Dass im Bad Kissinger Hallenbad jemals wieder ein Mensch schwimmen würde, daran haben wohl nur noch wenige geglaubt. Seit Mittwochabend ist klar: Es wird nie wieder öffnen. Der Bad Kissinger Stadtrat hat eine Sanierung des einsturzgefährdeten Daches abgelehnt und damit das Aus für die marode Schwimmhalle besiegelt.

Bereits vor einigen Wochen hatte das Rathaus bekanntgegeben, dass gravierende statische Probleme am Dach bestehen, dass der Betrieb nicht verantwortet werden kann und dass das Bad deshalb bis auf Weiteres geschlossen bleibt. In der Sitzung stellten Verwaltung sowie Gutachter dem Stadtrat genauere Details zum Zustand des 57 Jahre alten Schwimmbades vor. "Das Dach wurde regelmäßig geprüft. Im Frühsommer haben wir eine Kondenswasserbildung an der Decke bemerkt", berichtete Maik Schmeller, der Leiter des städtischen Gebäudemanagements. Daraufhin wurden die Sichtdecke abgehangen, wobei am Betondach schon Verfärbungen sichtbar wurden. "Dann haben wir Bohrmehlproben ziehen lassen, die untersucht wurden", erklärt er.

Das Ergebnis war fatal: Die tragende Stahlkonstruktion im Betondach ist bereits stark von Korrosion in Mitleidenschaft gezogen. "Eine kleine Kerbe im Stahl kann zu einem plötzlichen Versagen führen. Von außen ist davon nichts zu sehen", betont Statikerin Tanja Tögel. Der Bauzustand wird als hochgradig risikobehaftet eingestuft, das Bad zu öffnen ist aus Sicherheitsgründen für Besucher und Mitarbeiter nicht zu verantworten.

Wie geht es weiter? Nach Angaben von Schmeller ist eine Teilsanierung nicht möglich; das Dach müsste stattdessen komplett erneuert werden. Die Kosten dafür werden auf rund 800 000 Euro geschätzt. Gleichzeitig würden die Sanierungsmaßnahmen einige Zeit dauern, eine Wiedereröffnung sei nicht vor der Saison 2023/2024 realistisch.

Weil das Bad insgesamt marode und sanierungsbedürftig ist und weil der geplante Hallenbad-Neubau der Stadtwerke an der KissSalis-Therme ebenfalls bis 2023/2024 stehen soll, "ist in der Gesamtbetrachtung die Sanierung nicht vertretbar", sagte Schmeller. Entsprechend empfahl die Verwaltung dem Stadtrat, auf die Sanierung zu verzichten.

"Es ist bitter den Standort aufgeben zu müssen, es ist abrupt zu Ende gegangen", kommentierte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) die Situation. Es sei jedoch wichtig, dass es der Stadt mit Kliniken, Hotels und Pflegeheimen gelungen ist, Ausweichmöglichkeiten für Kinderschwimmkurse, für das Schulschwimmen im Grundschulbereich sowie für Vereine und Rettungsorganisationen anzubieten.

Auswirkungen auf Freibadsanierung

Gerhard Schneider, geschäftsführender Beamter im Rathaus, hatte aktuelle Informationen zur Sanierung der Terrassenschwimmbades. Geplant war bislang, das Freibad im Jahr 2023 geschlossen zu lassen, um in der Zeit das Sport- und das Sprungbecken sowie den Eingangsbereich zu sanieren und die Wege im Bad barrierefrei umzubauen. Die Stadt will die Arbeiten nun auf 2024 verschieben. "In der Zeit, in der das Hallenbad nicht zur Verfügung steht, bleibt das Freibad auf", sagte Schneider. Dadurch werde die Situation abgemildert. Die Verschiebung sei mit der Regierung, die den Bau finanziell fördert, abgestimmt.

Die Verwaltung hat bereits erste Ideen, wie es mit dem Hallenbad weitergehen könnte. Im Endeffekt läuft es auf den Abriss hinaus. Laut Schneider könnte das Gelände bei einer möglichen Landesgartenschau in der Kurstadt eine Rolle spielen, etwa als "ökologisches, nachhaltiges Stadtquartier zum Wohnen". Das benachbarte ehemalige Baywa-Gelände ist ohnehin bereits als vertiefte Untersuchungsfläche in der Bewerbung für die Landesgartenschau berücksichtigt.

Freibadsanierung: Ganz zu oder halb auf?

Im Gremium hat offenbar niemand ernsthaft eine Dachsanierung und Wiedereröffnung für realisierbar gehalten. Über das endgültige Aus diskutierten die Räte jedenfalls nicht, Wolfgang Lutz (CSU) hingegen stieß eine längere Diskussion zur Freibad-Sanierung an. Seine Befürchtung: "Wenn wir es nicht schaffen, das Hallenbad bis zur Saison 2023/2024 fertigzustellen, haben wir weder ein Hallen- noch ein Freibad." Er forderte deshalb, das Terrassenschwimmbad während der Arbeiten nicht komplett zu schließen, sondern den Nichtschwimmerbereich geöffnet zu lassen, "damit wir den Kindern ein Schwimmangebot machen können".

Dagegen äußerten vor allem der Oberbürgermeister und die Verwaltung Bedenken. "Ich möchte das Terrassenschwimmbad in einem Rutsch durchsanieren und die Planung nicht durcheinanderbringen", sagte Vogel. Er räumte aber mit Blick auf Ungewissheiten und mögliche Verzögerungen am Bau ein, dass das Risiko besteht, eine Zeit lang ohne kommunales Schwimmangebot dazustehen. Dennoch betonte er: Ziel für die Eröffnung des neuen Hallenbades ist 2023/24. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte er zudem, dass die zuletzt noch wackelige Finanzierung des Neubauprojektes inzwischen geklärt wurde.

Die Leiterin des Bauamts, Christine Schwind, gab zu bedenken, dass eine Sanierung bei laufendem Badebetrieb nicht ein, sondern zwei Jahre dauern und teurer sein werde. Gerhard Schneider wand ein, dass die Stadt bei der Förderung Probleme bekommen könnte, wenn jetzt noch einmal die Sanierungsplanung überarbeitet werden müsste. Die Stadt habe schon jetzt die Frist zur Einreichung des Förderantrages gerissen. "Ich habe Verständnis für das Argument, aber wir können hier nicht einfach eine Rolle rückwärts machen", betonte er.

Unterstützung erhielt Lutz sowohl von der eigenen Fraktion, aber auch von der DBK. Fraktionssprecher Alexander Koller sprach sich dafür aus, den Kinderbereich offenzuhalten. Martina Greubel schlug vor, eine Teilöffnung des Freibades erst dann zu beraten, wenn klar ist, dass sie gebraucht wird. Ähnlich sah es Bernd Czelustek (SPD).

Am Ende stimmte der Stadtrat mit 25:1 Stimmen für die endgültige Schließung des Hallenbades. Gleichzeitig stimmte das Gremium zu, die Sanierung des Freibades und damit dessen einjährige Schließung um ein Jahr zu verschieben. Außerdem beauftragten die Räte die Verwaltung, das Hallenbad-Areal in die städtebauliche Planung einzubeziehen.