"Wos ganz besonders is jo unner Frankeland; denn doa is doamols die Arche Noah gelandt...!" Mit dieser gereimten Geschichte, in der von der Landung der Arche Noah auf dem Sodenberg bei Hammelburg und der Aussendung der Tiere in die Umgebung erzählt wird, führte Arnold Nöth als Moderator und Mundartsprecher das Publikum in die fränkische Geschichte ein.

"Nicht mehr allen Besuchern solcher Abende ist ja bekannt, dass Franken, die Franken und das Fränkische ganz eigenständige Regionen, eine andere Lebensart mit besonderem, überliefertem Brauchtum und eigener Ausdrucksweise in der fränkischen Mundart haben, sind und ist...!", erläuterte Nöth.


Fränkisch geht's direkter

Und dass sich Begebenheiten aus dem täglichen Leben viel aussagefähiger, deftiger und direkter auf Fränkisch sagen lassen, bewiesen er und Susanne Hillenbrand, welche ihn diesmal beim "Fränkische Gebabbl" unterstützte, auf das Beste.
Da ging es unter anderem um den ersten Ehestreit der jungen Frau und deren Frage an ihre Mutter, wohin sie denn die Leiche ihres Neuvermählten verbringen solle; oder der Klärung des Begriffes "Rhöner Medizin", nämlich die vielseitige Nutzung des Zwetschgen-Schnapses.


Die Nöte eines Frosches

Da wurde der wissenschaftliche Diskurs um den Dialekt aus Professorensicht dargestellt, die Nöte des Frosches im Storch aufgezeigt oder aber die schlimme Mär von dem dreimaligen Blitzschlag nahe einem im Weinberg arbeitenden Winzerpaar erzählt, die mit dem tragischen Ende der Winzerfrau endet und dem Ausruf des Witwers: "Mensch, Herrgott, host fei lang gebraucht!" Mit derart heiteren, tragischen, liebevollen und alltäglichen "G'schichtlich und Gedichtlich" wurden die weiteren Darbietungen der Reichenbacher auf der Bühne aufgelockert und darin eingebettet.
Das Publikum, wenn auch manchmal kurze Erklärungshilfen zu fränkischen Ausdrücken gegeben werden mussten, war mit Begeisterung, Spaß und viel Humor bei der Sache und konnte sich an einem vielfältigen, farbenfrohen und kurzweiligen Programm erfreuen. Der gemischte Chor unter der Leitung von Mirja Betzer war nicht nur für die Ohren, sondern auch optisch ein Genuss, da die Männer und Frauen in ihren bunten Trachten auf der Bühne agierten, ebenso wie alle weiteren Gruppierungen.
Mit vierstimmigen Chorsätzen, in denen die Heimat gepriesen, eine ganze Reihe bekannter Wanderlieder als Potpourri dargebracht wurde und zum Mitsingen einluden, das Brünnlein am Wegesrand gesanglich zum Plätschern gebracht wurde und mit weiteren Weisen unterhielten die Sängerinnen und Sänger das Publikum auf das Beste. Und dass gar der jungen Chorleiterin am selben Tage und auf der Bühne zum Geburtstag gratuliert werden konnte, bezog das Publikum sozusagen mit in die Chorfamilie ein.


Schlamperer und Kikeriki

Erstmals auf der Bühne des Kursaals Bad Bocklet standen diesmal die Jüngsten der Reichenbacher Volkstanzgruppe, die mit dem Schlamperer und dem Kikeriki, auf dem Akkorden von Tanja Zitterbart und Matthias Nöth begleitet, zwei bekannte fränkische Rundtänze zeigten. In ihren bunten Trachten mit Faltenröckchen und weißen Schürzchen boten sie einen bezaubernden Anblick.
Auch die Erwachsenen-Tanzgruppe wirbelte bunt und rund über die Bühne, zeigte sowohl den Schneiderschottisch, eine Mazurka und den Farbenwirbel des Bändertanzes, den sie übrigens alljährlich auch am Maibaum tanzen, dort allerdings mit 12 Meter langen Bändern.
Mit gefühlvollen Akkorden spielte die vierköpfige Akkordeon-Gruppe auf, die mit mächtig gezogenem Balg und vielstimmig Walzer, Mazurka oder Schottisch gekonnt darzubringen wusste.


Von Kaspar-Schottisch bis Walzer

Ebenso drückten die drei Mitglieder der Flötengruppe Familie Betzer die fränkische Lebensfreude mit klaren Flötenklängen aus, ob es nun ein Schottisch aus Lauter war, das Schäferlied oder ein eindrucksvolles Menuett.
Die Frauen und Männer der Volksmusikgruppe zeigten originell und den Saal füllend mit Kaspar-Schottisch, Rheinländer, dem Geburtstags-Walzer oder dem rasanten Alfons-Galopp als Rausschmeißer und Schlussstück. Mit dem Rausschmeißer war dann das Programm "So klingt's bei uns in der Rhön" vorbei.
Wer Lust auf mehr hat, kann die Gruppen des "Sängerkranz Reichenbach" am Sonntag, 17. Juli, um 19.30 Uhr, wieder im Kursaal erleben. mna