Als Pfarrer Manfred Finger 1982 aus Bad Neustadt in den Nachbarlandkreis Bad Kissingen übersiedelte, waren ihm zunächst die Pfarreien Poppenlauer, Maßbach und Wermerichshausen zugeteilt. Später war er im ganzen östlichen Landkreis zuständig. Jetzt geht er in Ruhestand und zieht bald in den bayerischen Süden um. Dem Abschied von allen, mit denen er im Lauf der Jahre intensiv zu tun hatte, sieht er mit gemischten Gefühlen entgegen. "Ich bin froh, die umfangreichen Aufgaben abzugeben. Aber ich kenne hier alles, bin mit Land und Leuten vertraut." Ist das Lauertal für ihn zur Heimat geworden? Finger nennt es anders: "Ich bin verwurzelt hier."

Geboren und aufgewachsen ist Finger in Traustadt bei Gerolzhofen. Nach der Mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Pflegehelfer. "Denn eigentlich wollte ich damals Sozialarbeiter werden." Doch dann beschloss er, in Neuss bei Düsseldorf am Abendgymnasium sein Abitur nachzuholen. Tagsüber arbeitete er im Krankenhaus. Als er das Abi 1972 in der Tasche hatte, ging er nach Würzburg, um Theologie zu studieren. Der Wunsch, Priester zu werden, sei erst während des Studiums in ihm herangereift. "Irgendwann hab ich dann erkannt, dass es mein Weg ist", beschreibt der 68-Jährige das allmähliche Wachsen dieser weitreichenden Lebensentscheidung.


1978 zum Priester geweiht

1978 wurde Finger in Würzburg zum Priester geweiht. Zuerst war er Kaplan in Kahl am Main und später in Bad Neustadt, wo er auch als Dekanatsjugendseelsorger arbeitete. 1982 wurde er Pfarrverweser von Maßbach, Poppenlauer und Wermerichshausen. Ein Jahr später gab er Maßbach ab und bekam dafür die Filiale Weichtungen dazu. Seit 1987 ist er zudem Seelsorger in Rannungen. Als Pfarrer Gerhard Hanft 2006 aus Thundorf wegging, übernahm Finger für zwei Jahre auch noch die Vertretung in Maßbach und Thundorf. Seit 2010 ist er Leiter der Pfarreingemeinschaft im Lauertal, zu der Maßbach, Rannungen und Thundorf, sowie weiterhin der Münnerstädter Stadtteil Wermerichshausen gehören.

Wie handhabt man die Seelsorge in einem solch großen Gebiet? Wie wachsen diese Pfarreien zusammen? Fragen, die Finger damals umtrieben, wie er sagt. Zum Glück sprang Norbert Schmöger, sein Kollege im Ruhestand (Seubrigshausen), öfter bei Gottesdiensten mit ein. Zudem hielt Finger selbst am Sonntag mehrere Messen hintereinander. Hinzu kamen aber auch Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten, sowie die speziellen Vorbereitungen für die hohen Feiertage im Kirchenjahr. "Es war schon ein Schlauch", sagt der Geistliche im Rückblick auf diese intensive Phase seines Wirkens. "Am Heiligabend hatte ich dann drei bis vier Metten zu halten. Und von der Osternacht bin ich um 23.30 Uhr heim und hab am Morgen schon wieder um 6.30 Uhr den nächsten Gottesdienst gehalten", beschreibt Finger die stressige Zeit. "Das geht an die Substanz. Und dann muss man ja auch noch zu Hause stundenlang Predigten vorbereiten."


Vielleicht 2000 oder mehr Predigten

Apropos Predigt: Wer glaubt, eine gute Predigt könne man einfach so der Bibel entnehmen, der irrt. Man muss sich auch damit beschäftigen, wie andere diese Bibelstellen interpretieren, sagt Finger. "Erst dann kann man anfangen, an der Predigt zu schnitzen." Wie viele Predigten er in seiner Laufbahn schon geschrieben hat, das glaubt der Geistliche gar nicht realistisch abschätzen zu können. Vielleicht 2000 für die Gottesdienste im Kirchenjahr? Vielleicht aber auch mehr, denn es kommen ja auch noch all die Texte dazu, die er zu Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen verfasste.

Wenn er auf all die Jahre hier zurückschaut, hat er das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben, sagt er, hebt aber gleich hervor, dass seine persönlichen Erfolge in der Pfarreiengemeinschaft auch all denen geschuldet sind, die ihn in seiner täglichen Arbeit stets tatkräftig unterstützten.

Noch im Oktober zieht er in eine Stadt unweit von Donauwörth um, wo er die Seelsorge in einem Seniorenwohnheim übernimmt. Dass es ihn Richtung Süden verschlägt, sei eher Zufall. Denn er habe sich in verschiedenen Gegenden nach einer neuen Bleibe umgeschaut. "Das Wichtigste für mich war, dass man in dem Heim dort ein Haustier halten darf", sagt Finger. Denn er möchte wieder eine Katze haben. Seine eigene ist nämlich vor ein paar Wochen gestorben. Sie wurde 19 Jahre alt.


Markus Reis bis März 2018 Pfarradministrator

Für Finger war es wichtig zu klären, wie es nach seinem Weggang weitergeht. Zunächst wird Pfarrer James Kurianal (Thundorf) für längere Zeit in der Pfarreiengemeinschaft Lauertal mit aushelfen. Neben Kurianal ist auch noch Pastoralreferent Christof Bärhausen (Dittelbrunn) hier ein Jahr lang in Vollzeit eingesetzt. Am 6. Oktober ernannte das Bischöfliche Ordinariat nun den Münnerstädter Pfarradministrator Markus Reis bis zum 31. März 2018 auch zum Pfarradministrator der Pfarreiengemeinschaft Lauertal. Und dann gibt es ja auch noch 13 ausgebildete Wortgottesdienstbeauftragte, hebt Finger anerkennend hervor.

Ob und wann wieder ein fester neuer Seelsorger für den östlichen Landkreis eingesetzt wird, darüber wagt der katholische Pfarrer keine Prognose. Der Priesterberuf sei leider nicht mehr so angesehen wie früher. "Denn es findet eine Verdunstung von Glauben statt", drückt der 68-Jährige aus, was er in den jüngsten Jahren beobachtete. Fragt man junge Leute danach, was sie werden wollen, würden die meisten zu seinem Bedauern nur technische Ausbildungen ins Auge fassen. "Die Geisteswissenschaften verlieren generell an Zulauf." Aber vielleicht müsse man als Pfarrer selbst auch von der Kanzel hinab darauf hinwirken, dass der Glaube zeitgemäß bleibt, vertritt Finger. Vielleicht sollten moderne Priester einfach neue Wege gehen, oder mit Althergebrachtem experimentiere? Es gebe zum Beispiel in den Predigten zahlreiche Formulierungen, die nicht mehr zeitgemäß seien.

"Wenn ich von 'Gnade' spreche, wissen viele nichts damit anzufangen. Und wenn ich Gott den 'Schöpfer der Welt' nenne, tut sich ein Naturwissenschaftler damit wahrscheinlich schwer." Die Kirche müsse weg von der alten Sprache. "Wir müssen die Lebenswelt des modernen Menschen in unsere Predigten einschließen, dann hat der Glaube vielleicht wieder eine Chance." Isolde Krapf