem Gemeinderat", antwortete Bug. Zudem seien alle Informationen auf der Homepage des Marktes und im Internet nachzulesen.

Michael Frank (Burkardroth) wollte wissen, ob es in der Fragerunde mit der Ministerin eine Reihenfolge gebe, und wer diese koordiniert? "Haben wir bevorzugtes Rederecht, weil wir vom Nationalpark direkt betroffen sind?", wollte Martin Wehner (Waldfenster) wissen. Bernd Müller (Stralsbach) winkte schließlich ab: "Es wird wie bei einer Kaffeefahrt. Die Ministerin muss doch ihr Produkt verkaufen."

Geschäftsführer Gerhard Zeller erklärte abschließend: Es werden wie bei einer Versteigerung Nummern vergeben und dann aufgerufen.