Sein Reich umfasst 16 Hektar und es ist ziemlich laut dort. Josef Enders baut Steine ab. Dolomit und Kalkstein, um genau zu sein. Mit der Hand deutet Enders auf einen bröckelnden Hang. Kalk. "Die Adern laufen ganz schräg." Dann hebt er ei nen Brocken auf, der irgendwo dazwischen liegt. Der bröckelt nicht so. Dolomit.
Aber das sind nicht die einzigen Steine auf dem Gelände. Etwas abseits, Richtung Dreistelz, liegt die Annahmestelle für Steine, die niemand mehr haben will. Enders nimmt Bauschutt an, der nicht gefährlich ist. Seit Juli darf er auch belastetes Material lagern (siehe Info-Kasten). Das hatte in der Bevölkerung für Fragen gesorgt. Um was für Steine geht es da? Und welche Schadstoffe sind im Spiel?

Fakt ist, dass es um belasteten Gleisschotter geht - von dem al lerding noch kein Krümel auf dem Gelände ist. Denn Gleisschotter besteht aus Basalt. Und Basalt ist ziemlich wertvoll. "Die Bahn spritzt auf ihren Strecken Pestizide", erklärt Roland Lenhart, Sachgebietsleiter für Umweltrecht am Landratsamt Bad Kissingen. Wenn da ein bestimmter Wert überschritten sei, falle das Material in den Bereich der gefährlichen Stoffe.

Enders will aus den belasteten Steinen wieder nutzbaren Rohstoff machen und Basaltsplitte produzieren. Das kann er nur, weil er die "Waschhexe" hat. Sie ist eine Erfindung seiner Leute, auf die er stolz ist.


Wasserkreislauf ist geschlossen

Von außen freilich sieht die "Waschhexe" wenig beeindruckend aus. Die Waschanlage für Gestein rumpelt und zittert. Auf einem Förderband zieht sie das dreckige Material in ihr Inneres. Dort wird es gewaschen, geschleudert, getrennt. Auf der einen Seite kommt Sand heraus, auf der anderen feine Kieselsteine. Und dann ist da noch diese lehmartige Masse, die Enders "Filterkuchen" nennt. Dort landen alle Stoffe, die nicht im Stein sein sollen. Und auch nicht im Was ser. Und schon gar nicht in der Kanalisation.

Aber soweit kommt es auch gar nicht. Denn angenommen, der Schotter, den Enders in Zukunft annehmen will, ist belastet, so wird er in einer Recycling-Halle ge lagert und dort gesiebt. Das Genehmigungsverfahren für diese Behandlung läuft gerade noch. Und angenommen, an den Steinen ist dann immer noch ein Rest der Pestizide, mit denen der Schotter behandelt wurde, so spült die "Waschhexe" die Stoffe heraus.

"Wir haben einen geschlossenen Wasserkreislauf", versichert Enders. Der Schlamm, der nach dem Waschen übrig bleibt, wird ausgepresst. Der so genannte Filterkuchen kommt dann auf die Deponie in Wirmsthal. "Der TÜV Süd prüft uns und auch die Landesgewerbeanstalt in Nürnberg", berichtet Enders. Außerdem kontrollieren die Firma selbst und ein externer Geologe die "Waschhexe" regelmäßig. "Es ist doch auch in unserem Interesse, dass hier alles stimmt", sagt Enders.

Bisher wäscht die "Waschhexe" nur natürliches Material aus dem Steinbruch. Quasi die Kleinteile. Die größeren Stücke werden in Kirchheim gesägt. Als Fußboden liegt das Oberleichtersbacher Gestein auf der ganzen Welt. Im Blue Well Shopping-Center in London zum Beispiel. In Dubai. Und bei Josef Enders zuhause.

Der gebürtige Oberleichtersbacher wuchs als Kind in Düsseldorf auf. Später kehrte er in die Heimat zurück. Damals, in den 1980ern, holten sich die Bauern das Gestein noch aus kleinen Gruben. "Da habe ich die fünf Löcher zusammen gekauft und einen Plan gemacht", erzählt der 63-Jährige. "Mein Plan ist genehmigt worden und seither wird in Oberleichtersbach Dolomit und Kalk ab gebaut."