Landwirtschaftsministerium meldet Rekordabschüsse in den Staatsforsten: Aber wer will die Schweine essen?
Die Bayerischen Staatsforsten steuern bei der Schwarzwildjagd auf ein Rekordergebnis zu. Bayerns Forstminister Helmut Brunner zufolge haben Beschäftigte und Jagdgäste des Unternehmens in der noch bis Ende März laufenden Jagdsaison 2017/2018 bereits über 13 100 Wildschweine erlegt - mehr als je zuvor. In der vergangenen Jagdsaison waren es rund 9600 Tiere. Jedoch: Das Fleisch der Tiere will niemand mehr essen, die Angst vor der Seuche ist zu groß.
Aus Brunners Sicht leisten die Staatsforsten mit dem Abschüssen einen wichtigen Beitrag zur Seuchenprävention. "Wir müssen alles tun, um die Afrikanische Schweinepest von Bayern fernzuhalten", so der Minister. Wie mehrfach berichtet, sind in mehreren osteuropäischen Staaten zahlreiche Tiere an der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gestorben. Brunner zufolge ist eine intensive Bejagung der Wildschweine aus Präventionsgründen wichtig: Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus in Deutschland Einzug hält.
Hohe Abschusszahl
Allerdings machen die Staatsforsten nur elf Prozent der Jagdfläche im Freistaat aus. Private Jäger, die im Bayerischen Jagdverband organisiert sind, bejagen die restlichen Flächen. Laut Max Peter von Montgelas, dem Fachreferenten für Schwarzwild beim Bayerischen Jagdverband, rechnen auch die privaten Jäger mit einer sehr hohen Abschusszahl von rund 60 000 bis 70 000 Tieren in dieser Saison - zusätzlich zu jenen aus den Staatsforsten. Die exakte Zahl könne aber erst Ende März bekannt gegeben werden.
Aber was passiert mit den erlegten Tieren? Wer isst sie? Offenbar immer weniger Verbraucher, wie Gerhard Klingler, Sprecher des Jagdverbands in Unterfranken, beklagt. "Die Jäger hier verzweifeln fast, weil sie die Produkte nicht loskriegen", sagt Klingler. Von Jägern aus der Rhön, der Region Schweinfurt und der Region um Miltenberg habe er gehört, dass die Verbraucher das Fleisch verschmähten. Normalerweise, so Klingler, "gibt es in jedem fränkischen Dorf einen, zwei, drei Jäger. Die kennt man, denen traut man, von denen kauft man Wild."
Das habe sich aber mit Ausbreiten der ASP in Osteuropa geändert. "Jetzt will auch hier keiner mehr Wildschwein essen - nicht mal, wenn die Jäger für das Fleisch gar kein Geld nehmen wollen und das Fleisch spenden wollen", berichtet Klingler. Für die Jäger sei das eine schwierige Situation; sie hätten zu Hause kaum Lagermöglichkeiten für mehrere tote Tiere. Natürlich sei der Grund für die Kaufzurückhaltung die Angst vor der Schweinepest. "Aber hier in Deutschland gibt es die Krankheit ja gar nicht", betont Klingler. Der Redaktion hat er ein Wildschweinrezept mitgeschickt.
Unterdessen planen die zuständigen Behörden für den Ernstfall. Falls die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland kommt, will etwa das Landratsamt Bad Kissingen "Verwahrstellen" für tote Wildschweine einrichten. Jäger sind angehalten, tote Wildschweine zu melden. Wo es Wildbret gibt, steht auf der Homepage des Bayerischen Jagdverbandes: www.bjv-service.de/wildbret.
Wildschweinbraten nach König Ludwig
Gerhard Klingler, Pressesprecher des Bayerischen Jagdverbands im Regierungsbezirk Unterfranken, empfiehlt Lesern ein Wildschwein-Rezept:
Zutaten für 6 Portionen: 2 kg Wildschweinschulter, -nacken oder -keule, 3 mittelgroße Zwiebeln, 2 große Karotten, 1/4 halbe Knollensellerie, 1 Stange Lauch, 2 Knoblauchzehen, 1 l dunkles Bier, 1,5 l Fleischbrühe, 200 g Butterschmalz, Kümmel, Salz, grob, Pfeffer.
Gesamtgarzeit: 110 Minuten*
Zubereitung: Das Fleisch mit ganz viel grobem Salz, Kümmel und etwas Pfeffer gut würzen. Den Bräter und das Fleisch gut mit Butterschmalz einreiben, das Ganze zwei Stunden bei Zimmertemperatur aufwärmen lassen. Den Ofen auf 220 Grad Umluft vorheizen. Den Braten 20 bis 30 Minuten anschmoren lassen. Anschließend mit circa 0,5 Liter kochender Fleischbrühe übergießen und 40 Minuten auf mittlerer Schiene im Ofen garen lassen. Temperatur auf 170 Grad reduzieren. Alle 20 Minuten das Fleisch einmal drehen und mit 0,5 Liter Bier übergießen.
Die Zwiebeln achteln, Karotten und Sellerie in Würfel schneiden und den Lauch in Ringe. Alles zum Braten geben, noch mal mit einem Liter kochender Brühe übergießen und weitere 30 Minuten in den Ofen schieben.
Das Gemüse und die Soße in eine Sauciere füllen und gegebenenfalls nochmals etwas mit Speisestärke abbinden. Das Fleisch ist perfekt, wenn es sich gut vom Knochen löst. Dazu passen Knödel aller Art.
*Bei einem einjährigen Wildschwein, Fleischdurchmesser mindestens zehn Zentimeter. Bei Frischlingen reduziert sich die Garzeit um circa 30 bis 50 Minuten je nach Alter. Bei Keiler und Bachen kann sich die Garzeit um 20 Minuten verlängern.
grr