Die Cocktailbar ist abgebaut, Sonnenschirme und Liegestühle sind verräumt, der Sand ist abtransportiert. Es bleibt eine leere, erdige Fläche auf der Wiese gegenüber dem Regentenbau, dort, wo seit Mai der Stadtstrand geöffnet hatte. "Die Fläche muss jetzt wiederhergestellt werden", sagt Martin Christ, Leiter der Kurgärtnerei. Es sei wichtig, dass das schnell geschehe. In sechs Wochen sei es zu spät, um Gras zu säen.


Zunächst ist der festgetretene Boden zu lockern. Dann wird Kompost unterge fräst, der Boden geebnet und anschließend neuer Samen ausgebracht. Wenn alles gut geht, ist laut Christ in etwa sechs bis acht Wochen neues Gras gewachsen. "Das hängt natürlich vom Wetter ab", sagt er. Im Notfall könne man aber noch Rollrasen verlegen. "Das ist aber die teuerste Möglichkeit", erklärt Christ. Beschwerden hinsichtlich des Stadtstrandes gibt es von Seiten der Kurgärtnerei keine. Auch beim Hochwasser im Frühjahr sei kein Sand in die Kuranlagen geschwemmt worden. "Die Fließgeschwindigkeit war nicht hoch genug", erklärt Christ.

Die Betreiber um Andreas Lampert sind vertraglich verpflichtet, die Wiese zu begrünen. "Unsere Bedingung war, dass die Fläche hinterher genauso ausschaut wie vorher", sagt Kurdirektor Frank Oette. Das Areal wurde von der Staatsbad GmbH bereit gestellt. Oette zweifelt nicht daran, dass die Betreiber ihre Pflichten erfüllen und hält eine Neuauflage 2014 für vorstellbar. Beschwerden hielten sich in Grenzen, das Projekt habe überwiegend positive Resonanz erfahren. Er habe zwar Verbesserungsvorschläge, aber nur in Detailfragen. "Das betrifft keine wesentlichen Veränderungen", sagt Oette.

Lampert hat unlängst angekündigt, dass er 2014 wieder den Stadtstrand an selber Stelle betreiben möchte. Er hat deshalb bei der Stadt Bad Kissingen wegen einer neuen Genehmigung angefragt (wir berichteten). Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) befürwortet das grundsätzlich: "Ich hoffe, dass der Stadtstrand hier eine Zukunft hat." Es spreche einiges für das Projekt, vor allem dass es neue Gäste aus dem Umland in die Stadt gelockt habe. Den Standort an der Ludwigsbrücke hält er für die bestmögliche Lösung. Am Schweizerhaussteg hat es ein "Nein" von den Anwohnern gegeben. Andere Standorte mit größerer Entfernung zur Innenstadt sind laut Blankenburg wenig sinnvoll. "Dort fehlt die Laufkundschaft. Es gibt Sachen, die kann man nur in der Stadt machen", argumentiert er.

Andererseits hatte das Projekt Startschwierigkeiten, bei denen die Stadt aus Rücksicht auf das erste Geschäftsjahr kulant reagierte. "Das muss sich einspielen", sagt Blankenburg. Es handele sich etwa um Parkverstöße und zu laute Musik nach 22 Uhr. Blankenburg: "Das sind Probleme, die es bei jedem gastronomischen Betrieb gibt. An freier Luft fällt das besonders auf. Trotzdem sehe ich, dass das besser werden muss." Regeln wie Lärmschutzauflagen seien einzuhalten.

Sowohl die umliegenden Heiligenfeld-Kliniken als auch die Veranstalter des Kissinger Sommers äußerten auf Nachfrage keine Beschwerden. Anwohner Franz-Peter Potratzki dagegen klagte über zu laute Musik. Edgar Gleinser, Inhaber des Casinorestaurants Le Jeton, gab keinen Kommentar ab.


Entscheidung im Stadtrat

Letztlich entscheidet der Stadtrat, ob und wie der Stadtstrand eine Zukunft hat. Auf der Tagesordnung steht das Thema vorerst noch nicht. Es wird voraussichtlich im Herbst behandelt. Die Räte stehen dem Vorhaben größtenteils aufgeschlossen gegenüber. "Das war eine Bereicherung für Bad Kissingen und ist gut angenommen worden", findet Bernd Czelustek (SPD). Solange der Betreiber sich an die Regeln halte, spreche nichts dagegen. Alexander Koller (DBK) befürwortet eine Fortsetzung. Klaudia Schick (CSU) sagt, sie persönlich werde ihre Entscheidung davon abhängig machen, inwiefern die Vorgaben eingehalten wurden.

Richard Fix (Grüne) stellt sich uneingeschränkt dahinter: "Es ist ein Angebot für junge Leute. Ich bereue es nicht, dass wir dafür abgestimmt haben." Im Hinblick auf eine künftige Abstimmung geht Fix davon aus, dass die Fraktionsgemeinschaft aus Grünen, ÖDP, BfU und FDP sich positiv äußert. Otto Funck (Freie Wähler) war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.