Für Sonnenanbeter war der August bisher ein Parademonat. Doch was die Urlauber freut, sorgt die Wasserwirtschaft. Denn Hitze und Trockneheit lassen die Wasserstände sinken. Die lokalen Gewittergüsse der vergangenenTage sorgen da für wenig Abhilfe. Kritisch ist die Situation allerdings noch nicht, betont Uwe Seidl vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Wasserfachleute beobachten die Entwicklung aber genau. "Wir hoffen, dass es sich nicht weiter verschlechtert", so Uwe Seidl. Sie sind gewissermaßen in Habachtstellung. Denn auch wenn es schon Mitte August ist, heißt das nicht, dass mit einer entspannteren Lage gerechnet werden kann. Die ersten kleinen Zuflüsse drohen bereits trocken zu fallen. Wasserstände sind niedrig oder sehr niedrig.

Indikatoren sind aber auch die Wassertemperaturen. Die Saale-Temperatur liegt in diesen Tagen in Bad Kissingen bei rund 19,5 Grad, im Pegel Salz (Landkreis Rhön-Grabfeld) bei 17,5 Grad. Das sind Temperaturen, die nach Angaben von Uwe Seidl noch nicht problematisch sind. Knapp 21 Grad waren es an einigen Tagen während der Hitzewelle Anfang August. Der Temperaturunterschied der Saale zwischen Salz und Bad Kissingen erklärt sich darin, dass die Fließgeschwindigkeit flussabwärts langsamer wird und es mehrere Wehranlagen gibt. Dadurch könne sich das Wasser leichter erwärmen.

Der Main ist deutlich wärmer

Deutlich wärmer ist der Main. Bei Schweinfurt wurden in den vergangenen Tagen rund 23, 4 Grad gemessen. Hier gilt auch eine Vorwarnstufe. Man könne den Fluss allerdings nicht mit den Fließgewässern im Landkreis vergleichen, erklärt Uwe Seidl.Viele Lebewesen, die in Saale, Lauer, Schondra oder Sinn leben, vertragen höhere Temperaturen schlechter als die meisten Mainbewohner. Die Wärme des Wassers beeinflusst auch den Sauerstoffgehalt. In der Saale bei Bad Kissingen sind es derzeit zwischen sieben und acht Milligramm pro Liter. Damit kommen die Forellen zurecht. DieBestände sind nicht gefährdet. Im Main bei Schweinfurt werden derzeit rund sechs Milligramm gemessen. Aber auch da ist die Situation weniger kritisch als am Untermain, wo die Flusserwärmung noch durch die starke Industrialisierung beeinflusst wird.

Michael Kolahsa von der Fischerfachberatung des Bezirks Unterfranken bestätigt den Eindruck der Wasserwirtschaft. Die Fische in den Fließgewässern der Region kommen mit der Situation zurecht. Solange alles fließt, passen nach Auskunft Kolahsas auch die Sauerstoffwerte im Wasser.

Bezirk hat eigenen Saaleabschnitt

Michael Kolahsa war erst vor ein paar Tagen an der Saale bei Aschach, hat dort geangelt und sich persönlich ein Bild von der Situation vor Ort gemacht. Der Bezirk hat dort einen eigenen Saaleabschnitt erworben. Das hilft der Fischereifachberatung, um vor Ort einen besseren Überblick über die Bestände zu behalten. So ist die Fischereifachberatung Mitglied in der Hegefischereigemeinschaft Mittlere Saale, um den Kontakt mit den Anglern vor Ort zu haben. Die können auf der Gewässerstrecke auch Tageskarten fürs Angeln erwerben. Unter anderem Forellen, Äschen, die Nase, Rutte und Barben, aber auch Hecht, Karpfen, Schleien und Aale schwimmen bei Aschach in der Saale.

Kritischer beurteilt auch der Fischereifachmann die Situation in den kleinen Zuläufen. Hier mache sich die Trockenheit stärker bemerkbar. In solchen Fällen wandern die Fisch-Bestände aber erfahrungsgemäß in die nächst größeren Gewässer, um die Trockenphase zu überstehen.

Vor 30 oder 40 Jahren seien die Niedrigwasserphasen nicht so ausgeprägt gewesen wie heute, erläutert Uwe Seidl vom Wasserwirtschaftsamt. Das Wasservolumen (Abfluss), das in den Pegeln gemessen wird, sei in den letzten Jahren meist unterdurchschnittlich. Im Juli sei die Situation zwar entspannter gewesen als in den letzten beiden Jahren. Aber mittlerweile sind die Pegelstände wieder deutlich nach unten gerutscht. Für das Wasserwirtschaftsamt ist in der momentanen Phase wichtig, dass die Wasserknappheit in den Fließgewässern nicht noch durch menschliches Zutun verstärkt wird. "Wir passen auf, dass nichts passiert, was den Gewässern schaden könnte", sagt Uwe Seidl.

Wasser pumpen nicht erlaubt

Deshalb genehmigt das Wasserwirtschaftsamt aktuell auch keine Wasserentnahme aus Flüssen und Bächen mit Pumpen. Für Gartenbesitzer, die ein Grundstück an einem noch so kleinen Fließgewässer besitzen, heißt das: Sie dürfen daraus lediglich Wasser mit der Gießkanne schöpfen. Der Einsatz einer Pumpe ist nicht erlaubt. "Das war in den letzten Jahren schon immer so", sagt Seidl. Wer trotzdem pumpt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Wird diese angezeigt, liege es in der Verantwortung des Landratsamtes, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Selbst tätig werden kann das Wasserwirtschaftsamt als Fachbehörde nicht.

Doch in einem Punkt gibt es derzeit aus dem Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen eine Entwarnung: Die Trinkwasserversorgung in den Gemeinden sei durch die Trockenheit noch nicht gefährdet. Die Behörde hat bislang keine Hinweise darauf, dass Quellen trocken fallen könnten. Präventiv werde aber dennoch in einigen Kommunen bereits zum sparsamen Umgang mit dem Trinkwasser aufgerufen, vor allem dort, wo oberflächliche Quellen stärker anfällig sind bei langen Trockenphasen.

Die Gewitterregen der vergangenen Tage haben für Wald und Flur eventuell etwas Entlastung gebracht, sagt Uwe Seidl. Gewässer und Grundwasser können davon allerdings nicht profitieren.

Im Sommer komme ein Großteil des Regens durch Verdunstung und Pflanzenwachstum ohnehin nicht in den tieferen Erdschichten an. Außerdem füllt Starkregen zwar kurzfristig Bäche und Flüsse. Doch dieser Effekt verpuffe sehr schnell, sagt auch Michael Kolahasa.

Uwe Seidl ist dennoch dankbar für jeden Tropfen Wasser, der momentan vom Himmel kommt. "Was wir aber brauchen, ist ein flächendeckender Regen", stellt der Wasserfachmann fest. Erst der würde wirklich Entlastung bringen.