Wie ein Himmel wird sich demnächst ein Fangnetz über dem Hauptschiff der Stadtpfarrkirche wölben. Doch auf diesen Himmel hätte Stadtpfarrer Pater Markus Reis gerne verzichtet. Aber leider lässt sich diese Maßnahme nicht verhindern. Sie dient dem Schutz der Kirchenbesucher. Denn an den Wänden der Kirche ist der Putz teilweise locker. Für den Fall, dass Teile herunterfallen, braucht es dieses Fangnetz.

Noch ist in der Kirche nichts passiert. Und keiner weiß, ob sich tatsächlich Putzteile lösen werden. Aber weil niemand das ausschließen kann, wird das Fangnetz kommen. "Man hat Verantwortung dafür", meint Pater Markus Reis. Im gesamten Hauptschiff wird auf der Höhe der Seitenbögen diese Sicherung eingezogen. Sie bleibt solange, bis die Kirche saniert ist. Wann das geschehen wird, ist noch immer nicht klar.

Derzeit laufen noch die letzten Voruntersuchungen zur geplanten Kirchensanierung. Die Überprüfung der Wände ist Teil dieser Kontrollen. Und dabei hat der Münnerstädter Restaurator Stefan Lochner diese Schäden ermittelt. "Es ist ziemlich viel lose", meint Pater Markus. Er selbst ist zwar Laie in Sachen Wandputz, hat aber ebenfalls bemerkt, dass etwas nicht passt. "Wenn man oben auf der Empore mit dem Finger gegen die Wand klopft, klingt es hohl", meint er.


Begehung mit Fachleuten

Glücklich ist der Stadtpfarrer nicht über ein Fangnetz in der Kirche, zumal er nicht weiß, wie lange es hängen wird. Doch zeige diese Sicherheitsvorkehrung, wie dringend die Sanierung wirklich ist, überlegt der Geistliche - auch mit Blick auf die Diözese. Er hofft, dass in Würzburg die Dringlichkeitsstufe für die Maßnahme erkannt ist und schnell finanzielle Unterstützung fließt. Dass dieses Fangnetz angebracht wird, ist ein Ergebnis einer Begehung der Kirche mit Fachleuten des Landesdenkmalamtes, der Diözese und des Architekten sowie Verantwortlichen der Pfarrei.

Die Probleme mit der Wand werden bald für jedermann sichtbar sein, doch sie sind nicht die einzigen in der Stadtpfarrkirche. Auch das bestätigen die Fachleute. "Das Schlimme ist, bei jeder Begehung mit Fachleuten kommt was Neues dazu", sagt Pater Markus. Aber letztendlich ist er froh, schon im Vorfeld genau zu wissen, was die Pfarrgemeinde bei der Sanierung erwartet.

Im Spätsommer hatte eine Glasrestauratorin die historischen Glasfenster des Gotteshauses näher unter die Lupe genommen. Hier haben sich die Befürchtungen bestätigt. Ein Teil der Fenster kann nicht einfach nur gereinigt werden. An der Nordseite müsse etwas gegen den Schimmel getan werden, erläutert Pater Markus. Außerdem müssen die Schutzgitter außen erneuert werden.


Leichte Verschiebungen der Balken

Festgestellt wurden im Dachstuhl leichte Verschiebungen der Balken. Hierzu laufen noch die letzten Voruntersuchungen. Erst dann kann gesagt werden, was genau saniert werden muss. Näher untersucht wird auch, wie die Fresken in der Schunterkapelle konserviert werden können.

Und letztendlich wird daran gearbeitet, wie Heizung und Beleuchtung verbessert werden können, um mehr Komfort zu bieten und andererseits, um Strom zu sparen. Bei den Skulpturen (ohne Riemenschneideraltar) seien nur konservatorische Maßnahmen geplant, erläutert Pater Markus.

Weitgehend offen sei die Frage, ob es auch zu einer liturgischen Umgestaltung kommen wird. Das sei mehr Sache der Diözese.

Keinerlei Vorstellung hat der Stadtpfarrer bislang, wie teuer die Sanierung letztendlich kommen wird. Erst nachdem alle Untersuchungen gelaufen sind, könne der Kostenrahmen überschaut werden. Pater Markus weiß allerdings auch ohne sichere Zahlen, dass die Sanierung "sehr teuer wird".


Sanierungsbeginn nicht vor Sommer

Mit einem Sanierungsbeginn rechnet er nicht vor Sommer 2014. Die Kirchengemeinde müsse zuerst wissen, in welchem Umfang Diözese und Landesdenkmalamt sich über Zuschüsse an den Kosten beteiligen werden. Auf Anfrage bei der Diözese ist zu erfahren, dass bereits im aktuellen Haushalt Gelder für die Sanierung eingeplant sind.

Die Diözese Würzburg bezuschusst Kirchensanierungen nach Informationen von Albrecht Siedler (Bischöflicher Finanzdirektor) nicht nach einem fixen prozentualen Schlüsselsystem, sondern stellt durch eine Fehlbetragsfinanzierung sicher, dass notwendige Sanierungsarbeiten möglich werden. Hierzu seien zunächst die Möglichkeiten der jeweiligen Kirchenstiftungen unter Mithilfe der jeweiligen Kommunen und unter Aufnahme zumutbarer Darlehen auszuschöpfen. "Das dann Fehlende stellt die Diözese Würzburg nach den jeweiligen Haushaltsmöglichkeiten bereit", heißt es auf Anfrage.

Zur Anfinanzierung der Sanierung in Münnerstadt sind im laufenden Haushalt 2013 200.000 Euro vorgesehen. Im Haushalt 2014 ist kein Ansatz enthalten. Die 2013 nicht abgerufenen Gelder können in diesem Jahr verwendet werden. Über die weiteren Zuschusshöhen wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.