Die Arbeiten am Rohbau des neuen Berufsbildungszentrums Münnerstadt gehen gut voran. Der Keller ist fertig, vom Erdgeschoss stehen bereits 60 Prozent, vom ersten Obergeschoss schon 20 Prozent. Nur vom 2. Obergeschoss ist noch nichts zu sehen, berichtete Thorsten Grament von der Bauabteilung des Landratsamtes in der Sitzung des Kreisausschusses des Bad Kissinger Kreistages. Deshalb wurde es auch Zeit, die wesentlichen Gewerke für den Innenausbau zu vergeben - die Ausschreibung war in den vergangenen Monaten ausgeführt worden.

Über zwölf Vergaben war zu entscheiden: von "Elektroinstallation nach DIN 18382", der teuersten mit 1,411 Millionen Euro, bis zu "Photovoltaikanlagen-Elektro nach DIN 18382", der billigsten mit 43 618 Euro - dazwischen "Sonnenschutz", "Holz-Alu-Fenster", "Pfosten-Riegel-Fassade", "Edelstahldach", "Brandmeldeanlage", "Sanitär", "Lüftung", "Heizung", "Dämmung" und "Trafo- und Mittelspannungsschaltanlage". Unterm Strich summieren sich diese zwölf Posten auf 7,436866 Millionen Euro.

Dass nach den Rechtsvorschriften europaweit ausgeschrieben wurde, bedeutet allerdings nicht, dass sich das Geld jetzt in alle Welt verflüchtigt. Allerdings bleiben auch nur 2,050417 Millionen Euro bei drei Firmen im Landkreis. Der größere Rest geht an Betriebe in Unterfranken (fünf), Mittelfranken (eins), Oberpfalz (eins), Thüringen (eins) und Sachsen (eins).

Und noch eine Zahl ist nicht ganz uninteressant: 151 Firmen aus Europa haben auf die zwölf Ausschreibungen reagiert: die meisten (38) bei dem Posten "Pfosten-Riegel-Fassade", die wenigsten (drei) bei "Sanitär" - hier scheint sich der Fachkräftemangel am stärksten bemerkbar zu machen. Aber Angebote haben unter dem Strich nur 49 Firmen, also nicht einmal ein Drittel, abgegeben: die meisten (acht) bei "Dämmung", die wenigsten (zwei) bei "Lüftung" sowie "Trafo- und Mittelspannungsschaltanlage". Dass die Schere zwischen Nachfrage und Angebot immer weiter auseinandergeht, hat einen einfachen Grund: Früher, als die Firmen die Ausschreibungsunterlagen gegen eine nicht geringe Gebühr per Post anfordern oder persönlich bei den Behörden abholen mussten, überlegten sie sich genau, ob sie den Auftrag überhaupt ausführen können. Aber seit die Unterlagen europaweit gebührenfrei aus dem Internet heruntergeladen werden können, ist die Hemmschwelle erheblich gesunken.

Teils erhebliche Abweichungen

Natürlich gab es bei den Angebotssummen zum Teil deutliche Abweichungen von den Kostenschätzungen der Bauverwaltung. Das lässt sich beim besten Willen systembedingt nicht vermeiden. Und was den Ausschuss beruhigte, war die Tatsache, dass die Ausreißer nach oben von ebenso deutlichen Ausreißern nach unten wieder ausgeglichen wurden.

Bei seinem Sachstandsbericht über den Baufortschritt nannte Thorsten Grament eine Zahl, die das Gremium überraschte und irritierte: eine Kostenüberschreitung von 465 000 Euro für die archäologische Untersuchung des Baugrundes, obwohl da schon recht großzügig veranschlagt worden war. Aber es tauchten einfach zu viele Fundstücke auf. Sie sollen, so Landrat Thomas Bold (CSU), aufbereitet und in einer noch zu findenden Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Angesichts dieser unerwarteten Kostensteigerung fühlte sich der Ausschuss den Archäologen ein bisschen ausgeliefert - zumal es nur eine Förderung von 5000 Euro gibt. Ob es da nicht wenigstens eine Deckelung gibt, wollte Paula Vogler (CSU) wissen. "Nein", antwortete Thomas Bold, "die gibt es nicht". Solange gefunden wird, muss auch bezahlt werden. Das gilt für öffentliche wie für private Bauherren gleichermaßen - auch auf die Gefahr hin, dass das Projekt dann an den Kosten scheitert.

Aber die Bauverwaltung hat schon vorgesorgt und sich beim heiligen Florian Rat geholt. "Wir haben die Außenanlagenplanung verändert", erklärte Thorsten Grament. "Wir haben die Flächen dort, wo Wege geplant sind, mit Aushub erhöht." Der Effekt: Die Auskofferung für die Gründung der Wege gerät nicht an die Befundsebene hinunter, die bei 30 Zentimeter liegt.

Das bedeutet, dass das Thema erst wieder spruchreif wird, wenn in 3000 Jahren die Archäologen das BBZ ausgraben und auf rätselhafte Weganlagen stoßen. Das neue BBZ angesichts der archäologischen Überraschungen gleich an der "Äußeren Lache" zu bauen, sei als Alternative sinnlos, meinte Thomas Bold: "Das Geld, das wir dort für die Archäologie gespart hätten, hätten wir in die Stabilisierung des Untergrunds stecken müssen."

Am Ende überwog allerdings die Freude, denn die Grabungsbedingte Verzögerung hat sich finanziell gelohnt: Das Bauprojekt ist dadurch in eine höhere Förderungsstufe gekommen. Jetzt werden zwei Millionen Euro mehr an Kosten anerkannt, die von der Regierung von Unterfranken mit 70 Prozent gefördert werden. Der Bau, so Grament, bewegt sich immer noch im geplanten Kostenrahmen, der derzeit bei 29,3 Millionen Euro liegt. Und auch der Terminplan ist noch exakt im Soll: In den Sommerferien 2020 soll die neue Schule schlüssel- und bezugsfertig übergeben werden.