Steht das städtische Hallenbad vor dem Aus? Der Blick von außen ins Innere des 57 Jahre alten, sanierungsbedürftigen Hallenbades verheißt jedenfalls nichts Gutes: Dass hier bald der Schwimmbetrieb für die Wintersaison starten könnte, davon ist nichts zu sehen. Das Schwimmbecken ist leer, dafür mit einem rot-weißen Signalband abgesperrt. An der Wand mit den Zugängen zu den Duschen und den Umkleiden ist ein Gerüst aufgebaut. In einem Durchgang, der vom Reithausplatz einzusehen ist, liegen Abdeckplatten herum, die offenbar zur Hallendecke gehören. Im Außenbereich vor dem Eingang sprießt das Unkraut, an der Türe selbst finden sich keine Aushänge mit Informationen dazu, wann das Bad öffnet.

Pressekonferenz am Freitag

Die Stadt Bad Kissingen wollte sich gestern auf unsere Nachfrage weder zum baulichen Zustand des in die Jahre gekommenen Hallenbades äußern, noch dazu, wann es den Betrieb aufnimmt. Pressesprecher Mario Selzer verwies darauf, dass die Stadt eine Pressekonferenz zu dem Thema am heutigen Freitag gibt.

Bad öffnet diesen Winter nicht

In der Stadt bietet das Hallenbad allerhand Raum für Spekulationen. Eine Bestätigung, dass es dieses Jahr geschlossen bleibt, kommt aus dem Stadtrat. Richard Fix (Grüne) berichtet, dass er als bekennender Schwimmbadgänger wiederholt von Bürgern darauf angesprochen wurde. Die Stadträte seien vor dem Hintergrund möglicher Nachfragen von Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) schriftlich darüber informiert worden, "dass das Hallenbad für die Saison 2021/22 geschlossen ist", bestätigt Fix. Die genaueren Hintergründe seien ihm jedoch nicht bekannt.

CSU-Fraktionssprecher Steffen Hörtler erhofft sich genauere Informationen auf der Sitzung des Bauausschusses am Mittwoch. "Es scheint erhebliche Probleme zu geben, das Schwimmbad in Betrieb zu nehmen", sagt er. Seiner Fraktion sei es wichtig, dass die Stadt den Schulen und den Vereinen Ausweichmöglichkeiten für den Schwimmunterricht und für das Schwimmtraining zur Verfügung stellt. "Dass das neue Hallenbad an der Kisssalis-Therme noch nicht fertig ist, ist nicht gut. Es ist schade, dass Bad Kissingen so wie es aussieht den Gästen und Bürgern kein Schwimmangebot machen kann", kritisiert Hörtler.

Die Vereine wissen bislang noch nichts genaues. Markus Brandl, Vorsitzender des DLRG Kreisverbandes, betont nur, dass die DLRG Schwimmkurse anbieten wird, solange sie coronakonform möglich sind. "Wir starten auf jeden Fall im Herbst mit den Kursen", sagt der Rettungsschwimmer. Wie der Verein das bewerkstelligen will, scheint noch nicht klar zu sein. Die nächsten kommunalen Hallenbäder stehen in Hammelburg, Bad Brückenau, Bad Neustadt, Bischofsheim und Schweinfurt - in Bad Kissingen verfügen allerdings auch diverse Hotels und Kliniken über eigene Schwimmbecken.

Wasserrettung braucht Schwimmzeiten

Die Wasserwacht Bad Kissingen und die Wasserwacht Münnerstadt teilen sich normalerweise die Schwimmzeiten am Donnerstagabend fürs Training und für Jugendkurse. Laut Melanie Hannemann, stellvertretende Vorsitzende der Wasserwacht Münnerstadt, habe der Verein noch keine offizielle Auskunft, wie das Schwimmen nach dem Saisonende im Freibad stattfindet. Sie betont, dass besonders die Schnelleinsatzgruppe Wasserrettung auf die Trainingszeiten angewiesen ist, um die Einsatzfähigkeit zu gewährleisten. Pandemiebedingt war im vergangenen Winter kein Schwimmtraining möglich, erinnert Hannemann. Deshalb ist es für die Rettungsschwimmer umso wichtiger, diesen Winter trainieren zu können.

