Spielbankdirektorin Heidrun Vorndran strahlte. Da hatte sie doch tatsächlich auf die richtige Nummer gesetzt. Gut, Kabarett ist nicht wirklich neu in der Kurstadt, denn kaum ist der Kabarett herbst vorbei, gibt's zum Jahresbeginn schon wieder Comedy und Satire satt. So lästert nächste Woche Django Asül in Bad Bocklet, und Fredi Breunig stellt schon am Sonntag sein "Kabarett auf gut fränkisch" dort vor.
"Pelzig, stellt sich" mit Frank-Markus Barwasser füllt im März den Großen Saal Saal. Aber für die Kissinger Kabarettfreunde hat die Casinochefin ein Trumpfass der Szene ausspielen können. Im kleinen, feinen Ambiente des "le jeton" präsentierte sie vor ausverkauftem Haus HG Butzko, den Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2014, mit seinem Programm "Spitzenreiter".
Der in Gelsenkirchen, im Schatten des Schalker Stadions aufgewachsene und seit einiger Zeit in Berlin lebende Kabarettist hat sich seit 1997 vor allem die Absurditäten des Wirtschaftssystems vorgeknöpft, geißelt die Macht des Geldes und für seine satirische Interpretation der Zusammenhänge von Macht, Geld und Politik erhält er im März in Mainz den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett.
Auch im "le jeton brannte ein Feuerwerk politischer Pointen ab, dass den Zuschauern kaum Zeit zum Lachen oder Staunen blieb, weil schon im nächsten Satz ein Seitenhieb auf Personen, Ereignisse oder allzu Menschliches folgte. Ja, da mussten die Zuhörer schon ausgeschlafen sein, um dem irrwitzigen Tempo zu folgen, das Butzko vorlegte.

Motto der NSA : "O‘zapft is"

Er legt sein Programm nicht auf die großen Lacher an, gleitet nicht in seichte Witze ab, sondern schlägt eine scharfe, aber feine politische Klinge. Selbst komplexe Zusammenhänge wie die Finanzkrise vermag der Ruhrpottkabarettist schlüssig zu erklären, nicht ohne die Absurdität politischen Handelns auf die Schippe zu nehmen.
Dass Kanzlerin Merkel gerne Zielscheibe seiner bissigen Ironie wird, ist da nicht verwunderlich. Ihr Bekenntnis, das Internet sei für sie Neuland, quittiert er mit der Bemerkung, "dass für so etwas Christoph Daum schon mal eine Haarprobe abgeben musste". Die Abgeordneten im Berliner Reichstag - eigens um Helmut Kohl herumgebaut- charakterisierte er als die, "mit denen früher in der Schule niemand spielen wollte: abgewiesen, abgestellt, abgelegt, also abgeordnet." Gabriel, Seehofer oder Pofalla ("Der kommt deshalb zur Bahn, damit die auch mal eine schwarze Null haben") - die Mächtigen nimmt er sprachgewandt ins Visier. Dem deutschen Geheimdienst in Pullach hätte sich erst nach der NSA-Affäre, der Oktoberfest slogan "O‘ zapft is" erschlossen. Ja, so richtig schön böse kann er sein und bringt es dann fertig, seine unvermeidliche Mütze vom Kopf zu ziehen, sich eine Langhaarperücke überzuziehen und Chris, den übrig gebliebenen Philosophen der Friedensbewegung zu mimen, der mit Fragen die Welt verändern will: "Wie kommt das Schild ,Betreten verboten' auf den Rasen"? und "Warum klebt Sekundenkleber nicht in der Dose"?
Nach einem mit viel Verständnis und Kopfnicken begleiteten Ausflug in die 80er Jahre: "Neulich, vor 25 Jahren" und "Ja, so war das damals - nämlich alles viel besser" oder "Altern ist das, was passiert während man sich jung fühlt" schaltete er dann doch noch mal die Schnellfeuergewehr Analytik ein: Rating Agenturen, Euro-Rettungsschirm, Finanzkrise und "Amerika, das Land der unmöglichen Begrenztheiten", hier brillierte sein scharfer Verstand, hier versteht er komplexe Zusammenhänge zu hinterfragen: Politische Satire, das ist sein Metier.