Petra und Jürgen Hennemann aus Köln sind zurzeit Kurgäste in Bad Kissingen. Sie haben wie viele andere das Orgelkonzert in der Klosterkirche besucht. "Zum Glück sind wir beim Blättern in der Zeitung auf eine Ankündigung für das Konzert gestoßen", sagt Jürgen Hennemann.

Begeistert sind sie auch von der Atmosphäre in der Barock-Kirche. Deshalb wollen sie das Gotteshaus in den nächsten Tagen auch einmal bei Tageslicht in Augenschein nehmen und einen Bummel durch das Städtchen machen, "denn die vielen schönen Fachwerkhäuser sind uns aufgefallen".

Der 4. Rhöner Orgelsommer startete mit einem geistlichen Konzert in der Klosterkirche St. Michael. Regionalkantor Peter Rottmann hatte mit der Sopranistin Radka Loudova-Remmler (Münnerstadt) ein Programm mit unterschiedlichen Werken zusammengestellt, die alle eines verbindet: die Verehrung der Jungfrau Maria.

Schon als das "Ave Maria" von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) erklang, konnte Peter Rottmann die Möglichkeiten der 1935 gebauten Orgel (das Gehäuse stammt aus dem Jahr 1754) zur Geltung bringen. Von der Orgel-Empore aus und damit den Blicken der Konzert-Besucher entzogen, sang Radka Loudova-Remmler und überzeugte schon beim ersten der elf Stücke mit ihrem Sopran.

Die 4. Sonate für Orgel Wq 70,4 (Allegro Assai - Adagio - Allegro) von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), dem berühmtesten Sohn von Johann Sebastian Bach, gab Peter Rottmann die Möglichkeit, die Orgel in der Klosterkirche St. Michael voll auszureizen. Das Evangelium, das Offertorium und die Communion aus den "liturgischen Gesängen" des zeitgenössischen tschechischen Komponisten Petr Eben (1929-2007) gaben Radka Loudova-Remmler die Möglichkeit, ihre Stimme voll zu entfalten.

Zweisprachig vorgetragen

Gleich dreimal kam der französische Organist und Komponist Leon Boellmann im Eröffnungskonzert der Orgel-Sommers zu Ehren: Zuerst mit Introduction-Menuett, dann mit Priere a notre Dame und schließlich Toccata, alle aus seinem bekanntesten Werk, der "Suite gothique". Aber auch das Stück "Mutter Gottes" aus der Oper "das Geheimnis" des tschechischen Komponisten Friedrich (oder Bedrich) Smetana (1809-1847) bewies, dass Radka Loudova-Remmler und Peter Rottmann bei der Auswahl der Stücke ein gutes Händchen hatten. Eine gute Idee war es sicher, die erste Strophe zuerst in der Originalsprache und dann nochmals Deutsch zu singen.

Leos Janacek (1854-1928), ein weiterer tschechischer Komponist, war mit dem "gegrüßet seist du Königin" aus seiner 1890 uraufgeführten Oper "Jenufa" vertreten. Hier zeigte es sich, dass der Organist Peter Rottmann und die Sopran-Sängerin Radka Loudova-Remmler perfekt harmonieren. Das Gebet der Floria Tosca der Oper "Tosca" von Giacomo Puccini (1858-1924) wurde von Radka Loudova-Remmler und Peter Rottmann einfühlsam interpretiert. Das gilt auch für das "Ave Maria" aus der Oper "Otello" von Guiseppe Verdi (1813-1901).

Willem Hendrik Zwart (1927-1997), einer der bekanntesten holländischen Komponisten und Organisten, beschloss das Programm mit der Ouvertüre "Nun danket alle Gott". Doch ohne Zugabe ließen die vielen Zuhörer Radka Loudova-Remmler und Peter Rottmann nicht gehen. Was läge da näher als das passende "Ave Maria"?
Leo Meyer aus Dortmund ist zur Zeit zu Besuch bei einem Freund in Bad Neustadt: "Die Kirchenbänke hier sind nicht gerade bequem, dafür hat mir das Konzert umso besser gefallen", sagt er. "Die Stimme von Radka Loudova-Remmler ist wirklich ausdrucksstark. Was Peter Rottmann aus dieser Orgel heraus holt, ist beeindruckend. Als ehemaliger Musiklehrer darf ich das sagen."