Yatego local ist ein Digitalunternehmen, das sein Geld damit verdient, eine Onlineplattform für lokale Gewerbetreibende anzubieten. Quasi ein Online-Marktplatz, auf dem sich die Geschäfte aus der Fußgängerzone präsentieren und dadurch wieder Kunden in den Laden zu ziehen. Der Geschäftsführer von Yatego local, Jürgen Pfitzner, trat vor kurzem als Referent auf einem Wirtschaftsabend in Bad Kissingen auf, zu dem Landrat Thomas Bold (CSU) und Sparkassenvorstand Roland Friedrich geladen hatten. Wer sich im Nachgang zu diesem Wirtschaftsabend die Homepage von Yatego local angeschaut hat, dem fiel auf, dass das Unternehmen dort prominent mit Dorothee Bär Werbung machte. "Ich finde es eine sehr gute Lösung, um lokalen Händlern eine Online-Präsenz zu ermöglichen und somit mehr Kunden in das örtliche Geschäft zu ziehen", wird die CSU-Politikerin zitiert.

Empfehlung aber keine Werbung

Das pikante daran: Yatego local wurde auf Empfehlung von Bär zu dem Wirtschaftsabend eingeladen. Die Wahlkreisabgeordnete für Bad Kissingen ist als Staatsministerin für Digitales ein Mitglied der Bundesregierung. Ist es mit dem Amt vereinbar, sich in der Form für ein Digitalunternehmen auszusprechen und Werbung für es zu machen?

Das Abgeordnetenbüro von Bär in Berlin stellt dazu auf Nachfrage klar, dass die Staatsministerin grundsätzlich keine Unternehmen bewirbt und dementsprechend auch keine Bezahlung dafür annimmt. "Von Bärs Seite wurde dem Unternehmen Yatego local kein Zitat [...] zur Verfügung gestellt", so das Büro. Das Vorgehen des Unternehmens sei unüblich.

Dass die Staatsministerin Yatego für den Wirtschaftsabend empfohlen hat, ist dagegen ein normaler Vorgang. Bär führe von Zeit zu Zeit Gespräche mit Unternehmensvertretern aus unterschiedlichen Bereichen. "Die Digitalisierung erfasst alle Bereiche des täglichen Lebens, da gibt es an vielen Stellen neue Ideen", teilt das Büro mit. Bär suche nach Ideen, die den Menschen das Leben erleichtern. Dazu zählt auch das Angebot von Yatego. Online-Marktplätze seien insbesondere für den ländlichen Raum ein Gewinn. Zudem sei es erfreulich, wenn es zu großen amerikanischen Konzernen eine Alternative aus Deutschland gebe. Neutralität und Unabhängigkeit werde dadurch gewährleistet, indem Bär mit verschiedenen Unternehmern, Verbänden und nicht-gewinnorientierten Organisationen aus allen Bereichen spricht.

Unternehmen entschuldigt sich

Die Verantwortlichen im Unternehmen räumen ein, einen Fehler gemacht zu haben. "Bei einem persönlichen Gesprächstermin mit Frau Staatsministerin Bär in Berlin bestätigte uns diese, dass sie die Idee von Yatego local gut und zielführend findet", erklärt eine Sprecherin von Yatego local.Dass die Firma ein Zitat aus dem Gespräch unautorisiert auf seiner Webseite veröffentlicht hat, "war im Nachhinein betrachtet unglücklich und daher wurde das Zitat bereits wieder entfernt".

Die Staatsministerin habe sich für Yatego local eingesetzt und das Thema einigen Landräten ans Herz gelegt, um so die Gelegenheit zu ermöglichen, die Idee vorzustellen. Das Unternehmen betont, dass Bär "die grundsätzliche Idee von yatego local für gut befand, aber in keiner Weise ein einzelnes Unternehmen hervorheben möchte oder direkt unterstützt. Sollte hier im Rahmen des Wirtschaftsabends ein Missverständnis entstanden sein, so möchten wir uns dafür entschuldigen".