Wer wird der nächste Oberbürgermeister in der Kurstadt? Der Wahlabend, der die Antwort darauf liefern sollte, verlief lange Zeit als echter Krimi. Die Frage war dabei überraschenderweise nicht, ob es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben würde zwischen Gerhard Schneider (CSU) und seinem Kontrahenten Dirk Vogel (SPD). Recht bald zeigte sich, dass die Frage eher lautet, ob Vogel es schafft, sich direkt im ersten Wahlgang durchzusetzen, oder ob es eine Stichwahl in 14 Tagen braucht.

Vogel siegt im ersten Wahlgang

Am Ende setzte Vogel sich relativ deutlich mit zehn Prozentpunkten Vorsprung durch und sicherte sich knapp die absolute Mehrheit der Stimmen (51,09 Prozent). Gerhard Schneider kam nach dem vorläufigen Wahlergebnis auf annähernd 42 Prozent, AfD-Kandidat Peter Eggen erhielt sieben Prozent. Die Wahlbeteiligung war insgesamt betrachtet relativ niedrig. Sie lag bei 51,77 Prozent.

Bangen um die Stichwahl

Die große Überraschung deutete sich bereits ziemlich früh an: Der SPD-Kandidat lag zunächst deutlich vorn, hatte nach den ersten Schnellmeldungen aus den Urnenwahllokalen schon knapp die absolute Mehrheit der Stimmen. Dann, als nach und nach die Ergebnisse der Briefwahlbezirke bekannt wurden, schmolz der Vorsprung wieder zusammen. Um zu zeigen wie eng es war: Zu dem Zeitpunkt, als 25 von 28 Wahlbezirke ausgezählt waren, lag Vogel bei 49,99 Prozent der Stimmen.

Enttäuschung bei der CSU

"Es war eine spannende und knappe Wahl. Insgesamt lag ich deutlich vorn", sagt Vogel. Das zeige, dass er im Wahlkampf den richtigen Ton und die Stimmung in der Stadt getroffen habe. Er habe im Wahlkampf deutlich gemacht, neue Akzente setzen zu wollen, ohne gleichzeitig den großen Umbruch zu versprechen. "Ich glaube das haben die Bad Kissinger geschätzt."

Gerhard Schneider stand krankheitsbedingt für eine persönliche Stellungnahme nicht zur Verfügung. Steffen Hörtler, Fraktionssprecher der CSU im Stadtrat und Vorsitzender des Ortsverbandes, gratulierte Vogel. "Wir beglückwünschen ihn zu dem guten Ergebnis. Für uns selbst hatten wir ein besseres Ergebnis gewünscht", sagt er.

AfD abgeschlagen

AfD-Kandidat Peter Eggen hatte beim Wahlausgang nichts mitzureden und landete bei knapp unter den angestrebten acht Prozent. "Unser Ziel haben wir annähernd erreicht", sagt er. Der Wählerwille sei eindeutig. Für ihn habe sich gezeigt, dass die AfD bei einer Kommunalwahl noch nicht angekommen sei.

Kommentar: Schützenhilfe von der CSU

Dass Dirk Vogel sich im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit der Stimmen durchsetzen konnte, ist eine echte Überraschung. Dieser Erfolg lässt sich nicht nur damit erklären, dass der SPD-Politiker im Wahlkampf offenbar einen guten Eindruck bei den Wählern hinterlassen hat, sondern hat auch damit zu tun, dass sein Kontrahent Gerhard Schneider und die CSU sich im Wahlkampf Fehler geleistet haben.

Dass Schneider auf Platz 1 der Stadtratsliste der CSU kandidiert hat, haben ihm manche Wähler negativ als Stimmenfängerei ausgelegt- gibt es doch einige Fragezeichen, ob er das Mandat antreten wird. Auch die jüngste Plakataktion seiner Partei in der Stadt mit reichlich plakativen Slogans wie "Eule muss bleiben" und "Berliner Platz jetzt" kam bei vielen nicht glaubwürdig an und dürfte die eine oder andere Stimme gekostet haben.

Alles in allem ist es ein düsterer Abend für Schneider und die CSU - und ein fabelhafter für Vogel und die Sozialdemokraten, die weiterhin den OB stellen werden.