Was würde ins Luther-Jahr besser ins Missio-Camp passen, als ein Besuch von Martin Luther und seiner Katharina höchstpersönlich. Miriam Küllmer-Vogt hat es als Katharina von Bora möglich gemacht. Auf der Bühne ließ sie die turbulente Zeit der Reformation und die Liebesgeschichte zwischen der "entlaufenen Nonne" und dem Reformator lebendig werden - aus Sicht der Frau.

"Wenn Engel lachen ..." diesen Titel trägt das Musical, das nach Wittenberg ins Jahr 1524 entführte. Die Nonne Katharina von Bora hat sich verliebt - in den Nürnberger Patriziersohn Hieronymus Baumgartner. Mutig bittet sie Professor Martin Luther, der Familie ihres Angebeteten einen Brief zu schreiben. Und der Reformator erklärt sich auch dazu bereit; wenn Katharina ihrerseits ein gutes Wort für ihn bei ihrer Freundin Ava einlegt. In die hat der große Denker sich nämlich verguckt.

Anfangs haben also weder die so eigenwillige Katharina noch der ehrenwerte Martin Luther gedacht, dass sie einmal ein Paar werden würden. Als Nonne war Katharina in der Osternacht aus dem Kloster geflohen. Sie galt nun als Verfemte. Die Ketten des Glaubens hatte sie gesprengt. Die weltfernen Jahre, die Strenge und Ohnmacht, die Freudlosigkeit und das Schweigen hat sie hinter sich gelassen. "Ich darf lieben, wen ich mag. Ich darf reden und das jeden Tage. Ich darf springen, bin nicht mehr angeleint. Jetzt hat die Gnade neues Leben geschafft."
Doch aus der Verbindung zu dem Nürnberger Kaufmannssohn wird nichts. Er zog das Erbe der Liebe vor. Wütend, enttäuscht, ohnmächtig vor Enttäuschung stand Katharina auf der Bühne. "Vor Angst lassen die Männer die Liebe verkümmern."

Doch sie gab nicht auf. "Und hätte ich keine Liebe, wäre ich tot, schon vor dem Sarg, dann bliebe alles kalt und leer." Ihre Zweifel und Ängste, ihre Sorgen legt sie vor Gott und fragt voll Verzweiflung: "Wo bist du, Schöpfer der Welt, der mich angeblich unendlich sanft in seinen Händen hält?"

Miriam Küllmer-Vogt spielte und sang die Katharina in diesem "Reformatorischen Kammermusical" voller Leidenschaft und Hingabe. Das Kammermusical hielt sich bei aller künstlerischen Freiheit eng an historische Fakten. So bestand etwa das erste Lied ausschließlich aus Zitaten überlieferter Briefe, die Martin Luther an seine Katharina geschrieben hat. Interessanterweise nennt er sie darin, wohl wegen ihrer äußert energischen Art, immer "Mein lieber Herr Käthe".

Und was war mit Luther, während Katharina mit der Liebe hadert und trotzdem an ihr festhält? Dessen Reformation drohte gerade zu scheitern - an machthungrigen Politikern, aufständischen Bauern, schwärmerischen Splittergruppen und übereifrigen Pfarrern. "Er braucht eine Frau an der Seite, die ihm zeigt wo es lang geht. Denken kann er - aber leben?" Die energische Katharina ergreift die Initiative und schließlich hieß es: "Lass uns lieben, dass die Engel lachen und etwas von der Freude zeigen, die im Himmel wohnt und die unser Herz befreit." Wie bekannt haben sich Martin Luther und "Herr Käthe" am Ende noch bekommen. Sie heirateten und bekamen sechs Kinder.