Die Stadt Bad Kissingen steht beim Kissinger Sommer an einer Weggabelung. Völlig unabhängig von den bekannten Plänen, das Festival wegen der Corona-Krise im nächsten Jahr nur mit einem Kernprogramm zu präsentieren, muss sich die Stadt mit Blick auf das Ende der Amtszeit von Intendant Tilman Schlömp Gedanken machen, wohin die Reise nach 2021 gehen soll. Die jüngste Botschaft des Rathauses in Sachen künftige Leitung des Kissinger Sommers birgt allerdings eine Überraschung.

Im April, zum Ende der Amtszeit des alten Stadtrats, hatte es noch geheißen, nach Ablauf der Amtszeit von Schlömp sollten dessen Aufgaben zwei Personen übertragen werden. Der damalige Oberbürgermeister Kay Blankenburg sprach im Ferienausschuss von einer Aufteilung in Dramaturgie und Intendanz. Gemeint war eine künstlerische und eine kaufmännische Leitung, wo die eine Seite eher fürs Programm sowie die Inhalte und die andere unter anderem fürs Einwerben von Sponsoren sowie Repräsentanz nach außen zuständig sein sollte.

Zweimal Singular

Nach unbestätigten Informationen aus den Reihen der Stadträte soll der Gedanke, die Aufgaben der Intendanz auf verschiedene Schultern zu verteilen, unter anderem im Gespräch mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen - unter Schlömp Festivalorchester des Kissinger Sommers - entstanden sein. Überraschenderweise ist in den Verlautbarungen der Stadt zu den Zukunftsplänen für die Leitung des Festivals jetzt allerdings nicht mehr von so einer Doppelspitze die Rede. In einer Kurzinformation auf Facebook steht in etwas holprigem Deutsch, dass die "Ausschreibung des Intendanten ab 10. Oktober bis 20. November geplant" sei. Über die "Besetzung dieser Position" entscheiden solle der Stadtrat am 25. November. Den Singular in beiden Aussagen muss man wohl so interpretieren, dass es sich das Rathaus in Bezug auf die geplante Aufteilung der Leitung des Festivals anders überlegt hat.

Im Stadtrat vorgestellt worden ist vergangene Woche auch, was ein Workshop unter dem Titel Quo vadis Kissinger Sommer? an Ergebnissen erbracht hat. Das Festival solle künftig zwar etwa gleich lang dauern wie bisher, aber weniger Veranstaltungen aufweisen, als aus den vergangenen Jahren gewohnt. Angesteuert wird, wie die Stadt auf Facebook zusammenfasst, eher Star-Fokus und weniger die Ausrichtung nach einem durchgängigen Leitmotto.

Hintergrund dieser Grundsatzpositionen sind Erfolgsfaktoren, die der beschriebene Workshop laut Sitzungsunterlage für den Stadtrat erarbeitet hatte. Für ein erkennbares Programmprofil, heißt es da, solle man "Veranstaltungen reduzieren und gezielter bewerben". Auch von Themenwochenenden ist die Rede.

Star-Fokus vor Leitmotto

Um den Star-Fokus des Festivals beizubehalten, sei die Bindung zu Schlüssel-Künstlern und -Ensembles wichtig. Stichworte sind hier zum Teil bereits praktizierte "Residenz- und Ambassadorkonzepte" sowie die Förderung junger Talente. Was den Einsatz des Festivals als Mittel zur Imagebildung und zur Vermarktung Bad Kissingens angeht, hob der Workshop die Bedeutung eines zielgruppen-orientierten Angebots hervor. Um die Inhalte bei den Zielgruppen und darüber hinaus effektiv zu platzieren, sei ein "ausreichendes Marketingbudget" notwendig. In Sachen Finanzierung solle sich ein Fokus auf die "Entwicklung von Fundraising und Sponsoringkonzepten" richten.