"Es läuft zu viel schief in der Euerdorfer Gemeindepolitik", sagt Peter Bergel (Bürgerblock). Mit dieser Begründung kandidiert er für das Bürgermeisteramt. Der 68-jährige Allgemeinarzt ist seit 2016 im Ruhestand. Für seinen Antritt bei der Kommunalwahl habe er sich entschieden, nachdem sich 2019 ein Bürgerentscheid klar gegen einen hauptamtlichen Bürgermeister ausgesprochen hatte.

"Da ist mir erst einmal bewusst geworden, was ein hauptberuflicher Bürgermeister kostet", erzählt Bergel rückblickend. Vor 2014 sei die Gemeinde ja auch ehrenamtlich regiert worden. Angesichts der aktuell rund 1530 Einwohner findet Bergel diese Vergütung angemessen. Zumal der Ort schrumpfe. "Ich kann nicht verstehen, warum wir über die Jahre 300 Einwohner verloren haben", gibt Bergel zu bedenken. Und dies, obwohl der Ort mit Geschäften und der ärztlichen Versorgung doch ganz gut dastehe. Eine Versorgung, an der er über die Jahre und dann mit einer Nachfolgeregelung für seine Praxis mitgewirkt habe.

Bergel stört es auch, dass sich die Gemeindepolitik in den vergangenen sechs Jahren zu sehr um den Rathaus-Neubau mit seinen Kostensteigerungen gedreht habe. Es sei versäumt worden, die dort vorhandene Bausubstanz von einem Sachverständigen zu prüfen. Nun seien Kosten in Höhe von sechs Millionen, anstelle der angepeilten vier Millionen Euro, zu erwarten.

"Ich war politisch schon immer interessiert", begründet Bergel seinen Schritt zur jetzigen Kandidatur. Wegen seiner Arbeit Tag und Nacht als Landarzt sei für ihn der Bürgermeisterposten aber in der Vergangenheit nicht in Frage gekommen.

Gerne erinnert er sich an die Zeit des erfolgreichen Kampfes um das Altenheim zurück. "Ich bin echt stolz darauf, dass die Leute dafür auf die Straße gegangen sind", beschreibt er seine Gefühle. Schließlich habe es sich um die erste Demonstration in Euerdorf gehandelt. Ärgerlich findet es Bergel, wie die Ankündigung seiner Kandidatur in einem CSU-Flyer kommentiert worden ist. "Das hatte was von Alterdiskriminierung", kritisiert er.

Wichtig fände er einen Bürgerbus, um Menschen ohne Auto im Ort mobil zu halten. Um Informationsdefizite abzubauen, hielte er ein kostenloses Gemeindeblatt für sinnvoll.

Und auch einem sensiblem Projekt möchte sich Bergel im Falle einer Wahl annehmen. Er kann sich vorstellen, dass aus der Verwaltungsgemeinschaft mit Aura, Euerdorf, Ramsthal und Sulzthal eine Einheitsgemeinde wird. Das würde manche Lösungen beschleunigen, findet er, weil manche Entscheidungen bisher blockiert würden. Sollte es die Einheitsgemeinde geben, könnte man sich auch wieder um einen hauptamtlichen Bürgermeister Gedanken machen, weil dies dann der Einwohnerzahl angemessen wäre.

Drei Fragen an Peter Bergel

Der Bürgermeister wird in der neuen Legislaturperiode wieder ehrenamtlich arbeiten. Was wird das im Fall ihres Wahlerfolges für die Amtsführung bedeuten?

Peter Bergel Ich bin ja Ruheständler mit jeder Menge Zeit. Die würde ich voll der Gemeinde zur Verfügung stellen. Das wird nicht anders, als ob ich hauptamtlich arbeiten würde. Ich muss nicht acht Stunden irgendwo in einem Räumchen sitzen, um intensiv zu arbeiten.

Was hätten Sie als Bürgermeister in der vergangenen Legislaturperiode anders gemacht?

Da wäre schon mal der offene und ehrliche Umgang mit dem Gemeinderat und den Bürgern gewesen.

Es kann nicht sein, dass der Bürgermeister einen Wissensvorsprung hat, den er so nicht weitergibt. Wenn alles offen auf den Tisch kommt, braucht es keinen übereilten Aktionismus. Dann würde man größere Projekte besser durchdenken.

Was sind für Sie die größten Herausforderungen der kommenden sechs Jahre?

Es liegen viele Sachen an, die zu Ende gebracht werden müssen. Am neuen Rathaus kommt man ja jetzt nicht mehr vorbei. Angeleiert ist der Kanalbau am Fußpfad und das Baugebiet am Neuländer Weg. Beim Neubaugebiet werde ich darauf schauen, ob wir das in der Dimension mit 43 neuen Bauplätzen tatsächlich brauchen. Erneuerbare Energien wären mir auch wichtig. Da ist in den letzten Jahren gar nichts geschehen, obwohl sich eine Firma im Gemeinderat vorgestellt hat, die am alten Steinbruch eine Fotovoltaikanlage errichten wollte. Erforderlich sind auch Arbeiten an der Trinkwasserversorgung. Dazu sollte man auch ein Wörtchen mit den Landwirten reden, ob sie nicht komplett auf die Düngung im Einzugsbereich der Quellen verzichten, gegen eine Entschädigung, versteht sich.

Zur Person

Peter Bergel ist in Varel (Oldenburg) geboren und kam 1963 nach Kindheitstagen in Mühlheim-Ruhr nach Euerdorf. Nach dem Abitur am Frobenius-Gymnasium studierte er in Tübingen und Würzburg Psychologie und Medizin, bevor er 1980 als Assistenzarzt am St.-Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen wirkte. 1984 ließ er sich als Allgemeinarzt in Euerdorf nieder, wo er bis zum Ruhestand 2016 für die Patienten da war. 24 Jahre gehörte er dem Gemeinderat an, 18 Jahre war er bis zu dessen Auflösung Vorsitzender des Fördervereins für die Philippi'sche Altenheimstiftung. Seit zwei Jahren ist er Vorsitzender der Tennisabteilung des TSV Euerdorf. Wolfgang Dünnebier