Helle Lichter schimmern zwischen den grünen Tannenzweigen. Bunte Kugeln baumeln am Baum. Es duftet nach Zimt, Glühwein, Harz. Auf dem Tisch im Wohnzimmer hat jemand die Dose mit den selbstgebackene Plätzchen geöffnet. Kleine und große Päckchen stapeln sich unter dem Weihnachtsbaum. Alles komplett für das Fest? Was hier fehlt, ist das, was für die meisten an Weihnachten einfach dazugehört. Ohne wären die kommenden Tage nur halb so festlich: Musik. Menschen aus dem Landkreis, die ein besonders enges Verhältnis zur Musik haben, erklären, warum sie so wichtig ist und was sie auslösen kann - nicht nur an den bevorstehenden Feiertagen.

"Süßer die Glocken nie klingen", "Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen", "Alle Jahre wieder" - 30 Weihnachtslieder sind in dem weißen Ordner abgeheftet. Zwischen den Texten die Gitarrengriffe, Strophe eins bis ... "Es hat mir gestunken, dass selbst die Erwachsenen die Texte nicht können", sagt Pia Betzer aus Münnerstadt und lacht. Die ausgebildete Sängerin, Mutter und Oma spielt Blockflöte, Querflöte, Gitarre und Cello. Ihr Mann Thomas unterrichtet Musik an einem Gymnasium, die vier Kinder spielen alle mehrere Instrumente. Musik bestimmt nicht nur den Alltag der Familie, sondern auch den Ablauf an Heilig Abend.


Innehalten und zuhören

"Mit der Musik an Weihnachten kann man einfach mal stehen bleiben", sagt Matthias Zull, stellvertretender Musikschulleiter in Bad Kissingen. Runterfahren, zuhören, innehalten. Der Trompeter verbindet den Klang von Blechbläsern mit traditionellen Weihnachtsstücken. Die lernen auch seine Schüler in der Kissinger Musikschule. Damit schlagen sie zwei Klappen, erklärt der stellvertretende Schulleiter: das althergebrachte Liedgut bleibt erhalten und die Kinder können ihren Eltern und Großeltern an Heilig Abend Weihnachtslieder präsentieren. "Die Kinder wollen ja nicht nur Tonleiter üben", sagt Matthias Zull.

Jeder will vor den Feiertagen noch schnell etwas erledigen, meint Gerhard Vieres. Schnell hier, schnell da. Gerade jetzt hilft Musik: "Musik beruhigt und löst Stress und Hektik." Gerhard Vieres ist Sänger, Trompeter, Alphornbläser - Vollblut-Musikant aus Modlos. Weihnachten ohne Musik? Für ihn unvorstellbar - wie sonst auch. Je nach Stimmung werden an Heilig Abend verschiedene Stücke aufgelegt, erzählt er. Die ganze Familie singt, er begleitet an der Gitarre. Am ersten Weihnachtsfeiertag steht er mit seinen Musiker-Kollegen in der Kirche: "Es gehört dazu, so einen Gottesdienst festlich zu gestalten. Das macht auch den Besuchern Spaß. Musik öffnet die Seelen."

"Wir wollen Freude an der Musik vermitteln", sagt Thomas Betzer. Zuerst tritt die Familie am 24. am Nachmittag mit Weihnachtsstücken bei der Kindermesse auf, am Abend mit dem Reichenbacher Sängerkranz. Dazwischen zuhause vor dem eigenen Baum. Geprobt wird wenn Zeit ist und kurz vorher, "damit wir die Wiederholungszeichen nicht vergessen", sagt Pia Betzer und lacht.

Spürt sie, dass die Enkel unruhig werden, singt sie. Schon ihre Kinder haben sie mit einem Gute-Nacht-Lied zu Bett gebracht, erzählt das Ehepaar. Singen ist Tradition in der Familie, nicht nur zu Weihnachten. "Singen verändert die Stimmung", sagt Thomas Betzer. "Singen belebt. Man kann Spannungen abbauen und sich befreien." Auch vom Weihnachtsstress: "Was uns umgibt, ist oft ziemlich viel Durcheinander. Mit Musik kann man eine Harmonie herstellen", sagt Thomas Betzer.