Der Heiligenhof in Bad Kissingen trägt das kulturelle Erbe der Sudetendeutschen auch 70 Jahre nach der Vertreibung weiter in die nächsten Generationen. Der Geschäftsführer Steffen Hörtler gehört zur jungen Riege engagierter, nachgeborener Sudetendeutscher, die davon überzeugt sind, dass die Landsmannschaft eine Zukunft hat, auch wenn die Anzahl derer, die tatsächlich noch die Vertreibung erlebt haben, immer kleiner wird.

Steffen Hörtler ist 42 Jahre alt und gehört damit einer Generation an, die Vertreibung und Neuanfang nur noch aus den Erzählungen der Eltern oder Großeltern kennt. Als Sudetendeutscher fühlt er sich dennoch, weil dort seine familiären Wurzeln liegen. Hörtler steht als Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft für die neue, zeitgemäße und zukunftsorientierte Linie des Verbandes. "Die alten Forderungen sind unrealistisch", sagt er.

Trotzdem: Die Sudetendeutsche Landsmannschaft sei kein Geschichtsverein, erklärt er. "Und wir sind keine Revanchisten", fügt er sofort hinzu. Dieses Vorurteil gibt es, weiß er. Es liege wohl daran, dass man so wenig über die Landsmannschaft wisse. Heute gehe es um die Völkerverständigung, um Menschenrechte und darum, das kulturelle Erbe der Sudetendeutschen zu wahren. Sichtbar werde es auch daran, dass die Sudetendeutsche Landsmannschaft 2015 ihre Satzung geändert hat und darin jetzt nicht mehr die Wiedergewinnung der alten Heimat verankert ist. Auch die Satzung spreche nun eine aktuelle Sprache. Die Politik der Landsmannschaft habe dies schon lange getan, so Steffen Hörtler.


Sehr enge Kontakte

In der Verbandsarbeit gehe es um das gegenseitige Verständnis zwischen Deutschen und Tschechen. Hörtler spricht begeistert von sehr engen Kontakten und gemeinsamen Projekten mit der tschechischen Jugend, mit Künstlern und Kommunalpolitikern. Man sei auf einem guten Weg. Die jungen Tschechen würden sich zwischenzeitlich sehr für diesen Teil der gemeinsamen Geschichte interessieren.


Informationsbedarf ist da

Nun hofft Hörtler, dass irgendwann auch die tschechische Regierung ganz offiziell die Vertreibung der Sudetendeutschen als Unrecht anerkennen wird. "Ich bin überzeugt, dass es passieren wird", meint Hörtler.
Dem Landesvorsitzenden ist nicht bange um die Zukunft der Landsmannschaft. Dem Bad Kissinger fällt zudem positiv auf, dass die Sudetendeutsche Landsmannschaft neuerdings Zuwächse in der Generation 55plus hat. Wenn die Menschen in den Vorruhestand oder Ruhestand gehen, hätten sie Zeit, sich mit ihren familiären Wurzeln zu beschäftigen. Eltern und Familienangehörige, die noch etwas erzählen könnten, leben dann oftmals nicht mehr. "Dann informieren sie sich bei uns". Die Menschen würden ihre Identität suchen. Man müsse die Vergangenheit kennen, wenn man Zukunft gestalten will, sagt Hörtler ."Da ist es gut, dass es uns als Landsmannschaft gibt".


Mitglieder werden weniger

"Uns gibt es auch noch in 10, 20, 30 und 40 Jahren", betont er aus voller Überzeugung. "Wir haben eine aktive Jugend", ergänzt er. Er weiß aber auch, dass in manchen Ortsvereinen das Bild oftmals anders ist. Hier drückt die Überalterung. Jüngere stoßen kaum zu den Treffen. Es könne sein, dass Ortsvereine aus Altersgründen sich auflösen müssen. "Wir werden weniger", das weiß er. Das bedauert er auch nicht. Aber an eine Zukunft des Verbandes und an seine gesellschaftliche Bedeutung glaubt er dennoch fest. Er sei glücklich, diese Ehrenämter im Verband inne zu haben.

Steffen Hörtler hat heute zwei Lebensmittelpunkte, einen in Bad Kissingen, einen in seinem Haus in Tschechien. Die Liebe hat hier nachgeholfen. Hörtlers Ehefrau ist Tschechin. Die Tochter wächst ganz selbstverständlich zweisprachig auf. Er ist froh, dass die Grenzen heute so offen sind. Europa habe das möglich gemacht.