Nach dreieinhalb Stunden Beratung und mehr als einem Dutzend Einzelbeschlüssen zum Neubau von Gymnasium, Mensa und Turnhallen (wir berichteten) ging Architekt Grant Kelly vom Berliner Büro "Numrich Albrecht Klumpp" in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses noch kurz auf den Zeitplan ein: Der Baubeginn ist demnach für Juli 2023 geplant, der Rohbau soll bis Herbst 2024 stehen, das gesamte Jahr 2025 würden dann technische Anlagen montiert und der Innenausbau laufen, so dass das Frobenius-Gymnasium im Februar 2026, also zum Schul-Halbjahr, umziehen könnte. Bis dahin stehen allerdings noch zahlreiche Planungsaufgaben an, unter anderem der Bau- und der Zuschuss-Antrag.

Grundstück nur zum Teil überplant

Architekt Kelly stellt in seinen Plänen auch klar, dass sein Team nur rund zwei Drittel des insgesamt rund 9,5 Hektar großen Grundstücks des Landkreises überplane. Im Nordwesten bleibt ein großes Baufenster für Real- und Förderschule, südlich zur Bundesstraße werden lediglich die Sportanlagen an der westlichen Ecke Richtung Sportgelände der Stadt angelegt, der östliche Teil bleibt frei. "Ein Schallschutz zur Bundesstraße ist nach dem aktuellen Stand der Planung nicht erforderlich", berichtete der Architekt. Den neuen Busbahnhof für die drei Schulen plant ein anderes Büro.

Die Grundsatzentscheidung, dass im bisherigen Hammelburger Schulzentrum nicht der Bestand saniert, sondern wenige hundert Meter weiter östlich ein komplett neues Schulzentrum gebaut wird, fiel im Sommer 2019. Damals sicherte sich der Landkreis nach einer nicht-öffentlichen Abstimmung die Grundstücke dafür von der Stadt Hammelburg und Privat-Eigentümern. Im April 2021 wurde das Ergebnis des Architekten-Wettbewerbs vorgestellt, seitdem läuft die Planung: Unter anderem in Workshops mit der Schulleitung wurden viele Detailfragen geklärt. Laut Architekt stehen mittlerweile sämtliche Grundrisse der Geschosse fest. In der beschlossenen Variante haben Gymnasium, Mensa und Turnhallen zusammen eine Geschossfläche von 14 700 Quadratmeter. Das Herzstück des Gymnasiums sei die große Aula, das Gebäude habe drei Innenhöfe: Einer solle mit Kunstwerken gestaltet werden, der zweite vor allem der Kommunikation dienen und der dritte ein begrünter Ort der Stille werden.

Durch die Planung zieht sich die Idee der Marktplätze für alle Jahrgangsstufen, also ein offen gestalteter Raum, an den sich jeweils drei Klassenzimmer und ein Ausweichraum anschließen. Der Architekt stellte klar, dass im Gegensatz zu den Entscheidungen über Extras in der Sitzung einige Zusatzkosten bereits vorab fest in die Planung eingerechnet wurden: Die Flächen für die Marktplätze und die Schulsozialarbeit etwa schlagen mit rund 685 000 Euro zu Buche. Zusätzliche Verkehrsflächen für das Konzept einer Clusterschule, Fluchtbalkone und eine zentrale Erschließungsstraße für das Gymnasium kosten insgesamt rund 2,14 Millionen Euro mehr. Auf der Grundlage eines Bodengutachtens wurde zudem eine Tiefengründung mit Bohrpfählen beschlossen, die rund 1,1 Millionen Euro zusätzlich kostet.

In der Volleyball-Stadt Hammelburg wurde zudem von Beginn an festgelegt, dass die beiden Turnhallen nicht nur die übliche Höhe von fünf Metern haben, sondern sieben Meter hoch geplant werden. Die Mehrkosten sind mit 316 000 Euro veranschlagt. Und ebenfalls bereits eine Vorgabe für den Architekten-Wettbewerb war ein 60 mal 90 Meter großer Sportplatz anstelle eines 40 mal 60 Meter großen Spielfelds. Hier liegt die Kostensteigerung bei 258 000 Euro.

20,61 Millionen Euro Zuschuss erwartet

Auf der Grundlage der gesetzlichen Vorgaben will der Landkreis Anfang 2023 den Zuschussantrag bei der Regierung von Unterfranken stellen. Landrat Thomas Bold (CSU) erhofft sich dann höhere Fördersätze. Architekt Kelly gab trotzdem schon eine Schätzung ab, mit welchen Fördersummen zu rechnen sei: Alleine für das Gymnasium hofft er auf 16 Millionen Euro. Die Ganztagsbetreuung soll mit weiteren 1,55 Millionen Euro bezuschusst werden, die Sporthallen mit 2,81 Millionen Euro, die Außen-Sportanlagen mit rund 246 000 Euro. Insgesamt rechnet der Landkreis also für den ersten Bauabschnitt mit rund 20,61 Millionen Euro plus möglicher Förderungen für den Energiestandard BEG 40. Auch dafür sei jetzt noch kein Zuschussantrag möglich, frühestens im Sommer lägen genügend Details fest, um abschätzen zu können, ob die künftigen Richtlinien erfüllt werden.

Ende März soll die Leistungsphase 2 der Planung abgeschlossen werden. In Leistungsphase 3 folgen dann bis August ein Brandschutzkonzept sowie detaillierte Fachpläne. Bis Mitte September soll der Bauantrag eingereicht werden, mit der Baugenehmigung rechnet der Landkreis bis Ende des Jahres 2022. Parallel dazu startet im Herbst bereits die Ausführungsplanung, damit ab Februar 2023 die Leistungsverzeichnisse erstellt werden können: Zunächst für Erdarbeiten, danach für Rohbau, Gebäudehülle, Technik, Innenausbau und schließlich für die Außenanlagen.

Mit den Erdarbeiten und der Erschließung des Grundstücks soll im Juli 2023 begonnen werden. Etwa zeitgleich plant die Stadt Hammelburg die Erschließung des Gebietes Hochstein-Süd. Die Rohbauarbeiten sollen nach jetzigem Stand im Oktober 2023 beginnen und in 14 Monaten abgeschlossen sein. CSU-Kreisrat und Bau-Unternehmer Patrick Bindrum mahnte jedoch an, dass aus seiner Sicht bei der aktuellen Lage in der Baubranche deutlich mehr Zeit für die einzelnen Gewerke eingerechnet werden müssten. Sonst könne es Probleme bei der Ausschreibung geben.