Mit jedem starken Gewitterguss stehen in diesen regenreichen Tagen in Reichenbach Keller unter Wasser. Einige Gassen und Straßen verwandeln sich in Bäche. Die betroffenen Anwohner glauben, dass die Ursache ein großes Maisfeld sein könnte. Das bestätigt auch Bürgermeister Helmut Blank auf Anfrage. Das Feld ist so vollgesaugt, dass es kein Wasser mehr aufnehmen kann. Stattdessen fließt das Wasser in einen nahe gelegenen Graben und von dort in die Kanalisation. Die allerdings ist zwischenzeitlich durch Schlamm und Grünzeug verstopft.

Fast am Ende der "Schmissgasse" in Richtung Dorfmitte kommt die Bescherung ans Tageslicht. Das hat sich zum wiederholten Mal am Mittwoch gezeigt. Der städtische Bautrupp hat deshalb am Donnerstag in der Gasse die Straßendecke geöffnet und das Leitungsrohr freigelegt. Da zeigte sich, dass die Leitung tatsächlich komplett verstopft war. Minutenlang entleerte sich das angestaute Wasser durch einen ersten Entlastungsschnitt. Der Abwasserverband Lauer war mit einem Spezialfahrzeug vor Ort, um die Kanalleitung durchzuspülen. Wo es möglich war, wurden zudem Gräben gezogen, damit die Fluten besser gelenkt werden. Denn in Reichenbach fürchtet man weitere starke Regenfälle.


Ergiebige Regenmengen

In den letzten Tagen, zuletzt am Mittwoch, kam in der Schmissgasse die braune Brühe aus dem weit oberhalb liegenden Acker regelrecht aus den Gullys geschossen und schwappte Schmutz und Wasser bis in die Oberlandstraße. 20 Liter hatte es am Mittwoch wieder in Reichenbach geregnet, einen Großteil binnen kurzer Zeit.


Wasser drückt in die Keller

Teilweise drückte das Wasser aus dem Fallrohr der Dachrinnen heraus - und das in einer Höhe von einem halben Meter über dem Straßenniveau. "In unsere Keller dringt die Brühe durch die Mauersteine hinein!", erklären Edith Beck und Erich Behr. Betroffen von der Flut sind auch die Anwohner "Im Weidig" und "An der Tränke".
Denn dorthin bricht sich das Wasser vom Maisfeld in südlicher Richtung Bahn. Zwar gibt es beim Anwesen Brodesser einen Gully, doch kann natürlich so große Wassermengen nicht fassen, so dass auch hier Wasser auf der Straße entlang in den Ort läuft.


Abhilfe, aber keine Lösung

Das Durchspülen der Rohrleitung und das Ziehen von Gräben soll Abhilfe schaffen, löse aber das grundsätzliche Problem nicht, weiß Bürgermeister Helmut Blank. In der Stadt müsse man sich Gedanken machen, was zu tun ist. Dem Landwirt könne man nicht verbieten, auf seinem Feld Mais anzubauen, ist die Feststellung Blanks. Man könne überlegen, ob zwei Rückhaltebecken im Bereich Weidig und oberhalb der Schmissgasse die Lösung - wenn auch eine teure - wären.


Ursachen beheben

Denkbar sei natürlich auch die Möglichkeit, den Acker in städtische Hände zu bekommen, damit er künftig so bewirtschaftet oder bepflanzt wird, dass bei solchen Wettersituationen weniger Boden ausgeschwemmt wird, überlegt Blank. Darüber müsse der Stadtrat demnächst diskutieren, so Helmut Blank.

Froh ist Helmut Blank, dass in anderen Ortsteilen ähnliche Probleme ausgeblieben sind. In Fridritt, Kleinwenkheim und Wermerichshausen zum Beispiel hätten sich die von der Stadt im Laufe der letzten Jahre durchgeführten Schutzmaßnahmen auch bei der aktuellen Witterung gut bewährt, meint Helmut Blank.

Momentan mache nur Reichenbach Sorgen. Angesichts der Regenmengen, die in den letzten Tagen heruntergekommen sind, verspürt der Bürgermeister aber auch eine Machtlosigkeit gegenüber solchen Wetterereignissen.