Bad Kissingen — Am 12. Juni 1929 erblickte Anne Frank in Frankfurt am Main das Licht der Welt. Als Fünfjährige wanderte das jüdische Mädchen mit seiner Familie in die Niederlande aus, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Kurz vor dem Kriegsende fiel Anne Frank dem Holocaust zum Opfer. Zuvor hatte sie sich in einem Hinterhaus in Amsterdam versteckt, wo sie ihre Eindrücke und Erlebnisse in einem Tagebuch festhielt.

Vergleich mit Kissinger Biografie

Anne Franks 85. Jahrestag nahm die Klasse 7f der Staatlichen Realschule Bad Kissingen zum Anlass, sich näher mit ihren Aufzeichnungen zu beschäftigen. Die Schüler verglichen dabei Anne Franks Lebensgeschichte mit der Biografie des aus Bad Kissingen stammenden Willy Loewenthal. Auch dessen Familie verließ bald nach Hitlers Machtübernahme Deutschland, um in Holland ein besseres Leben zu führen. In Amsterdam besuchte er das jüdische Lyzeum, in das auch Anne Frank ging und das sie in ihrem Tagebuch beschreibt. Wie Anne Frank starb Willy Loewenthal im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Es ist gut möglich, dass sich die beiden Jugendlichen kannten.
Auch weitere Lebensgeschichten von Kissinger Jugendlichen wie Ernst David Neustädter und Anni Stern bewegten die Schülerinnen und Schüler. Sie hatten das Bedürfnis, auch etwas Praktisches zum Gedenken an die Opfer des Dritten Reiches zu tun. Deshalb kamen sie auf die Idee, die 57 in Bad Kissingen verlegten Stolpersteine zu reinigen. Verteilt auf vier Teams, machten sich die Schülerinnen und Schüler an die Arbeit. Zuvor hatten sie sich mit Schwämmen, Tüchern, Putzmitteln, Wasserflaschen und Kartenmaterial ausgestattet.
Die Schülerinnen und Schüler zogen ein durchweg positives Fazit ihrer Aktion. Oft seien sie bei ihrer Arbeit angesprochen und gelobt worden. "Mir war es wichtig, dass wir an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern", meint Jaqueline Wilm. Ihre Mitschülerin Maja Matlachowski ergänzt, dass es sich bei den Verfolgten ja um "ganz normale Kissinger Bürger" gehandelt habe, die sich nur durch ihren Glauben von ihren Mitmenschen unterschieden hätten.
Über diese "ganz tolle Aktion", von der er erst hinterher erfahren hatte, freute sich besonders Sigismund von Dobschütz, Initiator und Sprecher der vor fünf Jahren gegründeten Bürgerinitiative "Bad Kissinger Stolpersteine". Es wäre schön, so von Dobschütz, wenn auch andere Schüler oder sogar Hausbewohner, vor deren Häusern Stolpersteine verlegt wurden, in Eigeninitiative diese Gedenksteine an frühere Mitbürger hin und wieder putzen würden. "Es dauert doch nur fünf Minuten."

Weitere Steine werden verlegt

Beteiligen wollen sich die Schüler der Realschule auf jeden Fall auch an der siebten Stolperstein-Verlegeaktion, die am Mittwoch, 24. September, um 16 Uhr vor dem Haus Hemmerichstraße 8 in Bad Kissingen stattfinden soll. red