Oerlenbach
Abschied

Otmar Lutz: Die emotionalste Wallfahrt

Die Oerlenbacher Wallfahrer trotzen auf dem Weg nach Retzbach Hagel und Starkregen. Warum es ein tiefgreifendes Erlebnis war.
Otmar Lutz (links) war heuer nach zehn Jahren zum letzten Mal als Wallfahrtsführer der Retzbacher Wallfahrt dabei.
Otmar Lutz (links) war heuer nach zehn Jahren zum letzten Mal als Wallfahrtsführer der Retzbacher Wallfahrt dabei. Foto: Werner Vogel
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Keine Wallfahrt ist ein Sonntagsspaziergang. Die gut 100 Kilometer Hin- und Rückweg zur Madonna im grünen Tal nach Retzbach gehören zu den größeren Herausforderungen und die Oerlenbacher haben von allen Gruppen den längsten Weg, erklärt Wallfahrtsführer Otmar Lutz, für den es heuer das letzte Mal war.

62 Wallfahrerinnen und Wallfahrer sind um 2.30 an der Andachtsstätte zwischen Oerlenbach und Ebenhausen gestartet und weil in jedem Dorf auf dem Weg noch Pilger dazukommen, sind letztlich 130 Personen singend und betend, aber auch geschafft in Retzbach eingezogen. Seit mehr als 40 Jahren ist Otmar Lutz dabei, seit mehr als zehn Jahren leitet er die Wallfahrt: "So emotional war der Weg vielleicht noch nie", sagt er als er zurückkommt.

"Da ist in diesem Jahr so viel zusammengekommen. Zum einen war Corona überwunden, dann ist Krieg in Europa und unser Wallfahrtsmotto: 'Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst - Frieden' hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer deshalb besonders berührt, hat zusammen- und zu einem besonderen kameradschaftlichen Miteinander geführt", so Lutz. Das Vorbeterteam um Patricia Sonneck hat mit lebensnahen Alltagsgeschichten das Beten und Marienliedersingen ergänzt - es wird nicht nur Rosenkranz gebetet - hat auch Welthits wie etwa Frank Sinatras "My Way" angestimmt. Die fast 20 Wallfahrtsmusiker unter dem Dirigenten Tobias Lutz haben immer wieder Ständchen gespielt. Die überaus herzliche Aufnahme der Pilger und deren Helfer für Verkehrssicherung, Sanitätsdienst und Verpflegung an den Raststationen in Binsfeld, Schwebenried und Kronungen hat gut getan. So konnte auch das Wetter - Petrus hatte den Pilgern nämlich besondere Härteprüfungen gestellt - die Hochstimmung nicht verderben.

Ankunft bei Sonnenschein

Nieselregen war dabei noch harmlos, auch kübelweise Starkregen konnte die Schritte nicht verlangsamen: "In Schwebenried hat's so richtig gedröscht und kurz vor Retzbach sin mer vier Kilometer lang durch Hagelschauer gelaffe, aber wie mir in Retzbach ankumme sen, hat die Sunn gschiene", fasst Lutz in bestem unterfränkisch die Herausforderungen und die besondere Stimmung zusammen.

Umso schöner dann der herzliche Empfang mit gemeinsamem Einzug der Pilgerschar mit örtlichen Gläubigen vom Ortsrand Retzbach bis zur Gnadenkapelle. Bewegend in Erinnerung bleiben auch der Gottesdienst und die Lichterprozession mit den Oerlenbacher Retzbachmusikanten.

Am nächsten Morgen ging's nach dem Morgenlob um 7.30 wieder auf den Heimweg und auch der wurde zum Erlebnis, bis die 70 Pilgerinnen und Pilger, zwar müde und durchnässt, aber mit tiefen Eindrücken von mehr als 50 Einheimischen, Pastoralreferentin Barbara Stockmann und Pfarrvikar Thomas Wollbeck an der Andachtsstätte in Oerlenbach willkommen geheißen wurden. Mit "Großer Gott wir loben Dich" und "Segne Du, Maria" klangen die Wallfahrtstage aus.

Glücklich und zufrieden freuen sich die Wallfahrer auf den Begegnungsabend mit Dankgottesdienst am Samstag, 29. Oktober in St. Burkhard in Oerlenbach. Dort wird es Ehrungen für langjährige Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben. Und Otmar Lutz wird sich als Wallfahrtsführer verabschieden.