Der Tod des langjährigen Bad Bockleter Bürgermeisters Wolfgang Back zeichnete sich seit Monaten ab, kam dann am Mittwochabend aber trotzdem überraschend und bestürzte viele Weggefährten: Im Alter von 66 Jahren erlag Back nach zweieinhalb Jahren Kampf seinem Krebsleiden. Noch zwei Wochen vorher hatte er auf einer Beisetzung gesungen, am Montag erklang seine markante Bass-Stimme zum letzten Mal. "Am Dienstag kam die Atemnot", berichtet Lebensgefährtin Brigitte Junge.
Eigentlich habe er sich nur wegen Schulterschmerzen in der Bad Neustädter Palliativstation behandeln lassen wollen, berichtet Brigitte Junge. Der vor zweieinhalb Jahren diagnostizierte Krebs hatte sich nach und nach im ganzen Körper ausgebreitet. Trotz der Operation 2015, mehrerer Chemo-Therapien und zuletzt einer Bestrahlung sei er aber immer zuversichtlich geblieben. "Vergangene Woche hat er noch Salat gepflanzt", erzählt seine Lebensgefährtin. Die Arbeit im Garten habe ihm Spaß gemacht, zudem war das Singen seine große Leidenschaft. Im Mittelpunkt habe in den vergangenen 16 Jahren aber das Wirken für die Gemeinde gestanden: "Das Bürgermeister-Amt war sein Leben", erzählt Junge, die seit acht Jahren an Backs Seite stand, und: "Er hatte nicht gedacht, dass er auf diese Art so schnell ausgebremst wird." Im September 2016 legte er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder.

"Ich habe einen Freund und Mentor verloren", trauert sein Nachfolger als Bad Bockleter Bürgermeister, Andreas Sandwall, und: "Ich habe ihm viel zu verdanken." Sandwall erfuhr in München vom Tod seines Vorgängers, auf dem Weg zum Kurgipfel das Bayerischen Heilbäderverbandes. Wegen des Trauerfalls reiste er gestern vorzeitig nach Hause, um in Absprache mit Backs Familie und den örtlichen Vereinen einen "würdevollen Abschied" zu organisieren. "Ich versuche, das in seinem Sinne zu machen", kündigte Sandwall an. Auf alle Fälle solle der Gesang eine wichtige Rolle spielen: "Schließlich hat er viele andere auf ihrem letzten Weg mit seinem Gesang begleitet."
"Er hat sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, weil er wusste, was auf ihn zu kommt", sagt Sandwall über die vergangenen Monate. Beim Neujahrsempfang habe die Gemeinde durch die Verleihung der goldenen Bürgermedaille seine Verdienste gewürdigt. "Zu Beginn seiner Amtszeit hatten wir Haushaltssperren, er hat uns wieder handlungsfähig gemacht", erinnert sich Nachfolger Sandwall. Back habe stets alle sieben Gemeindeteile gleich behandelt, habe die drei Blaskapellen für gemeinsame Konzerte und eine Fahrt nach Berlin begeistert, aber auch viel für Kur, Tourismus und Wirtschaft getan. Auf seine Initiative hin hätten sich Betriebe, ein Einkaufsmarkt, ein Heim für Senioren und das Ärztezentrum angesiedelt. Das Baugebiet Kleinfeldlein hätten viele als zu groß bezeichnet. Jetzt sei es fast voll, berichtet Sandwall. Back stand für unbürokratische Lösungen, unter anderem entschlackte er die Bebauungspläne, was auch viele private Bauherren anlockte. "Er hat sich für das Amt buchstäblich aufgeopfert", fasst Sandwall Backs Einsatz zusammen.
"Er war nicht nur der Bürgermeister, sondern ein Freund unserer Hauses", würdigt Harald Barlage, Vorstand der "Kliniken Bad Bocklet AG", den Verstorbenen. "Er hatte immer ein offenes Ohr für unsere Belange", kommentiert er die Zusammenarbeit mit dem Rathaus. Gleiches berichtet auch Frank Böttcher, geschäftsführender Direktor der "Labor LS", bis vor kurzem noch "L+S AG". Die Zusammenarbeit sei "vertrauensvoll, äußerst konstruktiv und sachorientiert" gewesen. "Er hat sich um alles gekümmert, man konnte sich hundertprozentig auf ihn verlassen." In Backs 15 Jahren als Bürgermeister hätten sich Umsatz und Mitarbeiterzahl des Unternehmens etwa verdreifacht: Die in Großenbrach ansässige Labor LS hat heute laut Böttcher rund 470 Mitarbeiter.
Bis zu seinem Tod behielt Back seinen Sitz im Kreistag. "Er hat Wert darauf gelegt, das weiter zu führen, und kam bis vor kurzem zu den Sitzungen", berichtet Landrat Thomas Bold. 2002 zog Back in den Kreistag ein, gleichzeitig wurde Bold Landrat. Backs Tod bezeichnet Bold als "schweren Verlust eines guten Freundes". Er sei ein engagierter und hervorragender Bürgermeister gewesen, der zu einer stetigen Aufwärtsentwicklung seiner Heimatgemeinde beigetragen habe. "Er hat diese Erfolgsgeschichte mitgeprägt", sagt Bold, und: "Er hat es mit Herzblut gemacht, da ging es nie darum, in 40 Stunden einen Job zu machen, sondern das war seine Berufung." Und nebenbei habe er die Menschen um sich herum auch immer gut unterhalten. Seine Bass-Stimme sei bei den Kreistagsfahrten nicht wegzudenken gewesen. Er stimmte Kreuzberglied und vieles mehr textsicher an. Als besonders ergreifend ist Bold sein "Ave Maria" bei einer Glockenweihe im Markt Bad Bocklet in Erinnerung, die selbst den Bischof beeindruckt habe.
Für Back rückt voraussichtlich Anna Krug aus Bad Kissingen in den Kreistag nach. Vereidigung ist frühestens in der Juli-Sitzung.
Wolfgang Back wurde am 5. August 1951 als jüngstes von vier Geschwistern in Windheim geboren. Dort blieb er zeitlebens in Vereinen aktiv. Der gelernte Bankkaufmann arbeitete bis zur Wahl zum Bürgermeister bei der Raiffeisenbank in Münnerstadt. 2002 setzte er sich gegen Amtsinhaber Armin Faber durch, zwei Mal wurde er im Amt bestätigt, zuletzt 2014 mit knapp 59 Prozent der Stimmen.
Wolfgang Back war zwei Mal verheiratet und hatte insgesamt drei Kinder. 2009 starb ein Sohn im Alter von 20 Jahren. Um Wolfgang Back trauern unter anderem seine 19-jährige Tochter, sein 28-jähriger Sohn und seine langjährige Lebensgefährtin Brigitte Junge.