• 19-Jähriger stirbt bei Rettungsversuch: Er wird überfahren
  • Junger Mann will Bekannten von Suizid abhalten
  • 24-Jähriger überfährt den 19-Jährigen 
  • Gemeinde unter Schock: Bürgermeister spricht von einer "Tragödie"

Die Bestürzung ist Zeitlofs ist groß. Die Menschen in dem 2000-Einwohner-Dorf im westlichen Landkreis Bad Kissingen sind auch drei Wochen nach dem tragischen Ereignis noch erschüttert: Ein junger Mann war ums Leben gekommen, nachdem er versucht hatte, einen Bekannten von einem Suizid abzuhalten. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft stellte sich das Geschehen in der Nacht zum 15. August so dar: Eine Gruppe junger Leute war auf dem Heimweg von einem Barbesuch. Darunter war auch ein 24-Jähriger, der im Vorfeld bereits suizidale Gedanken geäußert haben soll. Auch Alkohol habe eine Rolle gespielt. Der Mann habe sich dann ans Steuer eines Autos gesetzt, das mitten in Zeitlofs geparkt war, und wollte losfahren.

19-Jähriger stirbt bei Unfall in Zeitlofs: Gemeinde noch immer unter Schock

Laut Ermittlungsbehörden hatte sich ein 19-Jähriger aus der Gruppe vor das Auto des 24-Jährigen gestellt, um den Mann von dem gefährlichen Vorhaben abzuhalten. Doch der 24-Jährige fuhr los. Sein Bekannter konnte sich noch kurze Zeit auf der Motorhaube halten, fiel dann jedoch zu Boden. Er kam mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik. Dort starb er, knapp zehn Tage nach dem Unglück, am 24. August an seinen schweren Kopfverletzungen. Jetzt ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft.

Als das Unglück passierte und gegen ein Uhr nachts die Sirene losheulte, seien alle im Ort aus dem Schlaf aufgeschreckt worden, ist aus der Bevölkerung zu hören. Etliche Männer und Frauen hätten sich schnell angezogen und seien an den Unfallort geeilt, um vielleicht helfen zu können. "Als ich dorthin kam, habe ich viele Autos, Blaulicht und zahlreiche Menschen gesehen", sagt Bürgermeister Matthias Hauke auf Anfrage dieser Redaktion. Er war in seiner Funktion als Feuerwehrkommandant zusammen mit Feuerwehrleuten sofort an die Unfallstelle gerufen worden, um diese auszuleuchten. "So richtig bewusst war mir da noch nicht, was gerade passiert ist."

Unter seiner Leitung sei dann auch die Beleuchtung am Sportplatz installiert worden, wo der Rettungshubschrauber aus Nürnberg kurze Zeit später landen sollte. Erst als Hauke vom Sportplatz wieder an die Unfallstelle zurückkam und Kriminalpolizei vor Ort wahrnahm, sei ihm klar geworden, "welche Tragödie sich da ereignet hat". Dann sah der Bürgermeister auch die Eltern des Verunglückten an der Straße stehen. "Da ist es mir richtig in den Magen gefahren."

Bürgermeister spricht von "Riesenschock": Er war als Einsatzkraft vor Ort

24 Jahre ist Hauke nun bei der Feuerwehr, davon zehn Jahre Kommandant in Zeitlofs. In all diesen Jahren habe er auch schwierige Einsätze gehabt, von denen sich ein paar in seinem Kopf eingebrannt hätten. Dennoch: Die schlimmen Ereignisse des 15. August seien für ihn ein "Riesenschock" gewesen.

Im ganzen Ort ist die Bestürzung groß, sagt der Bürgermeister. "Der junge Mann wollte helfen, wollte verhindern, dass ein anderer sein Leben hergibt - und dann passiert so etwas, das macht es sehr hart." Die Menschen in Zeitlofs seien von all dem sehr mitgenommen. Man brauche sich ja nur vorzustellen, dass es der eigene Sohn hätte sein können, der da abends mit Freunden wegfährt und nicht mehr nach Hause kommt, gibt Hauke zu bedenken.

Der 24-jährige Fahrer des Wagens aus dem Schweinfurter Raum hatte sich in der Nacht widerstandslos von der Polizei festnehmen lassen. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft habe er sich in einer psychischen Ausnahmesituation befunden und war in ein Bezirksklinikum gebracht worden. Am 26. August erließ das Schweinfurter Landgericht gegen den Mann Haftbefehl wegen des Verdachts auf Totschlag und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Er kam in eine Justizvollzugsanstalt.

Haftbefehl gegen Freund des Toten erlassen

Die "psychiatrische Seite" müsse bei jedem Delikt bewertet werden, sagt Leitender Oberstaatsanwalt Axel Weihprecht (Schweinfurt) im Gespräch mit dieser Redaktion. Wenn es diesbezüglich Besonderheiten gebe, müsse man sie berücksichtigen. Im Fall des 24-Jährigen sei inzwischen ein Gutachten beauftragt worden. Von Gerichts wegen zu prüfen sei in derartigen Fällen zudem, ob der Betreffende in Haft kommt oder eine einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet wird. Auch etliche Jugendvollzugsanstalten haben psychiatrische Abteilungen, sagt der Oberstaatsanwalt. Ob der 24-Jährige jetzt in einer solchen Justizvollzugsanstalt einsitzt, dazu wollte sich Weihprecht jedoch nicht äußern.

Psychische Vorbelastungen eines Menschen schützen aber nicht vor einem Strafverfahren, macht der Oberstaatsanwalt klar. Wann dieses nun eingeleitet wird, sei abhängig vom Fortgang der Ermittlungen, die noch "relativ am Anfang" stünden. In Haftverfahren sei jedoch bei den Ermittlungen Eile geboten. Denn das Oberlandesgericht prüft nach sechs Wochen, ob der Haftgrund noch besteht.

Von der menschlichen Warte aus betrachtet sei das Geschehen, gerade in Bezug auf den 19-Jährigen aus Zeitlofs, "sehr traurig", sagt Weihprecht. "Da wollte jemand etwas Positives bewirken und kam zu Tode." Und das, obwohl er sich keinerlei Vorteil von dieser guten Tat erhofft habe. "Das ist sehr bitter."

Isolde Krapf

Hinweis der Redaktion: Wir berichten für gewöhnlich nicht über Selbstmorde. Eine Ausnahme bilden Fälle von großem öffentlichen Interesse. Bei der Telefonseelsorge erreichst du unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Hilfe in schwierigen, möglicherweise ausweglos erscheinenden Situationen. Unter www.frnd.de ("Freunde fürs Leben") findest du zudem weitere Informationen und Hilfsangebote.