Die Grundstückseigentümer sind in der Jagdgenossenschaft Münnerstadt zusammengeschlossen. Und die Jagdgenossenschaft unterstützt seit Jahrzehnten öffentliche Projekte. Auch 2013 ist das nicht anders. Die evangelische Kirchengemeinde kann sich freuen, dass ihre Sockelsanierung am Gemeindezentrum mit 2000 Euro unterstützt wird.

Der Verein "Freunde des Oberen Tores" hat 1000 Euro erhalten, damit im Inneren des historischen Torturmes eine Beschilderung angebracht werden kann. Weitere 1000 Euro gingen an den städtischen Bauhof für die Anschaffung eines Motorgerätes. Gelder fließen außerdem wie in jedem Jahr in den Wege-Unterhalt und werden für den Rückschnitt von Hecken entlang der Feldwege benötigt.

Erträge für gemeinnützige Zwecke

Der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft, Dieter Petsch, ist froh, dass die Jagdgenossenschaft seit Jahrzehnten einen Beitrag für das Gemeinwohl leisten kann. Das funktioniert deshalb, weil in der Jagdgenossenschaft bislang Einigkeit darüber herrscht, die Erträge aus der Jagdpacht nicht an die Eigentümer auszuzahlen, sondern für gemeinnützige Zwecke und den Unterhalt der Wege zu verwenden. "Wenn der Zusammenhalt bleibt, lässt sich das auch machen", weiß Dieter Petsch.

Dass die Grundstückseigentümer auf die Auszahlung ihres Anteils verzichten, sondern diesen in die Genossenschaft einbringen, ist nicht in allen Jagdgenossenschaften üblich. "Ich hoffe aber, es bleibt so", meint Petsch. Eine Auszahlung der Jagdpacht wäre zudem für die ehrenamtlich agierende Führungsriege eine kaum zu stemmende Aufgabe. In Münnerstadt gibt es rund 600 Jagdgenossen.

Darunter sind auch Erbengemeinschaften, teilweise verstreut in andere Länder. Momentan weiß nicht einmal Dieter Petsch die genaue Zahl, weil es kein aktuelles Jagdkataster gibt. Immer noch fehlen zur Erstellung die letzten Zahlen aus der Unternehmensflurbereinigung, die im Zuge des Autobahnbaus notwendig geworden war. Da hat es einige Veränderungen gegeben. Erst wenn diese vorliegen, kann das neue Jagdkataster erstellt werden. Petsch rechnet damit im Laufe des nächsten Jahres.

Bei so vielen Jagdgenossen wäre die Auszahlungssumme für den einzelnen zudem gering. Viele Besitzer verfügen nur über ganz kleine Anteile. Größter Grundbesitzer innerhalb der Jagdgenossenschaft ist die Stadt Münnerstadt selbst.

Auch die Stadt verzichtet auf eine Auszahlung - allerdings kann sie aufgrund ihrer Grundstücksflächen noch zwei eigene Jagdreviere innerhalb der Gemarkung Münnerstadt selbständig verwalten. Diese Einnahmen fließen nicht in die Genossenschaft. Dort aber, wo städtische Flächen innerhalb der genossenschaftlichen Jagdreviere liegen, bleibt das Geld in der Genossenschaft. Bürgermeister Helmut Blank schätzt nach eigenem Bekunden die Arbeit der Jagdgenossenschaft. "Die Jagdgenossen tun sehr viel für die Öffentlichkeit". Dieses ehrenamtliche Engagement bezeichnet er als Segen für die Stadt.

Die Einnahmen der Jagdgenossenschaft kommen aus dem Pachterlös für die drei Reviere, die die Genossenschaft verpachtet. Bewusst werden diese Reviere bislang an Jäger aus dem Stadtgebiet vergeben. Man hat gute Erfahrungen damit gemacht. Dieter Petsch ist froh, dass das Münnerstädter System funktioniert. Er ist davon überzeugt, dass die gesamte Öffentlichkeit davon profitiert. Petsch nennt die Spenden, aber auch den Wege-Unterhalt. Als Landwirt liegt ihm dieser natürlich am Herzen.

Doch auch die Jagdgenossen, die keine Landwirtschaft mehr betreiben und eigentlich fast jeder Bürger würden vom Engagement im Wegebau profitieren, erläutert Petsch. Er verweist unter anderem auf den Talweg, der heute besonders gerne für Freizeitzwecke genutzt wird. Dass er asphaltiert ist, habe man der Jagdgenossenschaft zu verdanken. Dieter Petsch ist davon überzeugt, dass die Stadt Münnerstadt alleine nicht in der Lage wäre, das Wegenetz so zu erhalten, wie es sich jetzt präsentiert.

Profitiert haben vom Engagement der Grundstückseigentümer immer wieder Vereine und Institutionen, weil sie bei wichtigen Anschaffungen und Projekten unterstützt werden. Bereits 2010 hat Kassier Edgar Dömling einmal alle Investitionen der Jagdgenossenschaft für den Erhalt der Wege und verschiedener Einrichtungen in der Stadt erstellt. Seit 1973 ist die Summe von mehr als 200.000 Euro zusammen gekommen.

Jagdgenossen sind Grundstückseigentümer, deren Flächen als bejagbar gelten.Das können Ackerflächen, Wälder oder auch Ödland sein. Jedem Grundstückseigentümer solcher Flächen steht auf seinem Grund und Boden das Jagdrecht zu. Es ist untrennbar mit dem Eigentum an Grund und Boden verbunden.

Warum Grundstückseigentümer dürfen ihr Jagdrecht selbständig ausüben (selbst verpachten oder selbst bejagen), wenn ihre zusammenhängende Grundstücksfläche größer als 81,755 Hektar ist. Ist die Fläche kleiner, wird der Grundstückseigentümer automatisch Mitglied der Jagdgenossenschaft.

Landkreis Im Landkreis Bad Kissingen gibt es mehr als 100 Jagdgenossenschaften. Mit einer Revierfläche von knapp 1500 Hektar gehört die Jagdgenossenschaft Münnerstadt zu den Großen im Landkreis.

Rechtsform Jagdgenossenschaften sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die Untere Jagdschutzbehörde am Landratsamt ist Aufsichtsbehörde.