Nach mehrmonatiger Pause empfing der Bad Kissinger Verein Cape Classic am vergangenen Sonntag erstmals wieder Mitglieder und Freunde zu einem Kammerkonzert im Rahmen seines seit 2005 bestehenden Festivals. Das Quartett "Risonare Wien" spielte auf Schloss Unsleben romantische Werke von Mozart und Beethoven sowie ihrer fränkischen Zeitgenossen Georg Anton Kreusser und Georg Joseph Vogler.

Dieses Konzert sei "ein großes Geschenk nach den Monaten der Pandemie" begrüßte Festival-Intendantin und Vereinsvorsitzende Gabi Zahn ihre überwiegend aus der Region, vereinzelt auch aus ganz Deutschland angereisten 120 Gäste, die zuvor bei bestem Sommerwetter im Garten des mittelalterlichen Wasserschlosses vom Grafenpaar Christoph und Viktoria Waldburg Wolfegg empfangen worden waren. Die familiäre Atmosphäre war eine perfekte Einstimmung auf das zweistündige Konzert in dem für Veranstaltungen restaurierten Stallgebäude.

Passend zur lockeren Atmosphäre des sonnigen Nachmittags im romantischen Ambiente hatte das aus den beiden Wienern Christiane Bruckmann-Hiller (Viola) und Jörg-Ulrich Krah (Cello) sowie den Würzburgern Verena Fischer (Traversflöte) und Franz-Peter Fischer (Violine) zusammengesetzte Quartett nicht nur Werke der beiden bekannten, über viele Jahre in Wien beheimateten Komponisten Mozart und Beethoven, sondern auch Kompositionen der heute weniger bekannten Würzburger Zeitgenossen Georg Anton Kreusser (1746-1810) und Georg Joseph Vogler (1749-1814) ausgewählt.

Dass der Ruhm der beiden fränkischen Komponisten in den nachfolgenden Jahrhunderten unverdient verblasste und sie zu Lebzeiten weitaus bedeutender waren, erwähnte Violinist Fischer an einem Beispiel: Mozarts Vater Leopold habe einst seinem Sohn geschrieben, er solle doch bei Kreusser, dessen Flötenquartett G-Dur am Sonntag zu hören war, das Komponieren lernen. Auch Vogler habe zur damaligen Zeit einen höheren Stellenwert gehabt, was sich darin zeige, dass dessen Notenmaterial noch heute in Franken weit verbreitet sei.

Andererseits wusste Fischer auch Nachteiliges über Vogler zu berichten, der als Priester und Organist es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Orgeln zu modernisieren. Fischer: "Fachleute sagen, er habe sie dadurch zerstört." Doch auch Voglers Kompositionen fanden nicht immer die erhoffte Anerkennung: In einem Brief aus dem Jahr 1777 urteilte Mozart über Vogler, er sei ein "öder musikalischer Spaßmacher, ein Mensch der sich recht viel einbildet und nicht viel kann". Das für das Nachmittagskonzert ausgewählte Flötenquartett Nr. 5 A-Dur kam bei den Cape-Classic-Freunden allerdings gut an, wie der Beifall bewies.

Laute Bravo-Rufe gab es nach den sechs Sätzen der um das Jahr 1800 komponierten Serenade für Flöte, Violine und Viola in D-Dur des erst 30-jährigen Beethoven. Anschließend folgte noch einmal Mozart: Nachdem vor der Pause schon das Fragment seines Streichtrios in G-Dur zu hören war, spielten die vier Musiker nun sein einziges vollständiges Flötenquartett in D-Dur, das der damals 21-Jährige im Jahr 1777 komponiert hatte. Mit der wohl bekanntesten Flötenmelodie als Zugabe, dem Leitthema aus Mozarts "Zauberflöte", wurden die Konzertbesucher in die warme Abendsonne über Schloss Unsleben entlassen.

"Mit diesem Konzert tun wir etwas Gutes für uns selbst", hatte Gastgeberin Gabi Zahn anfangs gesagt, "aber auch etwas Gutes für unsere Hilfsprojekte in Südafrika". Mit dem Reinerlös aus allen Cape-Classic-Konzerten unterstützt der Bad Kissinger Verein Kinder und Jugendliche in drei Townships der Kap-Provinz. Seit 2005 sind auf diese Weise schon 100 000 Euro zusammengekommen. Zwar habe sie in diesem Frühjahr den jährlichen Spendenscheck erstmals nicht persönlich in Südafrika überreichen können, bedauerte Zahn. Aber der Dank der dort Verantwortlichen für das Geld des Cape-Classic-Vereins sei groß gewesen, da andere Sponsoren wegen der pandemie-bedingten Einschränkungen diesmal auf Spenden hatten verzichten müssen.

Informationen zum Verein "Cape Classic" und zu den nächsten Wohltätigkeitskonzerten: www.cape-classic.com