Der Markt Elfershausen im Landkreis Bad Kissingen hat sich für einen Badeteich für viel Geld vom Bundesinnenministerium beworben - und war erfolgreich. 90 Prozent der Kosten für die Anlage will der Bund aus dem Programm "Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel" übernehmen - insgesamt 378 254 Euro.

Heftige Kritik an dem Vorhaben kommt von der Grünen-Bundestagsabgeordneten Manuela Rottmann aus Hammelburg. Und der "Spiegel" führte das Projekt Badesee im November in einem Bericht über die Ampel-Koalition und Fördergelder für Kommunen als "Beispiel für mit Bundesmitteln finanzierten Unsinn" auf. Doch was genau ist in Elfershausen geplant?

Flugblatt-Aktion in Elfershausen

Bis Mitte März 2021 hatten sich Städte und Gemeinden für das Förderprogramm des Bundes bewerben können. Elfershausens Bürgermeister Johannes Krumm (FW/SPD) folgte dem Aufruf - mit dieser Idee: eine "Wasserbegegnungsstelle mit Retentionsraum", also ein mit Saalewasser gefüllter Badeteich samt Aufnahmefläche für Hochwasser. Mit dem Programm sollen laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Projekte "mit hoher Wirksamkeit für Klimaschutz und Klimaanpassung, mit hoher fachlicher Qualität, mit überdurchschnittlichem Investitionsvolumen oder mit hohem Innovationspotenzial gefördert werden". Wie aber passt das mit einem Badesee zusammen?

Auf Facebook begründet Krumm seine Intention in einem Kommentar so: "Es handelt sich bei dem Projekt aber um eine naturbelassene Parkanlage mit Blumenwiesen, Retentionsraum und chlorfreiem Wasserbecken. Um die gesetzten Klimaziele zu erreichen und auch wegen Covid-19 werden wir künftig vermehrt im Inland Urlaub machen. Es ist deshalb eine große Chance für die Marktgemeinde Elfershausen, die Naherholung, den Umweltschutz und den sanften Tourismus zu fördern."

Grünen-Politikerin Manuela Rottmann kritisiert, dass der Markt gleich die Fördermittel beantragte - und erst danach die Idee öffentlich vorstellte. In Elfershausen sorgte die Bewerbung jedenfalls für einige Aufregung, Einwohnerinnen und Einwohner sahen das Projekt kritisch. Im September tauchten im Ort Flugblätter auf, in denen 88 Unterzeichner die Wasserbegegnungsstelle und einen ebenfalls geplanten Wohnmobilstellplatz kritisierten. In der folgenden Gemeinderatssitzung wollte der Bürgermeister eine Bürgerbefragung zum Projekt beschließen lassen - doch der Gemeinderat lehnte ab.

Einen Monat später stellte ein Landschaftsarchitektenbüro im Gemeinderat ein Konzept für den Badesee vor. Die Gemeinderäte beschlossen daraufhin, einen Arbeitskreis zur "Förderung des Tourismus und Steigerung der Lebensqualität" zu bilden, dem auch interessierte Bürgerinnen und Bürger angehören sollen. Bürgermeister Krumm plädierte weiter für eine Bürgerbefragung.

Im Dezember beschloss der Gemeinderat schließlich, die Planung für eine Badestelle an einem alternativen Standort weiter außerhalb aufzunehmen. Doch ob die Förderzusage aus Berlin auch für den neuen Standort außerhalb des Ortes gilt, ist bislang offen.

Manuela Rottmann, inzwischen in der neuen Bundesregierung Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, geht es bei der ganzen Sache vor allem um das Thema Überschwemmung im Ort. Zuletzt sei Elfershausen im Mai 2018 relativ schnell geflutet worden, sagt Rottmann. Den Grund sieht sie in der Autobahn A7, "die komplett im Deisselbach entwässert".

Sorge wegen möglicher Verstopfung

Viele Bewohner im Ort würden die Wasserbegegnungsstätte mit einem Hochwasserpolder deshalb kritisch betrachten, sagt Rottmann. Die Sorge sei, dass der Durchlass durch Äste und Dreck schnell verstopft, "wenn es völlig schüttet". Zudem kritisiert die Grünen-Politikerin den geplanten Wohnmobilstellplatz als weitere Versiegelung im Überschwemmungsgebiet. Mit dem Badesee stehe die touristische Idee im Vordergrund, sagt die Hammelburgerin. Den Nutzen für den Klimaschutz stellt sie infrage. Dass der Markt Fördergelder aus einem Programm erhalten soll, bei dem es darum geht, "Grünflächen anzulegen oder die Schwammfähigkeit in Städten" zu verbessern, kann Rottmann nur schwer nachvollziehen. Von urbanem Raum könne man in Elfershausen jedenfalls nicht sprechen.

Der geplante Badesee "hat mit dem Hochwasserschutz fast überhaupt nichts zu tun", sagt indes Bürgermeister Krumm. Im Mittelpunkt stehe das Naherholungsgebiet vor Ort - "für die Bürger und den ein oder anderen Touristen". Denn, so Krumm: "Große, weite Reisen ins Ausland wird es aus meiner Sicht künftig nicht mehr geben."

Gleichzeitig sollen mit dem Projekt jedoch unkontrollierte Überflutungen des Deisselbaches verhindert werden, sagt Krumm. Bereits bei Regenfällen von 30 bis 40 Litern pro Quadratmeter, also vier, fünf Mal im Jahr, laufe der Bach auf die Saalewiesen über - zum Ärger der Landwirtinnen und Landwirte, deren Heuernte dadurch in Gefahr ist. Die Verrohrung der Badeanlage und der Retentionsraum könnten da für Entspannung sorgen und einen "Beitrag zum Regenrückhalt und damit zur Grundwassergewinnung" leisten, sagt der Rathaus-Chef.

Das Badeteich-Projekt dürfe aber nicht mit dem Thema Hochwasserschutz vermischt werden, sagt Krumm. Dafür habe der Markt eigens ein Konzept erstellen lassen, das unter anderem zwei Regenrückhaltebecken an der Autobahn und einen Staudamm vorsieht. Eine Verrohrung Richtung Aura wurde kürzlich bereits umgesetzt.

Für das ebenfalls geplante Regenrückhaltebecken seien allerdings die Grundstücksverhandlungen gescheitert. Der Markt müsse deshalb nach neuen Lösungen suchen, so der Bürgermeister.

Für Manuela Rottmann aber zeigen die versprochenen Gelder für das Elfershausener Projekt beispielhaft, dass die Förderprogramme des Bundes neu strukturiert werden müssten. Es gebe "unüberschaubar viele" und oft seien sie "relativ undurchsichtig". Die Grünen-Politikerin will deshalb, dass die Förderprogramme vereinfacht, transparenter gemacht und in der Zahl reduziert werden. Davon wiederum sollen dann vor allem kleinere, strukturschwache Gemeinden profitieren, sagt die Staatssekretärin. Aufgrund des hohen Aufwandes hätten sich diese bislang oft gar nicht auf Förderprogramme bewerben können: "Die Spaltung zwischen strukturstarken und strukturschwachen Kommunen wurde eher vertieft statt geschlossen."

Und die Anlage an der Saale? Ob Elfershausen den Badesee mit den Fördermitteln tatsächlich bauen lässt und an welcher Stelle - das ist weiter offen. Aurelian Völker