Die Schutzfrau hat geholfen, doch es hätte trotzdem nicht viel gefehlt, und die erste Aufführung des Heimatspiels in diesem Jahr wäre wortwörtlich ins Wasser gefallen. Diverse Smartphone-Wetter-Apps sagten nur leicht unterschiedliche Regenwahrscheinlichkeiten zwischen 80 und 90 Prozent voraus. Gegen 9 Uhr am Sonntag hätte kaum jemand beim Blick aus dem Fenster viel darauf gewettet, dass das Heimatspiel überhaupt stattfinden kann, denn es regnete in Strömen. Doch bereits um 10.30 Uhr gab sich Claudia Kind, die Vorsitzende der Heimatspielgemeinde, am Telefon optimistisch: "Das klappt schon, wir spielen natürlich".

In den anschließenden vier Stunden bis zum Spielbeginn änderte sich die Wetterlage mehrfach und während der Aufführung kamen einige mehr oder weniger kräftige Schauer vom Himmel. Einmal musste Claudia Kind die Aufführung deshalb und weil gleichzeitig die Sirenen heulten, sogar unterbrechen. Mehrere Spieler, die gleichzeitig Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sind, ließen Heimatspiel Heimatspiel sein und eilten im Laufschritt zum nahe gelegenen Feuerwehrhaus.

Regencapes und Wolldecken

Wasserdichte Anoraks, Regencapes und Regenschirme gegen den Regen sowie Wolldecken gegen die Kälte gehörten diesmal zur Standardausrüstung der Besucher. Doch die wurden, das sei gleich vorab gesagt, mit einer sehr guten und gelungenen Aufführung des Heimatspiels "die Schutzfrau von Münnerstadt" entschädigt. Die Laienschauspielerinnen und -schauspieler haben die Schauspielerei nicht verlernt, obwohl sie im letzten Jahr wegen der Corona-Pandemie eine ungewollte Pause einlegen mussten.

Gäste aus Costa Rica

Claudia Kind konnte unter den vielen Gästen auf dem Anger nicht nur Freunde des Heimatspiels aus Münnerstadt und der Umgebung, sondern auch aus Berlin und Bremerhaven begrüßen - "doch das wird absolut getoppt durch die Besucher aus Costa Rica". Lange sei abgewogen worden, ob das Heimatspiel 2021 überhaupt stattfinden kann. Schließlich sei entschieden worden, es dieses Jahr laufen zu lassen, aber den Umzug vom Oberen Tor zum Festgelände, das Gelage im Schloss nach dem Spiel und das Einholen der Feldkasse ausfallen zu lassen.

Liebesgeschichte mit Happy End

Dass wegen der Pandemie einiges an Auflagen einzuhalten war, versteht sich von selbst. Für diejenigen, die sich noch nicht so auskennen (zum Beispiel die erwähnten Gäste aus Costa Rica), erzählte die Vorsitzende des Heimatspielvereins auch, dass das Heimatspiel seit fast 90 Jahren fest im Jahresverlauf in Münnerstadt verankert ist.

Der Text stammt von Pfarrer Ludwig Nüdling und schildert die wundersame Rettung der Stadt im Jahre 1641, als die Schweden ausgerechnet beim Erntedankfest die Stadt belagerten. Damals half, so die Legende, die Jungfrau Maria der Stadt. Die Liebesgeschichte zwischen Michel Stapf, dem Feldwebel am Jörgentor und Ottilie, der Tochter des Oberbürgermeisters ist darin verwoben. Michel Stapf, eigentlich tödlich verwundet, erhebt sich auf wundersame Weise wieder. Das Happy End ist gesichert.

Weitestgehend sah man vertraute Gesichter auf der Bühne, was den Zusammenhalt der Schauspieler-Truppe auch in schwierigen Zeiten wie der Corona-Pandemie unter Beweis stellt. Neu ist bei den Hauptdarstellern Rudi Rippstein als Oberbürgermeister. Er löst Franz Wüst ab. Wüst hat dieses Jahr die Spielleitung übernommen und ist für die Proben verantwortlich. "Ihr wolltet spielen, wir haben gespielt" sagte Claudia Kind, nachdem alles gelaufen und der Applaus verhallt war und fügte hinzu "ihr habt alle Unbequemlichkeiten mitgemacht".

Weitere Aufführungen

Zwei weitere Aufführungen des Heimatspiels "die Schutzfrau von Münnerstadt" finden am 5. und 12. September jeweils um 14.30 Uhr auf dem Anger statt. Karten gibt es unter Tel.: 09733/3330 oder im Internet auf der Homepage www.heimatspiel-muennerstadt.de und an der Kasse am Anger.