Weichtungen war ihre erste Station. Danach Münnerstadt. Seit 48 Jahren ist sie nun Bad Kissingerin. Ihre Wurzeln hat sie jedoch nie vergessen. Die Erinnerung an die sudetendeutsche Heimat pflegt sie als Kulturwartin bei den Treffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Bad Kissingen. Der Kreis werde kleiner, betont der Vorsitzende der örtlichen Sudetendeutschen Landsmannschaft, Gunter Gall. Er hofft trotzdem, dass jemand von den Jungen die Tradition weiterführt.

Aktuell sind im Kreisverband noch rund 35 Sudetendeutsche gemeldet, sagt die Kreisvorsitzende Anneliese Moritz (Sulzthal). Einmal im Monat kommen die Sudetendeutschen im Bad Kissinger "Bayerischen Hof" zusammen. Die meisten sind zwischen 70 und 90 Jahren. Jüngere gibt es nur ganz wenige. "Schwierig ist, dass viele schon sehr alt sind und gesundheitliche Probleme haben", meint Gunter Gall.


Hoffen, dass sich Jüngere finden

Gunter Gall ist glaubt dennoch , dass die Sudetendeutsche Landsmannschaft im Landkreis noch ganz gut aufgestellt ist. Zu den Treffen erscheinen meist zwischen 15 und 20 Mitglieder, erklärt Anneliese Moritz. Zu den Weihnachtsfeiern im Heiligenhof kämen mehr Gäste.

Ein Programm wird bei jedem der Monatstreffen geboten. Singen gehört eigentlich immer dazu. Ingrid Flügel zeigt das Liederbuch. "Brücke zur Heimat" heißt es. Viele der Lieder kennen die Mitglieder auswendig. Die unbekannteren übt Gitta Stein mit den Teilnehmern ein.

Musik gehört zum kulturellen Selbstverständnis der Bad Kissinger Landsmannschaft, aber auch Geschichten, Verbandspolitik, Gedichte. Und natürlich der ganz persönliche Austausch. "Das ist eine Schicksalsgemeinschaft", sagt Traudl Kukuk. In diesem Kreis teile man die gleiche Vergangenheit und könne darüber reden.


Erinnerungen bewahren

Obwohl sie noch ein Kind war, kann sich Ingrid Flügel gut an die schlimme Zeit der Vertreibung und die Jahre des Neuanfangs im Landkreis erinnern. Anders ist es bei Helga Wolf-Oertel. Sie ist ein Nachkriegskind, hat aber ihre Mutter in deren letzten Lebensjahren oft zu den Treffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft begleitet. Die Mutter ist zwischenzeitlich verstorben. Helga Wolf-Oertel kommt weiter. Sie interessiert sich jetzt stärker als in jungen Jahren für ihre familiären Wurzeln. Die Mitglieder der Landsmannschaft würden sich freuen, wenn sich weitere Nachgeborene für die Landsmannschaft interessieren würden. Es gebe viel mehr Sudetendeutsche in Bad Kissingen als man denkt, sagen sie. Jeder, der sich zu seinen sudetendeutschen Wurzeln bekennt, gehöre dazu, erklären die Frauen beim Monatstreff. Andererseits mache man sich auch keine zu großen Illusionen, dass die nächste Generation die Verbandsarbeit fortführen wird, meint Anneliese Moritz. Das findet sie auch durchaus normal. Die eigenen Kinder würden die Geschichte der Eltern kennen, aber ihre Heimat sei hier, sagt Anneliese Moritz.


Die Geschichte der Eltern

Brigitte Ascherl gestaltet gemeinsam mit ihrem Mann Burkard Ascherl besondere Feiern, beispielsweise im Advent, musikalisch mit. Das macht sie gerne. Schließlich ist auch ihr Vater Kurt Hiebel einst als Heimatvertriebener in den Landkreis gekommen und bis heute als Kassier in der Landsmannschaft aktiv. Sie kann sich aber nicht vorstellen, dass sie sich stärker in der Landsmannschaft engagieren wird. Sie war mit ihrem Mann im Sudetenland, hat sich alles angeschaut. Aber es bleibe die Geschichte der Eltern.

Steffen Hörtler, der Landesvorsitzende der Landsmannschaft, stößt zwar gerne, aber nur sehr sporadisch zu den Treffen hinzu. Zu mehr reicht die Zeit nicht. Denn in seiner Funktion als Landesvorsitzender besucht er jährlich rund 80 Kreis- und Ortsversammlungen in ganz Bayern.