Am Dienstag nächster Woche beginnt das neue Schuljahr. Und für alle Schüler außer den Grundschülern wird es kein normaler Start werden: Sie müssen für die nächsten neun Schultage eine Maske tragen - auch im Unterricht. Das hat die Kabinettssitzung am Dienstag beschlossen. Während die Rektoren der Schulen im Landkreis noch auf Schriftliches aus dem Kultusministerium warten, agieren einige Eltern schon jetzt: Für viele von ihnen ist es undenkbar, dass ihr Kind eine Maske im Unterricht trägt.

"Die Zahlen sind zu früh zu hoch", sagte Ministerpräsident Markus Söder bei einer Pressekonferenz am Dienstagmittag. Um den Bildungsauftrag zu erfüllen und "keinen zweiten Lockdown" hervorzurufen, soll für möglichst viel Sicherheit in Schulen gesorgt werden. "Das kleinere Übel ist die Maske",sagte er.

Lockeres Ausstellen von Attesten?

Das sehen manche Eltern in verschiedenen Foren anders. Unter ihnen sind Mütter und Väter aus dem Landkreis, die der Maske generell einen Schutz vor Corona absprechen, und auch Mütter und Väter, die das Tragen der Maske im Unterricht für eine Zumutung halten. Nicht nur in Bad Kissingen, sondern auch in ganz Bayern finden sie sich beispielsweise auf "telegram", einem Nachrichten-Dienst, zusammen. Unter der Kennung "ElternStehenAuf" hat die bayernweite Initiative bereits einen Brief an Kultusminister Michael Piazolo verfasst und darin ihren Unmut über die Maskenpflicht kundgetan. Über elektronische Medien geben sie sich gegenseitig Tipps: wie man sich gegen einen Test wehren kann; dass das Gespräch mit der Schulleitung gesucht werden soll; dass der Schulleiter angeschrieben werden soll, dass das Kind unter der Maske Atemnot bekommt oder auch, dass man dem Kind ein Attest besorgen soll. Dass einige Ärzte offenbar locker mit dem Ausstellen von Attesten umgehen, empfindet ein Teilnehmer als "Hilfe".

Bis hin zur Gefängnisstrafe

Diese Hilfe könnte Ärzten teuer zu stehen kommen: Paragraf 279 des Strafgesetzbuchs sagt, dass falsche Atteste mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden können.

Dagmar Nedbal aus der Pressestelle des Bayerischen Landesärztekammer sind derlei Vorfälle nicht bekannt. Und sie sagt: "Zur Glaubhaftmachung einer Maskenbefreiung bedarf es keines Attestes, es kann aber hilfreich sein."

Ulrike von und zu der Tann ist Rektorin der Mittelschule in Münnerstadt. Bislang hat sich noch kein Elternteil bei ihr gemeldet und die neuntägige Maskenpflicht thematisiert. Käme ein Kind mit einem Attest, "würde ich es ganz offiziell zum Amtsarzt schicken und das Attest überprüfen lassen".

Matthias Ludoph, Leiter des Frobenius Gymnasiums in Hammelburg hatte zum Zeitpunkt des Telefonats mit der Redaktion noch keine weiteren Erkenntnisse als die, die er der Presse entnehmen konnte. "Ich gehe davon aus, dass im kultusministeriellen Schreiben entsprechende Hinweise zu dem Thema stehen werden - dass die Maskenpflicht unter Eltern umstritten ist, ist bekannt." In Hammelburg habe ihn dieses Thema noch nicht berührt, "aber ich weiß von Diskussionen an anderen Schulen".

Im Einzelfall Gespräch suchen

Am 31. Juli hatte er zuletzt Schriftliches vom Ministerium erhalten."Da ist auch die Rede von Ausnahmeregeln für Personen, die aufgrund von Behinderungen oder mit gesundheitlicher Begründung keine Maske tragen können", sagt Ludoph. "Das schließt nicht aus, dass man im Einzelfall noch einmal ein Gespräch suchen wird." Die Wahrnehmung der Pandemie sei "sehr stark ausdifferenziert" , die Reaktionen reichten von Panik bis Unverständnis. "Deshalb muss man das Gespräch suchen, wie man aufeinander Rücksicht nehmen kann. Bisher haben wir alles gütlich regeln können und ich gehe davon aus, dass wir für alle verträgliche Regelungen finden werden."

Diskussionen im Vorfeld

Auch Markus Arneth, Schulleiter des Jack-Steinberger-Gymnasiums, bleibt gelassen. Bereits vor den Ferien galt eine Maskenpflicht auf den Gängen, es gab eine Coronatrennwand im Sekretariat, zeitversetzt e Pausen in festen Gruppen sowie einen zeitversetzten Schulschluss. Bislang hat auch er noch keine Reaktionen von Eltern erhalten, "aber im Vorfeld gab es Diskussionen darüber. Aber wir konnten die Themen einvernehmlich klären". Er nehme die Sorgen der Eltern ernst, "aber wir müssen nun erst mal sehen, wie der Plan konkret an den Schulen ausgestaltet wird".

Stefan Wassmuth ist Sprecher des Bundeselternrats, der Dachorganisation der Landeselternvertretung. "Die Maskenpflicht entzweit die Elternschaft, wobei es die meisten begrüßen, dass die Gesundheitsvorsorge im Vordergrund steht. Andere allerdings sagen, es sei eine Zumutung für die Kinder, die könnten schwer atmen und würden sich aus der feuchten Maske Bakterien einfangen. Das sind Gründe, die wir nicht ganz von der Hand weisen können." Er bezeichnet die Situation als schwierig, "aber wir sind alle keine Virologen". "Wir vom Bundeselternrat sagen: Die Gesundheitsvorsorge muss im Vordergrund stehen. Wenn wir auf der sicheren Seite stehen wollen, ist es sinnvoll, Lösungen zu finden, wie man mit Maske arbeiten kann."

Kein Abstand im Schulbus

Er sieht ein größeres Problem im Schulbusverkehr: "Der Abstand ist dort nicht einzuhalten. Das haben wir schon anfangs bemängelt." Für den Schülertransport seien die Schulträger verantwortlich, "doch die haben nicht genügend Busse, um die Schüler mit Abstand zu transportieren." Warum in dieser Situation keiner auf bislang auf Busunternehmer zugegangen sei, verstehe er nicht. "Deren Busse stehen durch die Pandemie ja gerade nutzlos in den Höfen." Er vermutet, dass da aufgrund von Ausschreibungsregeln nicht möglich sei. "Aber wir sind in einer Notsituation - da hätte man einen Weg finden können."