Seit 18 Wochen ist Fährmeister Michael Schnaas mit seinem fünfköpfigen Team nun vor Ort und steuert die Fähre Mittelrhein über den Main von Hofstetten nach Langenprozelten. 18 Wochen, in denen der Fährmann aus dem Rheinland einiges erlebt hat.
Michael Schnaas ist seit 25 Jahren Fährmeister in seiner Heimatstadt Lorch in Rheinland-Pfalz. Das Fährschiff Mittelrhein gibt es seit 1893, und es wurde seitdem mit dem Amt des Fährmeisters innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben. Der 50-Jährige betreibt zum Beispiel auch die Fährverbindung von Niederheimbach über den Rhein nach Lorch. Diese Überfahrt ist mit 1200 Metern um einiges länger als die Fahrt über den Main.


Fernab von der Heimat

Im Februar hat Schnaas und seine Angestellten der Auftrag der Stadt Gemünden an die Anlagestelle von Langenprozelten geführt. Fernab von der Heimat manövriert er nun täglich 900 Fahrzeuge über den Main und ersetzt somit die abgerissene Mainbrücke. Seine neue Zweitheimat gefällt dem 50-Jährigen allerdings sehr gut: "Die Landschaft ist wunderschön, und die Leute sind wirklich nett. Viele Menschen, vor allem Familien, kommen einfach vorbei, um eine Weile über den Main schippern zu können. Da macht man schnell Bekanntschaften. So wird die kurze Überfahrt nie langweilig."
Mit dem Heimweh kommt der verheiratete Familienvater klar: "Auch wenn ich noch nie so weit von zu Hause entfernt mit meinem Fährschiff unterwegs war, klappt das relativ gut. Ich wechsele mich mit einem Team von gelernten Binnenschiffern ab, die wir extra für den Auftrag in Gemünden angestellt haben. Länger als drei Wochen am Stück muss ich meistens nicht ohne meine Familie auskommen." Das sei auch der Grund, wieso er nie ein Frachtschiff habe steuern wollen. Als Fährmann hat er seine Familie und seine Heimat immer in der Nähe.


Eine Berufung

Bei den 120 Überfahrten, die Schnaas täglich im Schnitt hinter sich bringt, gab es die eine oder andere, an die er sich gerne erinnert. "Ich hatte an Fasching Dienst und dachte nicht, dass das hier in Bayern so groß gefeiert wird. Auf einmal kam der ganze Langenprozeltener Karnevalsumzug an die Anlegestelle und wollte auf die andere Seite. Das Ergebnis war eine Riesenparty auf meiner Fähre. So was werde ich nicht so schnell vergessen", sagt Schnaas.


Kapitän durch und durch

Erzählt der Fährmeister von seiner Arbeit wird schnell klar, wie sehr sein Herz daran hängt. Fährmann ist für ihn kein Beruf, sondern eine Berufung. Einen Haken hat die Fährarbeit allerdings, die Bezahlung: "Ich liebe es, selbstständig zu sein, den Kontakt mit Kunden und keine stumpfsinnige Arbeit am Fließband verrichten zu müssen. Sieht man aber, dass das Schiff 14 Stunden am Tag läuft und vorher sowie nachher die Maschinen gewartet werden, sind das sehr lange Arbeitstage. Wegen der Bezahlung allein wird man also kein Fährmeister."
Gibt es dann doch einige Stunden Freizeit, kümmert Schnaas sich um sein privates Sportboot - er ist eben Kapitän durch und durch. Wie lange die Fährmannschaft um Michael Schnaas noch in Gemünden stationiert ist, ist nicht klar. Der Fährauftrag gilt für 18 Monate. Sollte die Brücke bis dahin nicht fertig sein, darf der 50-jährige Fährmeister länger die schöne Landschaft um Gemünden und die netten Menschen genießen. Maximilian Fink


Das Fährschiff Mittelrhein

Technik Zwei Propeller mit jeweils 120 PS treiben die "Mittelrhein" an. Sie hat eine Tragkraft von 45 Tonnen, kann zwölf Autos transportieren, auch Laster und Busse finden Platz. Die Fähre hat eine bewegte Geschichte. 1952 erbaut, war das 35,90 Meter lange und 9,50 Meter breite Schiff zunächst zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf/Rhein im Einsatz.

Die "Mittelrhein" war eine der beiden Fähren, die der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (Kanzler von 1949 bis 1963) täglich auf dem Weg von seinem Wohnort in Rhöndorf zur Arbeitsstätte nahm. Den Fähren war Adenauer sehr verbunden. Nach seinem Tod wurde sein Sarg auf dem Schwesterschiff der Mittelrhein aufgebahrt.

Für zehn Jahre zog die "Mittelrhein" 1966 nach Holland um, wo sie am Fluss Spui im Rhein-Delta und der Maas zehn Jahre lang die Orte Hekelingen und Nieuw-Beijerland verband. Nach fünfjähriger Pause kam sie 1981 an den Rhein nach Düsseldorf-Kaiserswerth, wo sie bis 1994 Dienst tat. Anschließend fuhr sie wieder in der Nähe von Bonn, zwischen Mondorf und Graurheindorf am Rhein.
Bis 2004 war die "Mittelrhein" an der Elbe bei Hamburg als Reserveschiff zwischen Hoopte und Zollenspieker und seit 2007 Reservefähre zwischen Niederheimbach und Lorch unterwegs. (bjk)