Wenn es nach Franz Gock geht, dann wird die Alte Aula umbenannt in Guttenberg-Aula. Sie soll ihren neuen Namen nicht nach dem 2018 verstorbenen Dirigenten Enoch zu Guttenberg oder Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bekommen, sondern nach dem 74. Fürstbischof der Diözese Würzburg, Johann Gottfried II. (geboren 1645, Bischof von 1684 bis zu seinem Tod Ende 1698), der sich Verdienste um das Münnerstädter Gymnasium erworben hat.

"Die Aula des alten Gymnasiums und ihre Fresken-Decke von Laienbruder Thomas Zeni 1692/93" lautete der Titel des wegen der Corona-Pandemie schon zwei Mal verschobenen Vortrags im Rahmen der Augustinus-Akademie, der natürlich in der Alten Aula selbst stattfand. Pater Markus Reis (OSA) konnte dazu etwa 40 Interessierte begrüßen. Franz Gock beschränkte sich allerdings nicht auf die denkmalsgeschützte Stuckdecke in der Alten Aula, sondern er holte weiter aus und sprach auch über die Geschichte des Gymnasiums, einem der ältesten überhaupt in Bayern.

Gymnasium 1660 gegründet

Es wurde im Jahre 1660 durch den Würzburger Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn gegründet, der die Leitung und den Lehrbetrieb dem Weltpriesterorden der 1640 gegründeten Bartholomiten übertrug. Das erste Schulgebäude befand sich neben der Pfarrkirche. 1685 übergab Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg zunächst auf neun Jahre die Leitung den Augustinern, die schon ab 1279 ein zeitweise zerstörtes und aufgelassenes Kloster in Münnerstadt unterhielten. 1687 bis 1689 bauten sie ein neues Gymnasialgebäude. Sie begannen dabei mit dem Flügel, der die Aula enthält. Diese ist 24 Meter lang, 9,65 Meter breit und 4,5 Meter hoch. Sie diente unter anderem als Versammlungs- und als Festsaal. Auf der Westseite hatte sie eine Bühne, denn Schauspiel war bei den Agustín um ein wichtiger Teil der Ausbildung und des Unterrichts.

Stuckdecke von 1692 und 1693 geschaffen

Die Stuckdecke wurde in den Jahren 1692 und 1693 von dem Augustiner-Laienbruder Thomas Zeni, einem bedeutenden Stuckateur der Barockzeit, in mühevoller Arbeit geschaffen. Er und seine beiden Helfer mussten schließlich liegend und direkt unter der Decke arbeiten. Zeni, der dem Stift Würzburg angehörte und vermutlich aus Italien stammte, hat sich auch mit Stuckarbeiten an anderer Stelle im Kloster verewigt. Nach der Säkularisation im Jahre 1803 wurde die Schule verstaatlicht und den Augustinern die Verantwortung für das Gymnasium genommen.

Franz Gock ging ausführlich auf die Stuckdecke ein. Im 19. Jahrhundert war geplant, hier Klassenzimmer einzurichten, doch weil das der Decke sehr geschadet hätte, wurde darauf verzichtet. Bei einer Renovierung im Jahr 1909 hat sie wohl gelitten. "Sie hat einige Mängel, zum Beispiel abgebrochene Hände. Trotzdem kann sich kaum jemand der Faszination der Decke entziehen" betonte Gock. Damit sich die Besucher des Vortrags beim Betrachten keine Genickstarre zuziehen, hatte Bruno Schlegelmilch in mühevoller stundenlanger Arbeit die Deckenfresken fotografiert, die dann per Beamer projiziert wurden. Die Decke zeigt unter anderem das Augustiner-Wappen, das brennende Herz als Symbol der Liebe. Der Schulalltag des Gymnasiums sei darauf ausgerichtet gewesen.

Im Wappen verewigt

Auch der bereits erwähnte Fürstbischof Johann Gottfried II. zu Guttenberg ist hier in einem Wappen verewigt. Er ließ in Münnerstadt die Zehntscheune erbauen, die ein Jahr nach seinem Tod fertig war. Eine "Maria mit Jesus" beweist die außerordentliche Marienverehrung der Augustiner. Sie trägt die Unterschrift "S. Maria ora pro nobis" (Heilige Maria bete für uns). Die heilige Mutter Monika, (geboren um 332 in Numidien/Nordafrika, gestorben 387 in Ostia/Italien, Mutter des Heiligen Augustinus), darf nicht fehlen. Auch Augustinus selbst ist abgebildet. Eine weitere Figur ohne Namen zeigt möglicherweise Klara vom Kreuze (1268 bis 1308). Der heilige Augustinermönch Thomas von Villanova (1488 bis 1555), Nikolaus von Tollentin (1246 bis 1306, ein heiliggesprochener Augustiner, S. Johannes a Facuondo (1419 - 1479, heiliggesprochener spanischer Augustiner, Georgios a Rosa (ein im Jahr 1537 mit 22 Jahren getöteter englischer Märtyrer) und Adeolat (372 bis 388, ein Sohn von Augustinus) sind hier ebenfalls verewigt. Dazu kommt ein allegorischer Zyklus mit den vier Jahreszeiten. Wer die Motive für die Decke ausgesucht hat, ist nicht bekannt, so Franz Gock.

Stuck

Die Bezeichnung Stuck umfasst alle Arbeiten mit Mörteln, von einer einfachen Fassadengestaltung mit Gesimsen bis hin zu großflächigen, plastischen Wand- und Deckengestaltungen mit opulenten, plastischen Formen des Barock und Rokoko. Seit der Wende zum 20. Jahrhundert werden Fertigstuckteile angeboten, die seriell in Gießformen hergestellt werden. Stuck wird vom Stuckateur angefertigt. Eine besondere Blüte erfuhr das Handwerk des Stuckierens im Barock und im Rokoko. Mit Beginn der Moderne nach dem Ersten Weltkrieg wurde Stuck aus der Architektur nahezu verbannt. Im Deutschland der 1950er und 1960er Jahre verlor dekorativer Stuck weiter an Bedeutung und wurde vielfach als störend empfunden, da er nicht den modernen Architekturvorstellungen entsprach. mdb/Wikipedia