Für Hermine Albert sollte es ein besonderer Tag werden. Als Gründungsmitglied des Heimatvereins Botenlauben Reiterswiesen hatte sie sich auf das Dorffest und vor allem auf das Theater auf den Dorfplatz gefreut. Sie war schließlich selbst jahrelang eine der Stützen des "Ritanswieser Burgtheaters" und hatte viele Rollen eindrucksvoll gestaltet. Sie konnte aber nicht ahnen, dass sie an diesem Tag eine Hauptdarstellerin der Festlichkeit werden sollte.

Die neue Fahne des Heimatvereins, begleitet von der Trachtentanzgruppe, führte die Kirchenparade der örtlichen Vereine an, die sich aus Anlass der Fahnenweihe des Botenlaubenvereins zusammengefunden hatte. Pfarrer i. R. Heinrich Mitka gestaltete in der St. Laurentiuskirche einen feierlichen Gottesdienst mit einer sehr persönlichen Predigt und segnete das Wappentuch des Vereins. Die Feuerwehrkapelle Reiterswiesen empfing die festlich gestimmten Besucher im Anschluss daran mit einem Standkonzert am Dorfplatz.

Wappen und Helmzier

Vereinsvorsitzender Werner Vogel stellte die neue Fahne vor: "Historische Vorlagen sind Grundelemente der neuen Fahne", sagte er, "sie ist als beidseitiges mittelalterliches Wappentuch gestaltet." Nach intensiver Recherche und Materialiensuche, sei die Fahne mit alten Techniken von den Kunstwerkstätten Buri in Höchberg überwiegend in Handarbeit hergestellt worden. "Farben, Umrahmung, Wappen und Helmzier des Otto von Botenlauben seien aus der Darstellung im Codex Manesse, die Fragmentschrift mit dem Namenszug aus der Weingartner Liederhandschrift übernommen."

Die Auswahl des Motivs sei eine Reminiszenz an die herausragende Persönlichkeit des Minnesängers, Kreuzfahrers und Klostergründers: "Der Verein bewahrt damit das Andenken an einen der bedeutendsten Einwohner der Stadt", führte Vogel aus. Er hoffe, dass die neue Fahne die bisher so glückhafte Entwicklung des Vereins in den nächsten Jahrzehnten begleiten möge. Die alte Fahne erhalte einen Ehrenplatz im "Museum Heimatstube".
Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) hob in seiner Rede das Eigenleben des Stadtteils hervor. Auch im 41. Jahr nach der Eingemeindung freue er sich über die gelebte Tradition in Reiterswiesen, die besonders mit den historischen Botenlauben-Festspielen weit über die Stadt hinaus sichtbar werde.

Abschied

Danach stand Hermine Albert im Mittelpunkt des Interesses. Dafür hatten sich die im Vereinsring zusammengeschlossenen Reiterswiesener Vereine zu einem Ehrenspalier für sie aufgestellt. Werner Vogel würdigte die Vereinsringsprecherin, die nach 34 Jahren ihren berühmten Terminkalender zuklappen könne: "In den Zeiten, als es noch keine Computer, keine elektronischen Terminkalender und keinen Mailverkehr gab, war das eine echte Herausforderung", stellte er fest. Außerdem sei es in Reiterswiesen nie ganz einfach gewesen, alle Vereine unter einen Hut zu bringen: "Da bedarf es schon einer starken Persönlichkeit, die Durchsetzungsvermögen mit Diplomatie in sich vereint", meinte Vogel.

Sichtlich bewegt nahm Hermine Albert das Geschenk des Vereinsrings entgegen, eine gerahmte Dorfansicht von Reiterswiesen. Sie bedankte sich bei Pfarrer Mitka, Kay Blankenburg und dem Heimatverein für die Würdigung und bei allen Vereinen für die letztlich immer fruchtbare Zusammenarbeit und die schöne Art des Abschieds: "Das ist fast zu viel der Ehre für mich, ich habe das immer gerne gemacht", sagte sie.

Flucht vor Regenschauer

Fröhlich intonierte noch die Kapelle den Einzug für die Kindertanzgruppe des Heimatvereins, aber mit dem ersten Takt des "Schlamperer" setzte ein heftiger Regenguss ein, der die Tänzer von der Straße und die Besucher in die Heimatstube und ins Pfarrheim flüchten ließ.

Als dann gegen 14 Uhr der Dorfbackofen im Alten Rathaus zum Brotbacken angeschürt wurde, hatten sich die Wolken wieder verzogen, waren Tische und Bänke wieder trocken gewischt. Beim Kinderprogramm von Angelika Metz (Waschtag am Dorfbrunnen) wurden die Kleider der Kinder höchstens vom Brunnenwasser nass. Indessen führten Günter Immler und Ludwig Metz interessierte Gäste durch das Museum "Heimatstube" und erklärten die Exponate der dörflich-bäuerlichen, mittelalterlichen Sammlungen.

Hans Sachs vor großer Kulisse

Das "Ritanswieser Burgtheater" hat eine große Fangemeinde, und so war zu Beginn des Theaters um 15 Uhr der Rathausgarten wieder gut gefüllt. So wirken die Stücke des Schuhmacher poeten Hans Sachs aus Nürnberg authentisch: Mitten unter den Leuten gespielt, der Bauernbackstubenwagen, sonst beim Rakoczyfest im Einsatz, wird zur Spielfläche, die Fachwerkrückwand des Rathauses ist stimmungsvolle, natürliche Kulisse. Da wird ein alter Bildstock als Wegweiser zum "Paradies", und ein Steckenpferd gibt den mittelalterlichen Gaul.

Frisch gespielt, flott inszeniert

Klarinettenklänge von Johanna Renninger und Lilli Brand stimmten ein auf den Theaterspaß "Der fahrend' Magister aus Paris" als die leichtgläubige Bäuerin (Ingeborg Willerding) dem abgebrannten Magister (Werner Vogel) auf den Leim geht. Mitspieler waren Günther Vogel, Thomas Bernhard und Spielleiter Martin Seufert.

Fahne besteht Bewährungsprobe

Als dann der Dorfbackofen rauchte und die Familie War muth ihre duftenden Brotlaibe aus der Glut zog, bildete sich schnell eine Schlange, um eins der frischen Brote zu ergattern. Immer schöner wurde das Wetter, der Rathausgarten erwies sich wieder einmal als lauschiger Biergarten, und die neue Fahne hatten dem Heimatverein zwar kurzzeitig Blitz, Donner und Regen, insgesamt aber - schon mal Glück - ein harmonisches Dorffest beschert.