Die "11", auch Schnapszahl genannt, hat für den Karneval (Fasching, Fastnacht) eine große Bedeutung, wie zum Beispiel der Elferrat oder auch der Faschingsbeginn am 11.11. So werden auch die Jubiläen, die den Fasching betreffen, auf die "11" oder das Vielfache davon bezogen. Zum 33-jährigen der "Serwichhäuser Fosenocht" 2003 wurde eine erste Schrift herausgegeben. Bis zum 55-Jährigen wären es eigentlich noch einige Jahre hin. Durch die derzeitige Corona-Pandemie fallen alle Faschingsveranstaltungen in diesem Jahr virusbedingt aus, und außerdem hat der langjährige Sitzungspräsident, Koordinator und Kopf der Faschingsfreunde aus Seubrigshausen, Helmut Appel, wohnhaft in Amberg in der Oberpfalz, sein Zepter als "Obernarr" seiner Heimatgemeinde in die jüngeren Hände von Paulina Klöffel und Christoph Müller gelegt.

Bereits zum 50. Geburtstag erstellt

Deshalb haben sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen. Die "Serwichhäuser Fosenocht 2021" gibt es heuer nicht live, nicht online, aber auf Papier als Ersatz, zum Blättern und Schwelgen in Erinnerungen an wunderbare Fastnachtssitzungen auf 80 prall gefüllten Seiten. Dieses Büchlein gibt die DJK Seubrigshausen darum schon zum 50-Jährigen, nicht wie eigentlich üblich, nach 55 Jahren heraus. Es wird noch rechtzeitig zum Faschingswochenende zu erhalten sein. Helmut Appel erstellte diese Schrift mit Programmen, Pressetexten, über 300 Farbfotos und vielen Übersichten zu den jeweiligen Aufführungen.

Begonnen hat alles 1970 mit einem Kappenabend der Freiwilligen Feuerwehr. Seit 1986 ist die DJK Seubrigshausen der Veranstalter. Erste Hilfestellungen zu Beginn der Kappenabende leisteten Musiker und Sänger aus Großwenkheim sowie Artur Kilian aus Großbardorf, der dort schon Erfahrungen gesammelt hatte. Aus den Anfangsjahren liegen nur spärliche Aufzeichnungen vor. Es konnte ja niemand ahnen, welche "Kultveranstaltungen" sich daraus entwickeln würden. Heute gibt es die Digitaltechnik, die aus dem Vollen schöpfen lässt.

Die Mitwirkenden des meist fünfstündigen Programms bildeten stets eine gesunde Mischung aus Alt und Jung. Das Programm war stets dorf- und lokalbezogen und ein Mix aus Wort, Gesang und Show. Die Faschingsorden waren immer eine Eigenproduktion.

Bürgermeister wohnt in Seubrigshausen

Michael Kastl, der vierte Mürschter Bürgermeister in diesen 50 Jahren, hat inzwischen sein Amt angetreten. Es ist kein Faschingsscherz, er wohnt in Seubrigshausen. "Wollen uns die Mürschter damit den manchmal heftigen Serwichhäuser Fosenochts-Ostwind aus den närrischen Segeln nehmen?", so fragt Appel. Noch dazu ist Michael Kastl seit einigen Jahren der 1. Vorsitzende der DJK Seubrigshausen. 1972 stieg das Dorf zum Stadtteil von Münnerstadt auf. Und diese anfängliche "Hassliebe" zu den "Nägelsiedern" lieferte immer wieder Stoff in Hülle und Fülle. Viele Mürschter Streiche wurden anfangs an uns "verbetz(er)t", dann wurden sie jahrelang dafür "veralbert". Seit der Michael Kastl in der Hauptstadt das Kommando übernommen hat, scheint Mürscht auch nicht mehr "blank" zu sein.

In seinem Grußwort sagt Kastl: "Mir kommt die einmalige Konstellation zugute, dass ich das närrische Treiben in Seubrigshausen als Bürgermeister der Stadt Münnerstadt, als DJK-Vorsitzender und als Neu-Seubrigshäuser aus der Kurzen Gasse gleich aus mehreren Blickwinkeln betrachten darf." Wie weiter zu lesen ist, ist der Rathauschef voll des Lobes über das, was im Fasching hier auf die Beine gestellt wird. Dies verdient Anerkennung. Mit Helmut Appel hatten die Serwichhäuser Narren in den letzten 50 Jahren das Glück, einen ganz besonderen Sitzungspräsidenten ihr Eigen zu nennen. So hat Helmut das Narrenschiff mit seinem bewährten Team durch gute und weniger gute Zeiten, aber immer erfolgreich, gesteuert. Und damit dies auch in Zukunft der Fall sein wird, hat sich ein neues junges Team gefunden, das Appel beerbt hat.

Stromausfall und chinesischer Gast

Interessante Begebenheiten der letzten 50 Jahre fördert der Verfasser der Jubiläumsschrift zutage: Stromausfall wegen des Sturms 1983 im Sportheim. Zum Glück hatten die Musiker ihre Blech- und Blasinstrumente dabei. Aktuell zur Wiedervereinigung war eine Delegation aus der Faschingshochburg Bettenhausen bei Meiningen zu Gast. 2004 trat der chinesische Gaststudent Yan-Wang bei den Sitzungen auf.

Diese zweite "Schrift" ("ohne Fest keine Festschrift") soll nochmals die zahlreichen Highlights aufzeigen sowie vor allem den "Jungen" Ansporn sein, eine mittlerweile aus dem Dorf nicht mehr wegzudenkende Tradition zu pflegen und fortzuführen.