Bundesweit gutes Mittelmaß, in Bayern nur im letzten Drittel: So lässt sich das Abschneiden des Landkreises Bad Kissingen bei einem Ranking des Wirtschaftsmagazins "Focus Money" zusammenfassen. Aus Sicht von Kreis-Wirtschaftsförderer Jürgen Metz ist die Studie ein "guter Anhaltspunkt, wo wir im Vergleich zu anderen stehen". Dr.
Sascha Genders, der bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt für Standortpolitik zuständig ist, hält die Ergebnisse dagegen für "mehr als fragwürdig".
"Eigentlich braucht man deutlich mehr Faktoren", fasst Genders seine Kritik am Landkreis-Ranking von Focus Money zusammen. Zum Beispiel sollten nach seiner Meinung die Erreichbarkeit einer Region sowie Preise und Verfügbarkeit von Bauplätzen und Gewerbeflächen bewertet werden. Dann würde Unterfranken deutlich besser weg kommen. "Wir haben einen guten Wirtschaftsstandort, ich sehe keine Strukturprobleme", betont Genders.
Das Landkreis-Ranking kommt hier zu einem anderen Ergebnis: Unter 90 bayerischen Kreisen und kreisfreien Städten liegen nur der Landkreis Schweinfurt (Platz 26 in Bayern, 51 bundesweit) und die Stadt Würzburg (28/62) in die erste Hälfte. Die Stadt Schweinfurt findet sich gar erst auf Platz 83 (bundesweit 286) wieder. Auch daran lasse sich ableiten, dass wirtschaftliche Faktoren wie die Exportquote zu wenig berücksichtigt seien, so Genders.
"Wir sind auf einem guten Stand, aber wir haben eben auch weniger produzierendes Gewerbe", kommentiert Metz die Studie. Aus den Ergebnissen ließen sich durchaus konkrete Herausforderungen ableiten.
Das Gefälle zwischen Süd- und Nordbayern spiegelt sich auch im jüngsten Landkreis-Ranking von Focus Money wider: Das schlechte Abschneiden der unterfränkischen Regionen (siehe Info-Kasten) sei kein neues Phänomen. Es sei kein Zufall, dass der Landkreis als "Raum mit besonderem Handlungsbedarf" eingestuft ist: "Die Staatsregierung hat eingesehen, dass bei uns einfach noch etwas drauf gepackt werden muss bei Förderprogrammen", sagt Kreis-Wirtschaftsförderer Jürgen Metz.
"Wir müssen uns attraktiv darstellen und in München klar machen, dass Bayern nicht hinter Nürnberg aufhört", erklärt Metz weiter. Für den Landkreis selbst sei es eher schwierig, konkrete Anreize zu schaffen. Die Wirtschaftsförderer im Landratsamt könnten lediglich Zuschüsse vermitteln, aber nicht selbst auszahlen. Wichtig seien vor allem Neu-Ansiedlungen innovativer Unternehmen, etwa digitaler Gründer. Erfreulich seien große Investitionen wie aktuell bei "L+S" in Großenbrach, denn: "Im Handwerk wird im Schnitt einfach weniger pro Arbeitsplatz investiert."
Einwirken will der Landkreis auch auf den demografischen Wandel und die Arbeitslosenzahlen, die in der Studie bewertet wurden. Auch eine bessere Willkommenskultur sei ein wichtiges Ziel. Zudem soll ehemaligen Landkreis-Bewohnern schmackhaft gemacht werden, wieder zurück zu kommen - und ihre beruflichen Erfahrungen vor Ort einzubringen.
"Wir versuchen, den Standort in Absprache mit den Wirtschaftsförderern zu bewerben", setzt auch Sascha Genders von der IHK auf positive Außen-Darstellung. Schließlich habe Unterfranken viel zu bieten: gut erreichbar und mit einer Exportquote von 42 Prozent international gut aufgestellt. Selbst im Landkreis Bad Kissingen sei die Exportquote in den vergangenen Jahren auf 27 Prozent gestiegen. Das produzierende Gewerbe steuert im Landkreis laut IHK 14,2 Prozent zur Wertschöpfung bei, das Baugewerbe 10,8 Prozent. Größter Brocken in der Statistik sind aber mit 35,3 Prozent die Dienstleistungen, zu denen auch das Gesundheits- und Sozialwesen gehört. Auf diesen Bereich entfallen laut IHK ein Viertel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis.

Kriterien Der Focus-Money-Landkreis-Test vergleicht die Wirtschaftskraft aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Bei 20 der 402 Regionen lagen allerdings nicht alle Daten vor. Ermittelt wurden die Arbeitslosenquote, das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, die Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen, das verfügbare Einkommen privater Haushalte je Einwohner, Veränderung der Erwerbstätigenzahl, die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe je Beschäftigten und die Veränderung der Bevölkerungszahl. Die Daten stammen von den Statistischen Landesämtern und der Bundesagentur für Arbeit. Basisjahre für den aktuellen Test waren die Jahre 2013 und 2014.

Ergebnisse Die unterfränkischen Regionen befinden sich auf folgenden Plätzen bayernweit/bundesweit: Landkreis Schweinfurt 26/ 51, Stadt Würzburg 28/ 62, Kreis Würzburg 46/ 120, Kreis Miltenberg 54/ 145, Kreis Kitzingen 64/ 177, Kreis Aschaffenburg 65/ 180, Kreis Bad Kissingen 66/ 185, Kreis Rhön-Grabfeld 71/ 217, Stadt Aschaffenburg 78/ 254, Kreis Main-Spessart 79/ 259, Kreis Haßberge 80/ 267 und Stadt Schweinfurt 83/ 286.