Jonathan Kaim aus Haard ist der Erste, der seinen Namen auf die Unterschriftenliste der Ortsumgehungsgegner setzt. Warum er gegen die Entlastungsstraße ist? Er deutet auf das Protestbanner, das die Bürgerinitiative Contra Umgehung an der B 287 aufgestellt hat. "Natur, Umwelt und Lebensqualität erhalten", steht darauf. "Das sind für mich die wichtigen Punkte", sagt er. Kaim findet zwar, dass Nüdlingen vom Durchgangsverkehr der Bundesstraße entlastet werden muss, aber er ist sich sicher: "Da gibt es andere Alternativen!"

Die Umgehung ist in Nüdlingen ein Dauerthema, über das die Bürger emotional streiten. Zum Hintergrund: Rund 10 000 Fahrzeuge rollen am Tag durch den Ort, Tendenz steigend. Im Bundesverkehrswegeplan ist eine Ortsumgehung vorgesehen, das Staatliche Bauamt plant die Trasse nördlich, also zwischen Nüdlingen und Haard hindurch. Die Gemeinde hat im Sommer die Meinung der Bürger abgefragt: Bei einer Beteiligung von annähernd 80 Prozent sprachen sich 55,3 Prozent der Befragten gegen und 44,7 Prozent für die Umgehungsstraße aus. Der Gemeinderat dagegen entschied sich mit zehn zu sechs Stimmen für die Planung.

Den Gemeinderatsbeschluss wollen die Umgehungsgegner nicht hinnehmen. "Die Mehrheit der Bürger ist für eine andere Lösung", sagt Felix Schäfer von der BI Contra Umgehung. Die BI sammelt ab sofort Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Sie will damit erreichen, dass die Straße noch einmal zur Abstimmung gestellt wird - diesmal allerdings in einem rechtlich bindenden Bürgerentscheid. "Wir wollen eine Alternativlösung für die Hauptstraße, aber eine, mit der alle leben können und nicht nur 45 oder 55 Prozent der Bevölkerung", erklärt Christine Fell von der BI.