Die Tage für das stark sanierungsbedürftige Hallenbad sollten eigentlich längst gezählt sein. Im Frühjahr 2016 entschied der Stadtrat, damals noch unter Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD), das Hallenbad nicht sanieren zu lassen, sondern es an der KissSalis-Therme komplett neu zu errichten. Der Neubau soll an die Therme räumlich und technisch angebunden werden. Die Stadtwerke Bad Kissingen, als Eigentümer der Therme, wurden mit der Planung und dem Bau beauftragt. Damals war von zwei geplanten Becken die Rede, die für die unterschiedlichen Anforderungen des Thermenbetriebes, des Schul- und Vereinssports sowie des öffentlichen Badebetriebs ausgelegt sind. Drei Jahre Zeit werde es bis zur Eröffnung brauchen, schätzten die Stadtwerke damals.

Inzwischen haben die Stadtwerke von Herbst 2019 bis Sommer 2020 zwar den Sauna-, Wellness- und Fitnessbereich der Therme erweitert, der Baubeginn für das Hallenbad lässt jedoch auf sich warten. Als Ende 2018 Alt-Oberbürgermeister Kay Blankenburg und Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Zimmer mit den Sonnenhotels einen Investor für das geplante Thermenhotel präsentierten, hieß es, das Hallenbad werde zeitlich parallel zum Hotel gebaut und fertiggestellt. Eine Eröffnung des Hotels wurde für 2021 für möglich gehalten.

Im Frühjahr wurde bekannt, dass beide Projekte aufgrund der Coronakrise Probleme bei der Finanzierung haben. Sonnenhotels Geschäftsführerin Karina-Anna Dörschel gab an, das Hotelvorhaben aufgrund der Krise vorübergehend auf Eis gelegt zu haben. Ebenso erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Zimmer öffentlich, dass die Planung für das Hallenbad überarbeitet und abgespeckt worden ist. Die Planung stehe, jedoch könnten die Stadtwerke den Bau in der aktuellen Lage wegen der wirtschaftlichen Einbußen nicht stemmen.

Schwimmer bangen: Wie geht es weiter?

Für Schwimmer sind das alles keine guten Nachrichten. Sollten die Probleme am alten Hallenbad größer sein, steht zu befürchten, dass sie nicht nur dieses Jahr im Winter auf ihren Sport werden verzichten müssen.

Kommentar: Nach der Eishalle das nächste Unglück

Das Hallenbad wird dieses Jahr nicht öffnen. Je nachdem wie schwerwiegend die Probleme sind, steht zu befürchten, dass dort nie wieder jemand schwimmen wird. Wieso? Weil sich eine teure Reparatur für die Stadt nicht mehr lohnen dürfte, nachdem die Stadtwerke vor fünf Jahren den Auftrag bekommen haben, ein neues an der KissSalis-Therme zu bauen.

Sollte im alten Schwimmbad dauerhaft kein Betrieb mehr möglich sein, stehen den Schwimmern, den Schulen, Vereinen und Rettungsorganisationen ungewisse Zeiten bevor. Denn bis das neue Hallenbad steht, würde es im ganzen Altlandkreis Bad Kissingen kein kommunales Hallenbad mit einem Sportschwimmbecken mehr geben. Selbst wenn sofort in den nächsten Tagen die Bagger an der KissSalis rollen würden, würde es wohl noch zwei Jahre dauern, bis man in dem Neubau schwimmen könnte.

Der Stadt droht mit dem Hallenbad nach der Eishalle das nächste Infrastruktur-Desaster innerhalb weniger Jahre. Beides hängt unmittelbar mit der Konsolidierung des städtischen Haushalts zusammen. Die Eishalle wurde 2017 verkauft, weil die Stadt sich mit dem dauerhaften Unterhalt und künftigen Investitionen finanziell überlastet sah. Seit der Saison 2019/20 ist die Eishalle geschlossen. Auch für das Hallenbad bemühte sich die Stadt unter Oberbürgermeister Kay Blankenburg um eine Lösung, die die kommunalen Finanzen entlasten und gleichzeitig das Hallenschwimmen sichern sollte. Dass die Lösungen für beide Einrichtungen scheitern - einmal dauerhaft, einmal hoffentlich nur vorübergehend - ist für die Stadt und den ganzen Landkreis bitter.