Das Ziel: Jüngeren Platz machen
24 Jahre lang ist Edgar Kast (Bad Kissingen, 72) nun im Gremium vertreten. Vermutlich würde der ehemalige Polizist und Verkehrserzieher, den man heute auch als Seniorenberater der Kreisverkehrswacht kennt, auch im März 2020 wieder mühelos in den Kreistag gewählt werden, wenn er sich bereit erklärte. Kast entschied sich jedoch, wie er sagt, schon im Frühjahr 2019 dazu, sein Amt zur Verfügung zu stellen und "den Jüngeren Platz zu machen". Nein, schwer falle es ihm nicht aufzuhören, obwohl zum Beispiel auch der Wahlkampf ihm immer sehr viel Spaß gemacht habe.
Irmgard Heinrich (Frankenbrunn) verabschiedet sich ebenfalls aus dem Gremium. "Das Alter zwingt mich dazu", sagt die 79-Jährige und lacht. "Es hat mir so viel Spaß gemacht, ich trauere dieser Arbeit sicher nach", gibt sie unumwunden zu. Dennoch ist ihr klar: "Man muss jetzt den Jüngeren Platz machen." Schließlich sei sie nun 36 Jahre kommunalpolitisch aktiv gewesen. Zunächst saß sie 18 Jahre lang im Gemeinderat Oberthulba. Danach habe man sie für den Kreistag begeistert, in dem sie nun auch schon wieder 18 Jahre lang politisch mitmischt.
Robert Kiesel (Reiterswiesen) sieht sein Ausscheiden aus dem Kreistag, in dem er nun 24 Jahre und einen Monat mitarbeitet, hingegen pragmatisch. Eigentlich habe er 2014 schon nein gesagt, als es um die Nominierungsliste ging. Schließlich habe er sich dann doch wieder überreden lassen, weil man argumentierte, dass er, der Jahrzehnte lang auf verschiedenen Ebenen politisch aktiv war, doch die CSU "nicht hängen lassen" solle. Auch jetzt hätten ihn CSU-Freunde erneut angesprochen. Aber nun sei definitiv Schluss. "Jetzt sind die Jüngeren dran."
Klare Entscheidung statt Dilemma
Kiesel hatte schon 1984 auf der CSU-Kreistagsliste gestanden, aber erst sechs Jahre später war ihm der Sprung in den Kreistag gelungen. Weil er aber seinerzeit schon im Bayerischen Landtag war, habe man ihn damals aus den eigenen Reihen kritisch gefragt, so Kiesel im Gespräch mit dieser Redaktion, ob er sein Münchner Mandat denn mit dem Kreistag vereinen könne, oder ob er nicht lieber dem Listen-Nachfolger seinen Platz im Bad Kissinger Gremium überlassen wolle?
Er habe nicht lang herumdiskutiert damals, erzählt er, und seinen Kreistagssitz nach einem Monat Karl Will (Motten) überlassen. Und das, obwohl sein eigenes Abschneiden bei der Wahl seinerzeit recht eindeutig gewesen sei, wie er sagt: Denn schließlich sei er von Listenplatz 20 auf Platz vier vorgewählt worden. Als ihn seine CSU-Kollegen im Wahljahr 1996 wieder in das gleiche Dilemma bringen wollten, habe er sich jedoch klar entschieden: "Ich bin in den Kreistag gewählt, also bleib ich drin."
Aus Überzeugung
Scheiden tut weh. Das gilt sicher für Walter Gutmann (Wildflecken). 36 Jahre lang war er im Kreistag, davon 23 Jahre stellvertretender Landrat. "Einfach ist das nicht", gibt er denn auch unumwunden zu. Denn er habe seine Arbeit in diesem Gremium aus tiefster Überzeugung gemacht. Aber schließlich werde er nicht jünger, sondern älter, sagt der 75-Jährige. Inzwischen gebe es ja auch Nachwuchs aus Wildflecken auf der CSU-Kandidatenliste, wie zum Beispiel Herbert Nowak. Aber er freue sich auch ganz persönlich, dass seine Tochter Barbara Gutmann (Fuchsstadt) sich entschloss zu kandidieren. Gutmann war 23 Jahre lang Bürgermeister in Wildflecken und über 30 Jahre lang stellvertretender BLLV-Kreisvorsitzender sowie Schulvereinsvorsitzender im Gymnasium von Bad Brückenau. Darüber hinaus war er lange Jahre stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender und CSU-Delegierter im Münchner Landtag. Isolde Krapf