Fast jeder Ort in Schottland richtet im Sommer ein Highland Game aus. Das bekannteste ist das Braemer Royal Highland Gathering. Hier schaut sogar Königin Elisabeth II. regelmäßig vorbei. Das weltweit größte Highland Game, das Cowal Highland Gathering auf der schottischen Insel Bute zieht jedes Jahr mehr als 3000 Wettkämpfer und 20.000 Besucher an. Ganz so groß fielen die dritten "Höörder Highland Games" nicht aus, die gleichzeitig deutsche Team-Meisterschaften in dieser Sportart waren.

Drei Damen- und acht Männerteams mit je fünf bis sechs Mitgliedern traten auf dem Sportplatz in Haard in zehn Disziplinen wie Steinstoßen, Strohsack-Hochwurf oder Axtwurf gegeneinander an. Die gemischten wurden als Männermannschaften gewertet. Besonders erfreulich für die Damen des Haarder Clans Haard Breaker: Sie wurden deutscher Meister.

So spektakulär waren die Highland Games 2022 in Haard

Die Sportlerinnen und Sportler kämpften in Haard mindestens ebenso verbissen und zäh um Sekunden und Meter wie ihre schottischen Kolleginnen und Kollegen. Und: Selbstverständlich marschieren alle, ob Frau oder Mann, in Kilts auf, meist mit buntem Schottenkaro. Das Tragen eines Schottenrocks ist im Reglement ausdrücklich Pflicht. Einige Hundert Zuschauer in Haard hatten ihren Spaß. Frank Krakofsky, der 2. Vorsitzende der Spielvereinigung Haard, hatte alles perfekt durchorganisiert. Um die 100 Helfer wurden gebraucht, davon allein 20 Schiedsrichter für die zehn Disziplinen und dazu für das separat ausgetragene Tauziehen. "Toll, mal was Anderes als Fußball", freute sich einer der Zuschauer und ein anderer erinnerte sich "das ist fast so wie Spiel ohne Grenzen vor Jahrzehnten im Fernsehen".

Schon der Einmarsch der Clans mit der "Targe of Gordon Drum & Pipe Band" aus Fulda an der Spitze vermittelte schottisches Flair auf dem kleinen Haarder Sportplatz. Da hier deutsche Meisterschaften ausgetragen werden sollten, war extra der Präsident des Deutschen Highland Games Verbandes, Jürgen Stickelbrock, der 2006 selbst einmal Deutscher Vizemeister war, aus Nordrhein-Westfalen angereist und führte durch die Veranstaltung.

Stickelbrock wusste viel zu erzählen über die Hintergründe. In der Disziplin "Stone of Manhood" sollte früher ein Bursche beweisen, dass er fähig ist, einen schweren Stein auf die Stadtmauer zu heben. Damit galt er dann als Mann. Die Sportlerinnen und Sportler schafften es tatsächlich meist, mit viel Kraft und offenbar auch Technik, die bis über 100 Kilogramm schweren Steine auf einen über einen Meter hohen Baumstumpf zu wuchten. Manche Kraftprotze schafften es nicht, andere, auch junge Frauen, absolvierten das fast spielend. "Hier kommt es nicht nur auf die Kraft an, sondern auch auf die Technik".

Mit dem Baumstamm im Slalom

Der Strohsackhochwurf hat ebenfalls historischen Hintergrund: Mit einer Mistgabel sollte ein brennender Strohsack über die Mauern feindlicher Burgen geschleudert werden. Beim Baumstamm-Slalom mussten fünf Mitspieler mit einem fünf Meter langen und etwa 60 Kilogramm schweren Baumstamm einen Parcours mit fünf Stangen möglichst schnell durchlaufen. Beim Stammziehen musste ein Holzblock (50 Kilogramm schwer für Männer, 30 für Frauen) von der Mannschaft fünfmal eine Strecke von etwa 15 Meter gezogen werden.

Fast an das moderne Kugelstoßen erinnert das Steinstoßen. Beim Baumstamm-Überschlag musste ein Baumstamm so geworfen werden, dass er sich in der Luft überschlägt. Jürgen Stickelbrock kündigte an, dass sie vom Deutschen Olympischen Sportbund als ganz normale Sportart anerkannt werden. Bei den Damen siegten die Haard Breaker aus Haard, gefolgt von den Nettataler Highlanders und der Highland-Games-Vereinigung aus Klosterlechfeld. Bei den Herren konnten die Paradise Punks aus Grafrath (NRW) ihren Titel verteidigen. Zweiter wurde der Clan aus Hohenlohe, dritter der Clan aus Klosterlechfeld. Die Höörder landeten auf dem sechsten Platz.