Die Band fällt ja schon wegen ihres Namens auf. Man weiß ja auf Anhieb gar nicht, wie man das aussprechen soll: ein M und gleich hinterher ein N: Mnozil Brass. Der antik Angehauchte kennt diesen Zungenbrecher vielleicht noch von Mnemosyne, der griechischen Göttin der Erinnerung. Aber Mnozil! Das klingt doch eher nach Balkan. Ist ja auch nicht ganz falsch. Denn hinter dem Namen verbirgt sich eine Kellerwirtschaft im 1. Wiener Bezirk. Dort hatten die Musikstudenten ihren Stammtisch, und dort lernten sich auch die sieben Blechbläser kennen, die 1992 die Urformation von "Mnozil Brass" gründeten - fünf von ihnen sind noch oder wieder dabei. Heute spielen in der Band die Trompeter Thomas Gansch, Robert Rother und Roman Rindberger, die Posaunisten Leonhard Paul, Gerhard Füßl und Zoltán Kiss und der Tubist Wilfried Brandstötter.

Jetzt gastierte das Septett mal wieder beim Kabarettherbst im Regentenbau, dieses Mal mit seinem aktuellen Programm "Cirque". Egal, ob Affen- oder Flohzirkus - ein bisschen Raubtier war auch dabei: Hauptsache war, dass es höchst turbulent zuging, musikalisch und darstellerisch. Und da hatte man halt ein Problem. Denn die Musik und die Bühnenshow waren geradezu versessen darauf, sich gegenseitig die Schau zu stehlen. Worauf sollte man bevorzugt achten?

Klar, dass die schauspielerischen Einlagen zunächst einmal dazu da sind, sich Luft zu verschaffen. Denn zwei Stunden durchtuten, das kann kein Blechbläser. Das können nicht einmal die Oboisten mit ihrer Permanentatmung. Aber die Mitglieder von Mnozil Brass sind nicht nur fantastische Bläser, sondern auch leidlich gute bis ganz hervorragende Schauspieler, wie etwa Zoltán Kiss als öliger Zirkusdirektor und Zauberer oder ganz besonders Leonhard Paul als hochmelancholischer Clown, der den ganzen Abend so schaut, als würde eine Laus auf seiner Leber im Kreis laufen. Die Truppe könnte auch ohne Musik einen höchst vergnüglichen Abend gestalten mit Slapstick und Pantomime - denn auf der Bühne fällt kein einziges Wort. Da sind sie ganz Trappisten. Was zu sagen ist, wird durch die Gestik und die Musik gesagt.

Aber das ernsthaft Sensationelle ist bei allem Klamauk in Tönen dann doch die Musik. Man findet sich schnell damit ab und gewöhnt sich daran, dass es keinerlei Moderation gibt, dass man nicht erfährt, was eigentlich gespielt wird. Nur eine Ansage war ganz deutlich: "Rauchen polizeilich verboten!" stand auf einer Holztafel mitten auf dem Podium. Die hatten die Mnozils vermutlich zufällig hinter der Bühne gefunden und mitgenommen - ein bisschen Verwirrung kann ja nicht schaden und lockert den Geist. Aber was hätte ein Moderator tatsächlich sagen können. Beim Einzug der Gladiatoren bzw. Artisten musste sich die Musik erst aus dem Totalchaos heraussortieren, und dann ... Natürlich erkannte man einzelne Melodien und Bestandteile von der "Fledermaus" bis zu Mozart-Sinfonien, von Haydn, Strawinsky, Mahler, irischer Folklore, Mussorgskys "Bildern einer Ausstellung" und Eigenkompositionen wie dem Asylantenwalzer, der Nagelschmiedpolka oder der Maiglöckerlmasurka. Aber es sind immer harmonisch höchst raffinierte Collagen mit einem Hang zur virtuosen Verdichtung, die an die Grenzen der Instrumente führt - und einer Reise zwischen ironisierender Volkstümelei und pathetischer Klassik.

Es kommt selten vor, dass schon das Zuhören atemlos macht. Hobbybläser sollten sich von so einer Musik und so einem Auftritt nicht entmutigen lassen und unverdrossen weiterüben.

Da ist es gut, dass die Mnozils das Publikum, das sich in den Musik hineinsteigert, mit Sketchen immer mal wieder auf den Boden herunterholt. Und das sind nicht nur Themen rund um die so minutiös genauen und gerade deshalb so spontan wirkenden Choreographie. Oft reicht die Musik in diese Szenen hinein, ist auch Bestandteil. Wenn etwa Robert Rother versucht, mit einem imaginären Kurbelgrammophon eine ebenso imaginäre Schellackplatte zu hören, und er dabei nicht nur die falsche Seite erwischt, sondern auch das Aufziehen des Antriebs vergisst, wenn die Musik immer langsamer und tiefer wird, dann ist das auch für die anderen sechs Bläser das reine Vergnügen. Der mimische Höhepunkt war Leonhard Paul als Zauberlehrling, der in einem vermeintlich unbeobachteten Moment versucht, mit dem Zaubertuch eine Rose erscheinen zu lassen. Da hätte man im Saal eine Stecknadel fallen hören können.

Natürlich gab's Zugaben; zum einen das hinterfotzig-volkstümliche "Edelweißlied" vom Hütebuben, den die Sennerin ausschickt, ihr einen Edelweißstrauß zu pflücken, der das auch tut, dabei aber vom Felsen stürzt und zu Tode kommt - und mit seinem Blut die Edelweiße rot färbt - a cappella mit köstlichem Jodelpathos und ironisierten österreichischen Knacklauten gesungen. Und das wunderbar geblasene, aber harmonisch total verschrägte "Guten Abend, gut' Nacht" von Johannes Brahms. Sie gehen jetzt nach Hause, weil Sie morgen Ihrer Wahlpflicht nachkommen müssen", sagte Wilfried Brandstötter, nachdem letztendlich doch noch die Namen der Musiker verraten worden waren. "Und bedenken Sie: Auch wir sind in diesem Land Ausländer."