Oberelsbach
Overtourism-Problem

Massentourismus in der Rhön: Diese Lösungsvorschläge hat die Staatsregierung

"Overtourism" - nicht nur in der Rhön - ist auch Thema im Umweltministerium. Wie sehen die Lösungsvorschläge des Ministers Thorsten Glauber aus?
 
Besucher sollen sich in der Rhön wohlfühlen, dabei allerdings der Natur nicht schaden.  Foto: Sonja Demmler
Besucher sollen sich in der Rhön wohlfühlen, dabei allerdings der Natur nicht schaden. Foto: Sonja Demmler
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Wie soll man Probleme durch den Massentourismus in der Rhön angehen? Wer ist für eine bessere Beschilderung zuständig? Und sind wegen der Schäden, die Besucher in Schutzgebieten anrichten, Fördermittel gefährdet? Diese Fragen stellt man sich nicht nur in der Rhön. Das Thema "Overtourism" (Entwicklung im Tourismus, die das Entstehen von offen zutage tretenden Konflikten zwischen Einheimischen und Besuchern an stark besuchten Zielen zum Gegenstand hat; Quelle Wikipedia) ist natürlich auch bei der Landesregierung angekommen.

Ihr Rezept ist klar. Um wichtige Lebensräume und gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu schützen, sei eine "Kombination aus effektiven Besucherlenkungsmaßnahmen, Information und Sensibilisierung der verschiedenen Nutzergruppen" notwendig, erklärte ein Sprecher des Umweltministeriums auf Nachfragen dieser Redaktion. Bereits seit Jahren würden vor allem in Schutzgebieten entsprechende Maßnahmen vom Umweltministerium ergriffen und gefördert.

Touristenmassen nicht nur in der Rhön ein Problem

Auf diese Kombination setzt auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). "Naturschutz vor Ort lebt von guter Kommunikation. Besucherlenkung und Aufklärung in schützenswerten Gebieten kommt gerade in Corona-Zeiten eine hohe Bedeutung zu. Wir arbeiten dazu aktuell an neuen Ideen und Förderkonzepten für das Naturerlebnisland Bayern. Ein Ausgleich der Interessen soll durch eine bestmögliche Lenkung der Besucherströme gelingen", so Glauber gegenüber dieser Redaktion. Entsprechend hat die Landesregierung dieser Tage ein Konzept zur Stärkung von nachhaltigen Naturerlebnissen und Besucherlenkung auf den Weg gebracht. Ein Naturerlebnis-Baukasten soll dabei helfen, erprobte Instrumente der Besucherlenkung aus Hotspots im Alpenraum sowie deren Finanzierungen auf andere Regionen zu übertragen.

Bestandteil ist dabei neben Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit auch das Thema Technik. So sollen der Einsatz technischer Geräte und die Vernetzung mit digitalen Angeboten erprobt werden. Zum Beispiel sollen Besucherzählgeräte Daten für digitale Angebote liefern, über die Ausflugsziele bereits von Zuhause aus erkundet werden können.

Auch Beschilderung und Besucherinfrastruktur sollen verbessert werden. Bei konkreten Maßnahmen für Wegeführung oder Wegeleitsysteme verweist man im Ministerium auf die jeweils individuelle Situation vor Ort.

Geld für Wegemarkierungen und Infotafeln

Im Biosphärenreservat Rhön sei die Beschilderung und Markierung von Wegen sowie die Ausstattung mit Infotafeln Aufgabe des Naturparks Bayerische Rhön. Im vergangenen Jahr seien dafür 145.000 Euro an den Naturpark Rhön geflossen.

Als weiteren entscheidenden Faktor sieht man Gebietsbetreuer, Biosphärenreservats- oder Naturpark-Ranger sowie Naturschutzwächter. Hier sei "flankierend eine Struktur geschaffen worden, die den Vollzugsbehörden im Bereich der Besucherlenkung und -information unterstützend zur Seite steht", so der Sprecher des Ministeriums. Eine entscheidende Rolle hätten die Gebietsbetreuer als wichtige Ansprechpartner vor Ort und Vermittler bei Konflikten zwischen Freizeitnutzern, Eigentümern und Naturschutz.

Ziel 60 Rangerstellen

Seit Ende 2018 fördere das Umweltministerium zudem Naturpark-Ranger. Aktuell seien mehr als 40 Ranger unterwegs, Ziel seien 60 Rangerstellen. Im Naturpark Bayerische Rhön sind zurzeit zwei Ranger angestellt. Eine dritte Rangerstelle wird voraussichtlich im Sommer 2021 besetzt, heißt es aus dem Umweltministerium weiter. Naturpark-Ranger sollen in erster Linie in Verständnis für die Bedürfnisse der Natur und deren Schutz schaffen. In Fällen, in denen ein Verstoß gegen geltendes Recht vorliegt, könnten die Ranger Unterstützung durch "hoheitsbefugte Personen, wie etwa die Polizei oder die Naturschutzwacht, anfordern".

Keine generelle Gefährdung erwartet

Die Gefahr, dass in die Millionen gehende Förderung über den Vertragsnaturschutz in der Rhön wegen der Folgen des Overtourism wegfällt, sieht man im Umweltministerium nicht. Eine generelle Gefährdung der Schutzzwecke der Naturschutzverordnung durch ein hohes Besucheraufkommen sei nicht zu erwarten, heißt es auf die entsprechende Frage.

Beim Thema Digital-Ranger verweist man im Ministerium auf die Unteren Naturschutzbehörden. Die habe man gebeten, Outdoor-Portale auf ungeeignete Wege hinzuweisen, die dort beworben werden, und deren Löschung zu erreichen, so der Sprecher des Umweltministers.

Im Rahmen Naturerlebnis-Baukastens soll auch der Einsatz von Digital-Rangern, die Besucherinformation und Besucherlenkung über Online-Plattformen und Soziale Medien betreiben, ausgebaut werden.

Thomas Pfeuffer