Der Landkreis Bad Kissingen ist eine wirklich baumreiche Gegend. Etwa die Hälfte der Fläche, mehr als 54 000 Hektar, ist mit Wald bewachsen. Zum Vergleich: In Deutschland ist etwa ein Drittel der Gesamtfläche bewaldet, schreibt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) auf ihrer Homepage. Demnach gibt es im Landkreis mit 48,2 Prozent überdurchschnittlich viel Wald. Doch wem gehört dieser? Wie wird er genutzt? Welche Baumarten kommen vor? Wie ist der Allgemeinzustand?

Antworten darauf hat Bernhard Zürner. Der 59-Jährige ist Leiter der Außenstelle Bad Kissingen des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) Bad Neustadt. "Wir erfüllen hoheitliche Funktionen und sind Forstaufsicht für alle Wälder", sagt er. Zwar sind die Besitzer weitestgehend autonom. Dennoch müssen auch sie Gesetze und Regeln einhalten, beispielsweise bei Schädlingsbefall. Etwa 42 Prozent der Wälder im Landkreis gehören Freistaat und Bund. Letztere befinden sich überwiegend auf den Truppenübungsplätzen in Hammelburg und Wildflecken. Die restlichen 58 Prozent gehören Kommunen (28 Prozent) und Privatleuten (30 Prozent).


Sechs Reviere im Landkreis

Diese Waldflächen werden vom AELF betreut, aufgeteilt in sechs Reviere - Bad Brückenau, Burkardroth, Bad Kissingen I und II sowie Oerlenbach und Fuchsstadt. Jedes ist mit einem Förster besetzt, als Bindeglied zwischen Amt und Waldbesitzern. "Unser größter Aufgabenbereich ist die Förderung der Privat- und Kommunalwälder", sagt Zürner. Da diese ebenso wie die Staats- und Bundeswälder, die eigene Forstverwaltungen betreiben, vom Klimawandel betroffen sind, müssen sie entsprechend umgebaut werden. Heißt: Die Baumarten, die mit der Erderwärmung und der Trockenheit nicht zurechtkommen, wie etwa die Fichte, werden durch robustere Sorten wie Buche oder Eiche ersetzt. Um das finanziell zu leisten, können Gemeinden und Privatleute über das AELF entsprechende Fördermittel beantragen.

Der Wald im Landkreis besteht aktuell überwiegend aus Laubbäumen. 25 Prozent sind Buchen, etwa 20 Prozent Eichen und zehn Prozent sonstige Laubhölzer. Die restlichen 45 Prozent der Waldfläche bestehen aus Fichten, Kiefern und sonstigen Nadelbäumen wie Douglasie oder Lärche. Doch das war nicht immer so. "Ursprünglich waren die Wälder von der Saale bis in die Hochrhön von der Buche geprägt", ist in einer Info-Broschüre des AELF Bad Neustadt nachzulesen. Mit Beginn der Industrialisierung entwickelte sich ein großer Bedarf an Bauholz, so dass immer mehr schneller nachwachsende Fichten und Kiefern angepflanzt wurden.

"Eine Fichte braucht etwa 80 bis 100 Jahre, um erntereif heranzuwachsen, eine Eiche hingegen zwischen 250 und 300 Jahre", erklärt Zürner. Buchen und Kiefern benötigen rund 120 bis 140 Jahre bis zur Ernte. Der Fachmann kann sich noch gut daran erinnern, dass es in den 1980er Jahren deutlich mehr Nadelwald gab als heute. Alte Forsteinrichtungen, so werden die 20-Jahres-Pläne der Kommunen bezeichnet, belegen das. Damals machten auch Bilder vom Baumsterben die Runde. Inzwischen ist dieses jedoch Geschichte. "Die Situation in unseren Wäldern hat sich deutlich verbessert", ist Zürner überzeugt.

Im Landkreis Bad Kissingen hat sich die Waldfläche seit 1980 sogar vergrößert. Laut der Kommunalstatistik, die im August 2016 vom Bayerischen Landesamt für Statistik veröffentlicht wurde, gehörten zum Kreis damals 47 770 Hektar Wald. Das entsprach 42 Prozent der Fläche. 2014 wurden 54 792 Hektar ermittelt. Das sind 48,2 Prozent der Gesamtfläche - und somit sechs Prozent Waldfläche mehr. "Diese Zuwächse sind überwiegend durch Anpflanzungen entstanden", erklärt Zürner. Sie wurden häufig als Ausgleich für Baumaßnahmen erledigt, unter anderem für den Bau der Autobahn 71.

Das Holz der heimischen Wälder wird vielfältig genutzt - zur Papierherstellung, als Bau- und Konstruktionsholz sowie zur Möbel - oder Palettenproduktion. "Im Staats- und Kommunalwald erfolgt eine wertangepasste Vermarktung", sagt Zürner. Heißt: Damit werden Erlöse erzielt, die in die jeweiligen Haushalte fließen. Allerdings werde in diesen Wäldern nicht willkürlich geerntet, wie viele denken, sondern unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Es wird nur so viel Holz entnommen, wie jährlich nachwächst. "Pro Hektar sind das zwischen fünf und acht Festmeter", weiß Zürner. Deshalb liegt der Hiebsatz bei der Holzernte bei rund fünf Festmetern pro Hektar.
Die zahlreichen, kleinen Privatwälder hingegen werden häufig nur zur Brennholzbeschaffung genutzt. "Dort sehe ich noch großes Potenzial", sagt der Fachmann. Schließlich können die Eigentümer ihre Parzellen oftmals nicht ausreichend pflegen, da Wege fehlen. "Diese Struktur mit vielen schmalen Grundstücken ist der fränkischen Realteilung geschuldet", fügt Zürner hinzu. Für Abhilfe könnte die Wald-Flurbereinigung sorgen, die mancherorts schon angestoßen wurde, um die Grundstücke an Wege anzubinden. Doch auch in Sachen Waldpflege haben etliche Privatbesitzer Nachholbedarf.


Wissenswertes rund um den Wald


Deutschlands grünste Millionenstadt ist Hamburg. Mit Dreiviertel der Fläche ist die Hansestadt zugleich grüne Spitze unter den 14 Städten mit mindestens einer halben Million Einwohner. Das haben Mitarbeiter der Zeitung "Berliner Morgenpost" herausgefunden. 185 Satellitenbilder haben sie dafür ausgewertet und zu einem detaillierten Bild zusammengesetzt.
Als waldreichste Großstadt Deutschlands ermittelten sie Siegen. Sie liegt im Kreis Siegen-Wittgenstein, der am stärksten bewaldete der Republik . Etwa 71 Prozent der Kreisfläche ist mit Bäumen bewachsen. In Bayern zählen die Landkreise Regen und Freyung-Grafenau zu den waldreichsten Regionen. Ihr Waldanteil liegt bei rund 65 Prozent. Als waldreichste Bundesländer werden von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Hessen und Rheinland-Pfalz genannt.

Zahlen Der Wald in Deutschland besteht zu 57 Prozent aus Nadelwald und 43 Prozent aus Laubwald. Höchsten Anteil haben die Fichte (26 Prozent) und Kiefer (23 Prozent) gefolgt von Buche (16 Prozent) und Eiche (10 Prozent), kkh