Seit Jahren leiden Menschen an der Nüdlinger Hauptstraße unter Verkehrslärm. "Nüdlingen hat eine der stärksten Verkehrsbelastungen im Landkreis", sagt Bürgermeister Harald Hofmann (CSU). Deshalb hatte der Nüdlinger Gemeinderat ein Schalltechnisches Beratungsbüro beauftragt, einen Lärmaktionsplan zu erstellen. Diesen stellte Prof. Dr. Kerstin Giering am Dienstagabend den Gemeinderäten vor.

Eine Entscheidung, wie es mit der Straße weitergehen wird, können die Räte allerdings nicht treffen, denn die Gemeinde ist für die Bundesstraße nicht zuständig. Änderungen müssten Mitarbeiter der Verkehrsbehörde des Landratsamtes und der Straßenbaubehörde in Schweinfurt bewilligen. Hofmann will nun mit vorliegendem Lärmaktionsplan, einen neuen Antrag stellen und das persönliche Gespräch mit Mitarbeitern der Behörden suchen.

Drei Möglichkeiten

Giering stellte drei Veränderungsmöglichkeiten vor, um den Straßenlärm zu reduzieren: Das Tempo könnte von 50 km/h auf 30 km/h reduziert werden. Ein lärmmindernder Asphalt ließe sich verbauen. Anwohner, die vom Lärm besonders betroffen sind, haben Anspruch auf eine finanzielle Unterstützung, wenn sie etwa Schallschutzfenster einbauen lassen. Hausbesitzer müssen sich mit zwanzig Prozent an den Kosten beteiligen, erklärte Giering, da man davon ausgehe, dass damit auch der Wert der Immobilie steige.

Gefährdung der Gesundheit

Laut derzeit geltenden Richtlinien liege die Schwelle, bei der der Gesetzgeber von einer Gesundheitsgefährdung ausgeht, bei einem Geräuschpegel von 70dB(A) tagsüber und 60dB(A) nachts. Zur Einordnung: Ab einem Wert von 70 dB(A) sei in Innenräumen der Geräuschpegel normalerweise so hoch, dass bei offenem Fenster keine ungestörte Kommunikation mehr möglich sei, schreibt der Informationsdienst Wissenschaft auf seiner Homepage.

Zahlreiche Häuser betroffen

Laut Berechnungen sind 25 Gebäude an der Nüdlinger Hauptstraße tagsüber und 61 Gebäude nachts von der Überschreitung der Werte betroffen. Dabei reiche es, wenn eine Fassade des Hauses betroffen sei, erklärte Giering. "Formaler Anspruch auf passiven Schallschutz, das heißt etwa Schallschutzfenster, besteht an nahezu allen straßennahen Gebäuden", sagt Giering.

Interessant: Laut der Expertin sei eine Kombination aus Temporeduzierung und lärmminderndem Asphalt nicht sinnvoll. "Die Lärmabsenkung addiert sich nicht einfach." Der lärmmindernde Straßenbelag kompensiere bei Tempo 50 das Abrollgeräusch der Reifen. Bei Tempo 30 jedoch dominiere das Motorgeräusch der Autos.

"Gute Chancen" für eine Temporeduzierung auf 30 km/h in der Nacht gibt es laut der Expertin. Aber die Entscheidung ist abhängig von den Behörden.