Die Premiere einer Wallfahrt auf dem Fränkischen Marienweg von Eltingshausen zur Talkirche bei Münnerstadt war ein voller Erfolg. Auf Initiative von Joachim Danz, Diplom-Theologe aus Eltingshausen, wurde diese Wallfahrt zum ersten Mal durchgeführt.
Bei der Durchführung wurde Danz vom Pfarrgemeinderat Eltingshausen und vielen freiwilligen Helfern unterstützt.
Über die große Resonanz auf diese erstmals durchgeführte Wallfahrt waren die Organisatoren sehr erfreut. Trotz des bewölkten Himmels machten sich rund 90 Pilger aus Eltingshausen und den umliegenden Gemeinden vor der St.-Martin-Kirche in Eltingshausen auf den 15 Kilometer langen Marienweg ins Tal. Die Marienfahne und das Bild der Muttergottes führte die Prozession an. Mit den Fahnen der Pfarreiengemeinschaft "Immanuel" zogen die Gläubigen mit dem Glockengeläut der Kirche im Rücken und unter musikalischer Begleitung der Eltingshäuser Musikfreunde und Musiker aus den Nachbargemeinden zum Dorf hinaus.

An Bildstöcken und Flurkreuzen

Wallfahrtsführer und Initiator Joachim Danz begrüßte offiziell am Bildstock am Wiesenweg alle Teilnehmer mit dem irischen Reisesegen als Bitte für den Tag und den weiteren Weg. Am neuen Flurkreuz "in der Weid", die der Flur ihren Namen gab, wurde eine kurze Gebetsstation eingelegt mit ein paar Gedanken zur Kreuzinschrift "Am Kreuz kommt keiner vorbei" und der Bitte um Kraft im eigenen Schmerz. Weiter ging es zur "Schwarzen Pfütze", ein Fahrdienst war organisiert, der Pilger zur Teilstrecke und zurück brachte. Eine größere Pilgergruppe aus Rottershausen und der Pfarreiengemeinschaft kam dazu, um beim Gesang der Marienlitanei weiterzuziehen zur Rottershäuser Waldsiedlung. Ein schöner Weg führte durch die Natur auf Waldwegen an der Muna vorbei Richtung Talhof. Gebete, Lieder, Litaneien, Meditationen und Betrachtungen haben die Pilger auf dem Weg begleitet. Eine Zeit der Stille. "Einige Texte berühren, manche wird man sich auch noch nach der Wallfahrt ins Gedächtnis rufen", so Monika Schott vom Pfarrgemeinderat Eltingshausen.

Die Geschichte der Talkirche

Bei dieser Wallfahrt erfuhr man im Übrigen auch etwas zur Historie der Talkirche, die unter verschiedenen Namen wie "Rannunger Talkirche" bekannt ist. Das Gnadenbild, das dort zu sehen ist, entstand um 1420 und stand in einer eigenen Kapelle neben der Kreuzkirche. 1802 wurde es in die Kirche übertragen. Die Talkirche lag an der Landstraße Schweinfurt - Meiningen, zu ihr gehörten beträchtliche Landflächen, die ein Pächter bewirtschaftete. Es gab etliche Überschwemmungen im Tal und 1485 eine Verordnung, die die Opfer der Talkirche betrafen. Der Talbruder, auch Talkirchner oder Eremit genannt, musste sich darum kümmern.

Die Eremiten der Talkirche

In den Jahren von 1706 bis 1716 war Konrad Reuter Eremit in der Talkirche. Durch sein Almosensammeln kam es zum Neubau der Kreuzkirche. Der letzte Eremit von 1758 bis 1789 hieß Johann Melchior Werner und stammte aus Eltingshausen.
Am Talhof wurde eine Mittagspause eingelegt, um sich für die letzte Teilstrecke zu stärken. Durch die große Anzahl der Teilnehmer verzögerte sich der Aufenthalt dort etwas. Gespräche mit Bekannten, ein bisschen Ruhe und letzte Verschnaufpause. Schließlich konnten sich aber alle frisch gestärkt auf den restlichen Weg machen, welcher ja nicht so lang war.

Wie Urlaub für die Seele

Die Sonne war inzwischen herausgekommen, richtig schön zur Wallfahrt. "Wallfahrt ist Urlaub für die Seele", sagte Monika Schott und "Pilgern spricht den ganzen Menschen an". Es sei ein schönes Gefühl, in der Gruppe gemeinsam betend unterwegs zu sein, jeder in Fürsorge für den Anderen. Der Blick auf die Talkirche wurde frei. Dort warteten schon geduldig viele Gläubige, für die der Fußweg zu anstrengend war. So zog man betend und das Lied "Segne du Maria" singend in die Kirche ein. Ein Wortgottesdienst mit Kommunionspendung rundete die gelungene Wallfahrt ab.

Gemütlicher Ausklang

Nach der Rückfahrt nach Eltingshausen wurde anschließend zur Begegnung bei Kaffee und von den Ministranten-Muttis gebackenen Kuchen in das Jugendheim Eltingshausen eingeladen. Dieses Angebot wurde reichlich genutzt, und so konnte ein guter Spendenerlös erzielt werden, der zur Anschaffung neuer Ministrantengewänder verwendet wird. Für die Wallfahrt und ihre Durchführung gab es viel Lob von den Teilnehmern und Organisatoren.


Hintergrund


Die Talkirche (Thalkirche) ist eine barocke Wallfahrtskirche. Sie trägt verschiedene Namen: "Wallfahrtskirche zum Heiligen Kreuz", "Gnadenkapelle im Rannunger Tal" oder "Rannunger Talkirche". Die Kirche gehört zur Pfarrei Münnerstadt und ist dem Heiligen Kreuz geweiht. In ihr wird eine Mariendarstellung als Gnadenbild verehrt.

Nach einer in der Bevölkerung verbreiteten Sage geht der Bau der ersten Kapelle auf zwei Bauern aus Rannungen zurück, die bei der Erntearbeit im Tal von heftigem Regen überrascht wurden. Das Wasser staute sich im engen Tal derart an, dass sie mit dem schwer beladenen Fuhrwerk im Morast stecken blieben und mitsamt den Zugtieren in eine äußerst gefährliche Lage gerieten. Deshalb leisteten sie das Gelübde, der Muttergottes im Tal eine Kapelle zu bauen, wenn sie mit Tieren und Fuhrwerk unversehrt nach Hause zurückkämen.

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahre 1360 (im Saalbuch der Deutschherren); der Grund ihrer Erbauung - jenseits der Sage - liegt im Dunkeln. Seit 1449 ist belegt, dass ein Einsiedler ständig in der Nähe der Kirche lebte.