Kerzengerade sitzt Madoka Kitao da und befehligt ihre Armee. Goldene und silberne Generäle schickt sie in die Schlacht, einfache Fußsoldaten, unterstützt durch fliegende Streitwagen und Drachenkönige. Kitao spielt Shogi, die japanische Schachvariante. "Es ist ein sehr traditionelles, japanisches Spiel mit einer Geschichte von mehr als 1000 Jahren. Es geht sehr in die Tiefe", sagt die 34-jährige Frau aus Tokio.

In ihrer Heimat ist Kitao eine von 200 Profispielern. Wenn sie um die japanische Meisterschaft spielt, berichtet das japanische Fernsehen in den Abendnachrichten darüber. "In Japan gibt es niemanden, der Shogi nicht kennt", erklärt sie. Zwölf von 120 Millionen Japanern spielen Shogi im offiziellen Verband.

Das "Spiel der Feldherren" ist über Japan hinaus kaum bekannt. Wer es lernen will, sollte Japanisch können: Die 40 Spielsteine sehen nahezu gleich aus. Japanische Schriftzeichen geben an, ob es sich um den König oder einen Fußsoldaten handelt. Außerdem gibt es kaum Lehrbücher in einer Fremdsprache, sagt Valentin Betzer aus Reiterswiesen. Der 21-Jährige studiert an der Universität in Frankfurt Japanologie und beherrscht das Japanische mittlerweile fließend. "Ich habe Shogi gelernt mit Büchern, die von Madoka Kitao geschrieben wurden", sagt er.

"Ich will Shogi in Deutschland populärer machen", sagt Kitao. Sie hat eine vereinfachte Shogivariante entwickelt, das "Dobutsu Shogi", zu deutsch Tierschach. Das Spielfeld besteht aus zwölf anstatt aus 81 Feldern und die acht Steine sind mit bunten Tiersymbolen bedruckt. Die Regeln sind ansonsten wie beim klassischen Shogi.
"Das Spiel ist in Japan beliebt, um kleinen Kindern Shogi beizubringen", erklärt Betzer. Shogi und auch die Kinderversion unterscheiden sich deutlich vom europäischen Schach. "Geschlagene Steine kann der Spieler für sich selbst einsetzen. Dadurch wird es komplexer, aber auch schwieriger anderen beizubringen", findet er. Dobutsu Shogi sei für Nichtjapaner einfacher zu lernen.

Shogi in Bad Kissingen

Der Student dolmetscht bei Madoka Kitaos Deutschlandtour. Unter dem Titel "Let's Catch the Lion" vermarktet sie das von ihr entwickelte Spiel mit den bunten Figuren im Ausland. "Einmal im Jahr kommt sie nach Deutschland. Hier nimmt sie an verschiedenen Events teil", sagt Betzer. Die Japanerin war zuletzt mit einem Stand ihres Unternehmens Nekomado auf der Frankfurter Buchmesse vertreten und ist derzeit auf der weltweit größten Spielemesse "Spiel '14" in Essen zu sehen.

Kitao besuchte jetzt außerdem Bad Kissingen, wo sie ihr Spiel "Let's Catch the Lion" den Senioren des Tagespflegedienstes "Am Schlossberg" in Reiterswiesen vorstellte. Antje Beer, Mutter von Betzer, leitet den Pflegedienst. "Ich versuche immer etwas Neues anzubieten", sagt sie. Bei den Senioren sei der exotische Spielenachmittag gut angekommen.

Kitao gelang mit "Let's Catch the Lion" ein echter Verkaufsschlager: Mehr als eine halbe Millionen Mal ging das Spiel in Japan über die Theke. Im Ausland fanden sich bislang etwa 30 000 Käufer. Kitao hofft, dass es in Deutschland jetzt ein paar mehr werden.


Shogi für Kinder und Ausländer

Let's Catch the Lion Bei "Let's Catch the Lion" handelt es sich um Shogi mit vereinfachten Regeln. Madoka Kitao hat es ursprünglich entwickelt, um japanische Kinder an das Spiel heranzuführen. Weil Tiersymbole anstatt japanischer Schriftzeichen verwendet werden, eignet sich das Spiel auch für Nichtjapaner als Einstieg. Kitao vermarktet das Spiel in Europa.

Shogi
Das Spielfeld ist neun mal neun Felder groß, jeder Spieler hat zu Beginn 20 Steine. Japanische Schriftzeichen geben die Funktion an, die die Steine haben, (König, Turm, usw...). Die Steine sind nicht durch Farben gekennzeichnet. Ihre Zugehörigkeit zu einem Spieler wird durch die Richtung angezeigt, in der sie auf dem Spielfeld liegen. Ziel des Spiels ist es, den gegnerischen König "matt" zu setzen. Bei "Let's Catch the Lion" geht es darum, den gegnerischen Löwen zu schlagen.

Schlagen Im Gegensatz zum westlichen Schach sind geschlagenen Figuren nicht für immer aus dem Spiel. Schlägt ein Spieler einen Stein, behält er ihn und setzt ihn für sich ein.

Befördern Erreicht eine Figur den Startbereich des Gegners, kann sie befördert werden. Der Stein wird gedreht, ein neues Symbol steht auf der Rückseite. Die beförderte Figur hat erweiterte Zugmöglichkeiten.