15 Frauen und Männern widmeten sich am vergangene Hochsommer-Wochenende ausschließlich den Pilzen. Für alle hat es sich nach eigenen Angaben gelohnt. Referent Dr. Lothar Krieglsteiner kennt die Rhön, weil er hier bereits wissenschaftliche Kartierungsarbeiten durchgeführt hatte. "Ich bin sehr froh, dass wir doch so viele Pilze gefunden haben", sagt er erleichtert. Denn die lang anhaltende Trockenheit der letzten Zeit ließ nicht allzu viele Funde erwarten.
"Ich möchte vor allem das Interesse an Pilzen wecken", sagt Otmar Diez, der das Seminar mit seiner Naturschule organisiert hat. "Wir hatten Glück. Wir konnten den Teilnehmern überraschend viel bieten - unter anderem auch einige sehr giftige Pilze wie den Knollenblätterpilz." Für Diez ist es wichtig, dass solch ein Seminar nicht zu kopflastig wird. "Die Leute sollen Spaß an der Sache haben - auch wenn sie Anfänger sind." Aber auch Fortgeschrittene waren begeistert vom Seminar (siehe Umfrage rechts). Die meisten kamen aus dem Landkreis, zwei waren jeweils aus Fulda und Erfurt angereist.
Pilzexperte Dr. Krieglsteiner hatte sich für die Wälder rund um Gefäll entschieden. "Wir haben hier nämlich Gemischtwälder mit teils sauren, teils basenreichen Böden, also Buntsandstein oder Muschelkalk im Untergrund", erklärt er seine Wahl. Böden und Bewuchs wiederum hätten einen Einfluss auf die Pilzvorkommen. Und so schwärmte die Gruppe nach einer Einführung am Freitagabend am Samstag- und Sonntagvormittag zur stundenlangen Pilzsuche aus. "Wir haben zahlreiche Pilzarten gefunden", freute sich der Experte.
Gesucht und gründlich in Augenschein genommen wurden jedoch nicht nur jene Exemplare, die in der Küche zu verwenden sind, sondern auch Doppelgänger, Ungenießbare und Giftpilze. Dem Experten war wichtig, dass die Teilnehmer alle Sinne bei der Erkundung der Pilze einsetzten. "Viele Pilze haben einen ganz unverwechselbaren Geruch", vermittelte er. Farbe und Form allein seien kein absolutes Kriterium. "Der Pilz verändert sich je nach Standort oder Entwicklungszustand - auch das muss bei der Bestimmung beachtet werden", lernten die Seminarteilnehmer. "Wir haben einige ganz spannende Giftpilze entdeckt", freute sich Krieglsteiner. "Den grünen Knollenblätterpilz haben wir in allen Wachstumsphasen gefunden. Außerdem den giftigen Tigerritterling und den ebenso giftigen orangefuchsigen Raukopf." Dieser sei sehr selten. Er wurde an diesem Sonntag erst das zweite Mal gefunden. Überraschend war für den Experten aber auch der Fund des schwefelgelben Violett-Milchlings. "Dieser allerdings ist ungenießbar". Krieglsteiner als Experte stellte fest, dass viele Pilzarten an ihren Standorten sehr bedroht seien. Schuld sei vor allem auch ein hoher Stickstoffeintrag durch Düngung.
Die reichen Funde, unter anderem an "schönen Brätlingen", an Rotkappe, Pfifferlingen, Semmelstoppelpilz und Flockenstieligem Hexenröhrling wurden am Nachmittag von den Seminarteilnehmern sortiert und anschließend in großer Runde Art für Art bestimmt. Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, somit das bei der Suche erworbene Wissen für sich und die anderen zu formulieren und vorzutragen.